06.12.2017, 09:03 Uhr

Ärger über Aus für Sparverein "Neustift"

Die Mitglieder des Sparvereins "Neustift" sind traurig: Johanna Schilling, Grete Schwarz, Ludmilla Steinmair, Anton Schilling. (Foto: Punz)

Nach 70 Jahren wurden die Sparer von der eigenen Hausbank vor die Tür gesetzt. Grund für die Vereinsauflösung ist die Bankenbürokratie.

NEUSTIFT/INNERMANZING (mh). Auf dem altehrwürdigen hölzernen Sparvereinskasten im Gasthaus Schilling in Neustift klebt ein Zettel: "Bitte nicht mehr einzahlen, wird abgerechnet!" steht darauf in flinker Handschrift. „Leider dürfen wir heuer das letzte Mal die Sparguthaben auszahlen“, sagt Anton Schilling, Obmann des Sparvereines „Neustift“, mit ernster Miene im Gespräch mit den Bezirksblättern.

Letzte Auszahlung

Schilling ist traurig: „Nach über 70 Jahren ist eine Ära zu Ende gegangen.“ Der traditionsreiche Verein aus dem Wienerwald wurde von seiner Hausbank vor die Tür gesetzt. Dem Vorstand blieb nichts anderes übrig, als die letzte Auszahlung anzukündigen. Besonders schade findet der Obmann, dass damit einer guten Gemeinschaft ein unfreiwilliges Ende beschert wird. Jeden dritten Sonntag trafen sich die Mitglieder im Gasthaus Schilling. "Jeder hatte Gedanken, was er mit seinem Ersparten anfangen wird. Das ist nun alles zu Ende. Wir hätten den Sparverein gerne weiterhin aufrecht erhalten", bedauert Schilling.

65.430 Euro angespart

Heuer hatten die 98 Mitglieder insgesamt 65.430 Euro durch ihre Einlagen angespart. Auch Andrea Felber von der Raiffeisenbank Wienerwald ist über die Situation nicht glücklich: "Wir haben uns lange für die Erhaltung der Sparvereine in unserem Institut eingesetzt – stoßen jetzt allerdings aufgrund der Rechtslage an unsere Grenzen und sehen uns daher gezwungen, die Sparvereine einzustellen", sagt sie auf Anfrage. "Wir haben bereits im Vorjahr darüber gesprochen, dass wir mit Ende des Jahres 2017 unsere Sparvereine nicht mehr weiterführen."

Banken steigen aus

Hauptgrund sind laut Raiffeisenbank Wienerwald die verschärften gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dies betrifft insbesondere die Verpflichtung zur Identifikation jedes einzelnen Mitglieds und die Zuordnung der getätigten Einlagen und Einmeldung ins Kontenregister. "Wir können diese Daten allerdings nicht selbst erheben, sondern sind auf die Zahlen, die uns bekanntgegeben werden angewiesen", sagt Felber. "Wir wissen auch von vielen anderen Banken, dass sie schon seit mehreren Jahren keine Sparvereinskonten mehr führen."

Zur Sache

Sparvereine sind ein Teil der Vereinskultur und kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Neben dem Anliegen des gemeinsamen Sparens spielt die gemeinsame Geselligkeit eine Rolle.

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