Drahtwurm: "Klimawandel schuld" (MIT VIDEO)

Das Podium war mit allen politischen Parteien aus Bund und Land besetzt.
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Nach Katastrophenjahr stellt die Politik eine Notfallszulassung des geforderten Pflanzenschutzmittels in Aussicht.

SCHWEIGGERS (bs). Einen umfassenden und informativen Diskussionsabend erlebten mehrere hundert Besucher zum Thema "Zukunft der Landwirtschaft und des Kartoffelbaues in Niederösterreich mit den Schwerpunkten Drahtwurm und Pflanzenschutz" am 8. Jänner 2019 in Schweiggers auf Einladung des Geschäftsführers Karl Eder der Firma Bramburi.

Über mehrere Stunden wurden zunächst Fachvorträge gehalten, ehe es in einer prominent besetzten Podiumsdiskussion auch um politische Verantwortung und Entscheidungen sowie die Suche nach den Schuldigen für die letztjährige Drahtwurm- und somit Kartoffelkatastrophe ging.

Alternative Bekämpfung

Forschungen etwa von der AGES oder Ansichten von Global 2000 wurden in den Fachvorträgen ebenso präsentiert wie Arbeiten aus der Praxis und die Sorge um die Verwendung der Pflanzenschutzmittel.
Die AGES und Global 2000 gaben Einblicke in mögliche alternative Drahtwurm-Bekämpfungsmöglichkeiten. So könnten die Schäden durch Drathwürmer mit einer Vorhersage-App oder Weglockungsstrategien eingedämmt werden. Auch die Ausbringung von Pilzen könnte in Zukunft eine größere Rolle im Kampf gegen das Ungeziefer einnehmen. "Bei hohem Befall kann aber auch ein Pilz nichts ausrichten", so die dann für viele der Anwesenden ernüchternde Bilanz der Vortragenden.

Fruchtfolge als Pflanzenschutz

Für den Landwirten Lorenz Mayr aus dem Bezirk Korneuburg ist klar, dass die Fruchtfolge als Pflanzenschutz dient. Sein Geheimnis ist der erosionsgeschützte Anbau. Er stellte sich entschieden gegen die Darstellungen von Global 2000: "Bitte hören Sie mit der Verunsicherung auf. Wir produzieren großartige Lebensmittel. Ein Import aus Ländern wo ganz anders gearbeitet wird, kann keine Alternative sein."
Ein weiterer Grundtenor des Abends war, dass die Landwirte ihre Arbeit besser kommunizieren müssten. "Wir müssen Geschichten erzählen. Ängste werden ohnehin zu viele und zu leichtfertig geschürt", wurde auch den Medien eine Teilschuld an der negativen Stimmung umgehängt.

Forderung nach Mittel

Die Landwirte forderten abschließend das sogenannte Pflanzenschutzmittel Goldor Bait wieder zur Verwendung freizugeben. Im Jahr 2018 war das Ausbringen des Mittels verboten. Dabei malten die Landwirte das Szenario, dass nach mehreren derartigen Ausfallsjahren mittelfristig das Aus des Speisekartoffel-Anbaus droht, aus.
Laut Johann Kohl von der AGES sind Pflanzenschutzmittel überhaupt die am besten überprüften Mittel im Land und etwa der "Kontakt mit Benzin an der Tankstelle viel gefährlicher".
In der abschließenden Podiumsdiskussion verfestigten sich die Positionen. Während die Bauernvertreter auf den ökonomisch notwendigen Erfolg der einzelnen Landwirte aufmerksam und somit den Einsatz von chemischen Mitteln drängten, gaben etwa Global 2000 oder die Grüne Landtagsabgeordnete Silvia Moser zu Protokoll, dass die langfristige Lösung nicht der Pestizideinsatz sein könne. Zudem wurde immer wieder der Klimawandel als Hauptgrund für die aktuellen Umweltkatastrophen und etwa die Auswirkungen auf die Landwirtschaft genannt und am Ende fast einhellig als Hauptursache betitelt. Zwischen den Fronten war etwa der Vertreter des zuständigen Ministeriums um eine Versachlichung der Diskussion bemüht.
SPÖ-Kammerrat Wagendristel, FPÖ-Landesrat Waldhäusl sowie ÖVP-Nationalrätin Diesner-Wais sprachen sich schlussendlich für die Bauern und den Einsatz des geforderten Gifts aus. Letztere stellte am Ende in Aussicht, dass es im Frühjahr eine Notfallszulassung für das gewünschte Mittel geben werde.
Eine derartige Katastrophe sollte sich also im kommenden Erntejahr nicht wiederholen.

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