Wolfsberg
Schafft ein Verbot mehr Probleme?

Direktor Helmut Sternjak mit den Schülern Marcel Riffel, Valentina Peinsitt und Marco Heißenberger (von links)
  • Direktor Helmut Sternjak mit den Schülern Marcel Riffel, Valentina Peinsitt und Marco Heißenberger (von links)
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Konzentrationskiller, Schummelhilfen und Störenfriede: Inwieweit sollen Handys an Schulen verboten sein?

WOLFSBERG. Seitdem in Frankreich ein totales Handyverbot an Schulen herrscht, entfacht diese Thematik in Österreich immer wieder Diskussionen. Der Kärntner Bildungsdirektor Robert Klinglmair spricht sich gegen ein generelles Verbot aus und befürwortet die individuelle Handhabung an den Kärntner Schulen. Die WOCHE fragte bei Bildungseinrichtungen im Bezirk nach, wie der Umgang damit in der Hausordnung verankert ist.

Verbot nicht möglich

Ein allgemeines Handyverbot darf an den Kärntner Schulen nicht verhängt werden, da momentan kein gesetzliches Verbot von den Behörden vorliegt. "In unseren Bildungseinrichtungen wird über das Handyverbot im Schulforum intern abgestimmt", erklärt Klinglmair. Dabei variieren beispielsweise die Aufbewahrungsorte: Smartphones werden entweder im Spind versperrt, in die Schultasche gepackt oder in speziellen Handy-Boxen im Klassenraum verstaut.
Oftmals kommen die Geräte als Lehrmittel zum Einsatz. Dabei hängen die Nutzungsbereiche vermehrt vom Schultyp ab: In einer höheren Schule gibt es andere Ansätze als in Neuen Mittelschulen (NMS). "Schüler einer HTL entwickeln Apps im Unterricht, dabei ist der Gebrauch von einem Smartphone unumgänglich", so der Bildungsdirektor.

Die "Handy-Parkplätze"

Während der Unterrichtsstunden in der HLW Wolfsberg werden Handys in Boxen, den sogenannten "Handy-Parkplätzen", verstaut. In den Pausen darf das Gerät genutzt werden und die Verwendung als Lehrmittel ist ebenfalls erlaubt. "In der heutigen Zeit ist es nicht mehr möglich, sich vor der Smartphone-Nutzung vollkommen zu verschließen", meint Direktor Franz Josef Loibnegger. "Trotzdem sollten sich Kinder und Schüler nicht zu oft mit diesem Gerät beschäftigen."
Im Stiftsgymnasium St. Paul müssen Schüler der Oberstufe ihr Handy zwar nicht abgeben, aber die Verwendung wird nur selten in den Unterricht integriert. "Da wir über keine versperrbaren Boxen verfügen, wollen wir keine Haftung übernehmen und die Jugendlichen verstauen ihr Handy selbstständig", so Direktorin Ines Leschirnig-Reichel. Im Allgemeinen ist das Online-Learning im Gymnasium nicht sehr verbreitet: "Smartphones dienen maximal als Lehrmittel, wenn Recherchen verlangt werden."

Handy im Spind

In der Neuen Mittelschule Bad St. Leonhard versperren Schüler das Handy während des Unterrichts sowie in den Pausen im Spind. Seit mehr als sechs Jahren ist dies in der Schulordnung verankert. In Ausnahmefällen wird das Gerät als Lehrmittel zu Hilfe genommen. "Da den Schülern im Gebäude über 50 Computer zur Verfügung stehen, ist die Nutzung für Recherchen nicht zwingend notwendig", meint Direktor Helmut Sternjak. Er gibt sich mit der aktuellen Situation zufrieden: "Bis jetzt sammelten wir gute Erfahrungswerte." 
Im Schulforum der Neuen Mittelschule Wolfsberg-Bildungswelt Maximilian Schell wurde ebenfalls beschlossen, dass das Handy den Schultag über dort verstaut wird. "Seit einigen Jahren werden Smartphones im Spind versperrt, vorher war der Umgang damit offener", erklärt Direktor Karl Umschaden. Da Geräte manchmal spurlos verschwanden und Probleme auftraten, wählte man letztendlich den Spind als Aufbewahrungsstätte. Im Unterricht wird das Handy unter Aufsicht verwendet: "Schüler sollen den Umgang damit lernen."

Bewusstseinsbildung

Da die Smartphone-Nutzung bereits ein wesentliches gesellschaftliches Problem darstellt, bedarf es an Aufklärungsarbeit. Um den richtigen Weg in den Kärntner Schulen einzuschlagen, misst Klinglmair der Bewusstseinsbildung großen Wert bei: "Da behördliche Verbote oftmals nicht den gewünschten Erfolg liefern, sollen Schüler sowie Eltern über die Gefahren bei der Nutzung von Handys aufgeklärt werden." Die Eltern spielen dabei eine wesentliche Rolle, da es unter anderem in ihrer Verantwortung liegt, auf welchen Social-Media-Plattformen die Kinder aktiv sind. Mit Hilfe von Workshops, Vorträgen und Informationsbroschüren sollen den Betroffenen die Augen geöffnet werden.

Gute Erfahrungswerte

Im Allgemeinen sammelte die Bildungsdirektion mit dieser Regelung gute Erfahrungswerte und gibt sich zufrieden. "Am wichtigsten ist es, einen Mittelweg bei der Smartphone-Nutzung in der Schule zu finden, was bis jetzt gut funktioniert", betont Klinglmair.

Autor:

Simone Koller aus Wolfsberg

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