Zivilisation auf dem Holzweg

Brenn-Holz: Scheite, Schnitzel, Pellets und ein alter Sessel auf Holzfußboden in einer Holzmansarde.
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  • Brenn-Holz: Scheite, Schnitzel, Pellets und ein alter Sessel auf Holzfußboden in einer Holzmansarde.
  • hochgeladen von Bernrich Lukhard

(kuli). Seit Jahrtausenden ist Holz der Baustoff schlechthin für Menschen überall auf der Erde. Mit Holzbehausungen, hergestellt mittels steinernem Werkzeug, wurde seinerzeit das Höhlenleben beendet, unsere Vorfahren hatten sich damit die Möglichkeit geschaffen, sich ihr Domizil dort zu errichten, wo es ihnen richtig, schön und gut erschien, und nicht mehr mit dem Bären oder keulenschwingenden Rivalen von nebenan um zufällig gefundene Excavationen kämpfen zu müssen. Das war der Beginn des Erfolges des Homo sapiens. Neben der Bändigung und dem gezielten Einsetzen des (Holz-)Feuers war dies der Anfang dessen, was man heute „Zivilisation“ nennt.

Irrwege beim Holz-Ersatz

Selbige hat dann Lehmklumpen, Ytong, Hochhlochziegel und Eternit hervorgebracht, mit denen man die Komfortzone seines Clans deutlich wahrnehmbar abgrenzen konnte. Denn eins war schnell klar: Roden wir alle Bäume für ein Dach überm Kopf, ist kein Wald mehr da. Und dessen Holz brauchen wir ja für die ambientale Temperierung der Unterkunft, zum Kochen und fürs Warmduschwasser. Denn Holz verbrennt kontrollierbar, aber leider nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Vielleicht verfeuern wir besser Kuhfladen und anderen Mist, war dann eine Überlegung. Dagegen war dann aber doch die kollektive, hoch getragene Europäer-Nase. Mit dem Finden von Kohle als Wärmeenergieträger verschwanden dann diese Gedanken. Tausend Bergwerksunglücke und Millionen Rußlungentote später sowie dank der Erfindungen von Beton und Stahl setzte man dann auf Atomkraft und elektrische Energie. Und auf Erdöl und -gas. Aber damit lassen sich nur sehr indirekt Häusl bauen. Und wohin mit dem, was übrig bleibt?

Zurück zum Holz

Also besann sich Homo sapiens sapiens darauf, dem Holz wieder mehr Beachtung zu schenken. Wenn schon Noah dank seiner hölzernen Arche die damalige Tier- und Menschheit vor sicher geglaubter Verderbnis gerettet hat, dann mache ich das für meine Enkel und deren Goldhamster so ähnlich, dürfte der unbewusste Gedanke so manchen Waldviertlers sein. Zumindest bei denen, die nicht nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ leben. Nur so viel Holz verheizen, wie man wieder nachwachsen lassen kann, heißt nun die Devise. Dabei ist es fast egal, welchen Aufbereitungsgrad das Holz hat. Pellets aus Sägemehl – bis dahin Abfall – sind zwar mit mehr Energieaufwand zur Herstellung verbunden als optimal gelagerte Holzscheite, sichern aber die automatisch arbeitende Heizung und damit den Grad an unverzichtbar gewordener Bequemlichkeit. Zu Hackschnitzeln gewordene Äste und Schlagrücklass aus dem eigenen Wäldchen sind für Agrarökonomen nach wie vor die beste Lösung. Denn der rurale Feinstaub verdünnt sich in der vielen guten Landluft auf gesundheitlich unbedenkliche Werte, anders als in Städten.

Erst nutzen, dann verheizen

Rein theoretisch ist der sinnvollste Weg der, dass aus einem Baum zunächst einmal ein Gebrauchsgegenstand wie ein Sessel wird, der dann mindestens eine Generation lang benutzt und repariert wird, bevor er dann entweder ins Museum für Alltagsgeschichte wandert oder der „thermischen Verwertung“ zugeführt wird – je nach Bedarf und kulturellem Interesse. Und dass Abfälle aus der Produktion holzbasierter Fertighäuser benutzt werden, um ein Fernwärmenetz für hunderte Dorfhaushalte und Kleinunternehmen zu unterhalten, verleiht dem Art-Epitheton „sapiens“ wirklich erst seine wahre Bedeutung.

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