Schweiggers
Frisst der Borkenkäfer das Waldviertel?

Dietmar Hipp: "Der Befall im Bezirk Zwettl ist 2019 selbst in Höhenlagen von 600 Metern so richtig in die Fläche gegangen. Das hätten wir nicht erwartet.“
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  • Dietmar Hipp: "Der Befall im Bezirk Zwettl ist 2019 selbst in Höhenlagen von 600 Metern so richtig in die Fläche gegangen. Das hätten wir nicht erwartet.“
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Borkenkäferkatastrophe macht dem Waldviertel weiterhin zu schaffen -
Forstwirte kämpfen ums Überleben der Fichte

SCHWEIGGERS. Wer wird im Waldviertel überleben: Der Forstwirt oder der Borkenkäfer? Mit dieser provokanten Frage startete Bramburi-Geschäftsführer Karl Eder die Diskussion im Gemeindesaal von Schweiggers. Unter den 300 Gästen befanden sich auch viele Leidtragende der Borkenkäferproblematik. Für viele Betriebe ist der Wald die wichtigste Einnahmequelle, doch bisher wurde kein Patentrezept gefunden, um den listigen Borkenkäfer in den Griff zu bekommen.

90 Prozent Schadholz

"Der Befall im Bezirk Zwettl ist 2019 selbst in Höhenlagen von 600 Metern so richtig in die Fläche gegangen. Das hätten wir nicht erwartet“, erklärt Bezirksbauernobmann Dietmar Hipp in seiner Bestandsaufnahme. Wenn dies so weitergehe, dann sei der Borkenkäfer bald auch in den Gunstlagen der Fichte in 800 Metern Höhe angekommen: „Dann werden wir auch hier verlieren“, so Hipp.

Der Borkenkäferbefall nimmt mittlerweile ungeheure Ausmaße an: Von geschlägerten 15.000 Festmetern (fm) Fichtenholz waren 14.000 fm Schadholz. Gerald Blaich, Oberförster des Stiftes Zwettl, prophezeit der Fichte keine rosige Zukunft:

"Die Fichte wird man künftig in Höhenlagen von 700 bis 800 Metern nur mehr schwer halten können. Ich kann hier keine Entwarnung geben."

Hinzu komme ein langsames Reagieren der Verantwortlichen: „Wenn die Nadeln gelb werden, ist es schon zu spät. Vielmehr müssen die Bäume sofort raus aus dem Wald, wenn erstes Bohrmehl zu sehen ist“, so Blaich.


Mischwald als Alternative

Laut Gerald Blaich seien Pheromonfallen für eine direkte Bekämpfung ungeeignet. Besser ist es, auf Nützlinge wie die Brackwespe, Specht und Ameisenbuntkäfer zu setzen - dafür sollte man ein bis zwei Höhlenbäume pro Hektar stehen lassen. Wirksam seien auch insektizide Netze. Blaich sieht für die Zukunft des Stiftes Zwettl den Mischwald als Alternative zum reinen Fichtenwald und setzt vor allem auf Eichen und Ahorn. "Mit Laubwald kann man ähnliche Erträge erzielen wie mit Fichte“, so Blaich.

Zu niedrige Holzpreise

„Die Preise für Holz müssen nachhaltig steigen, sonst wird bald keiner mehr in den Wald gehen“,

appeliert Werner Löffler, Forstdirektor der Landwirtschaftskammer NÖ, an die Holzindustrie.
Beispruch kommt von Franz Fischer, Obmann des NÖ Waldverbandes: „Ich kann es nicht verstehen, dass der Holzpreis so niedrig ist. Bei 40 Euro pro Festmeter muss man ja das Hirn ausschalten, um es zu verkaufen. Sobald wir das Holz aus der Hand geben, verdienen alle in der Kette Geld damit, außer uns“, kritisiert Fischer.
Auch Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) fand klare Worte zum Borkenkäfer:

„Schon vor über zehn Jahren haben uns die Experten vor dem Schädling gewarnt. Da frage ich mich, warum wir in der Forschung so weit hinterherhinken".

Wenn man alle Möglichkeiten nutzen würde, so Waldhäusl, dann ist die Aussage, die Fichte wird es im Waldviertel bald nicht mehr geben, "ein Blödsinn“.

Unterstützung vom Land

Wie das Landwirtschaftsministerium die vom Borkenkäfer gebeutelten Betriebe unterstützt, erläutere Johannes Schima vom Bundesministerium. So habe man für die Jahre 2018 bis 2020 ein so genanntes Trockenpaket im Förderprogramm für Ländliche Entwicklung beschlossen. Hier gebe es 35 Millionen für die Schadgebiete für Forstschutz und Wiederbewaldung sowie eine zusätzliche Dotierung in Höhe von zehn Millionen Euro in den hauptbetroffenen Bundesländern Ober- und Niederösterreich. Dazu kommen 3,6 Millionen Euro für Biodiversität- und Waldstrukturerhalt in Schadgebieten sowie eine Anhebung der Standardkosten mit Einbezug von Pflegekosten.

Autor:

Katrin Pilz aus Krems

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