Zwettl: Zivildienst droht Personal-Loch

Auch das Freiwillige Soziale Jahr wird beim Roten Kreuz in Zwettl genutzt.
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  • hochgeladen von Bernhard Schabauer

Immer mehr Untaugliche und geburtenschwache Jahrgänge könnten Situation verschärfen.

BEZIRK ZWETTL (bs). Rund 2.500 junge Männer leisten in Niederösterreich jährlich ihren Zivildienst. Sie fahren Rettungsautos, pflegen alte Menschen und helfen auf Bauernhöfen. Doch künftig werden es weniger werden. Zum einen kommen nun geburtenschwache Jahrgänge zum Zug, zum anderen ist fast jeder Dritte mittlerweile untauglich. Im letzten Jahr konnten neun von zehn Zivildienst-Stellen besetzt werden. Doch was passiert, wenn die Zahl der Zivildiener weiter sinkt? Ein Check bei denen, die es in unserem Bezirk betrifft.
Für Manfred Ehrgott, dem Bezirksstellengeschäftsführer des Roten Kreuzes in Zwettl sind Zivildienstleistende der Garant für die hohe Qualität des österreichischen Rettungssystems, das seinesgleichen sucht. Ohne sie wäre es in dieser Form nicht aufrechtzuerhalten. Ein Mangel an Zivildienstleistende würde laut Ehrgott das Sozialsystem massiv verteuern, wenn zum Beispiel Zivildienstleistende durch hauptberufliches Personal ersetzt werden müsste.

Beitrag für Gesellschaft

Zivildienst zu leisten ist ein wichtiger Beitrag zur Solidarität in der Gesellschaft und eine Form zivilgesellschaftlichen Engagements. "Zivildienstleistende lernen neue Lebenswelten kennen und helfen Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind – eine sinnvolle und sinnstiftende Tätigkeit", befindet Ehrgott. "Mit einer Entscheidung für den Zivildienst erwerben junge Männer soziale Kompetenzen und übernehmen Verantwortung: Zudem erwerben sie mit der Ausbildung zum Rettungssanitäter eine vollwertige Berufsausbildung", ist sich der Chef der Einrichtung im Bezirk Zwettl sicher.
Der Zivildienst bringt junge Männer und Menschen, die Hilfe brauchen, zusammen. Diese neun Monate sind für die meisten eine lehrreiche Erfahrung, die viele in ihrem weiteren Leben für weiteres soziales Engagement nutzen. In Niederösterreich bleiben zudem rund 70 Prozent der Zivildienstleistenden nach Abschluss dieser Tätigkeit als Freiwillige in der Organisation. "Diese Verbundenheit der (ehemaligen) Zivildienstleistenden ist ein Beweis dafür, dass sie ihren Einsatz gerne leisten und ihn als sinnvoll erachten. Wer sich für den Zivildienst beim Roten Kreuz Niederösterreich interessiert, kann sich jederzeit unter Tel 059144/50 754 oder 059144/50757 oder zivildienst@n.roteskreuz.at näher informieren", hofft Ehrgott auf viele Interessenten.

Noch freie Plätze

"Aktuell haben wir für den Juli-Einrückungstermin 2019 noch 2 freie Plätze, die nächsten freien Plätze gibt es dann ab Jänner 2020. Wir versuchen für alle Interessenten einen Platz bereitzustellen. Wichtig dafür ist, sobald man einen Zivildienstbescheid bekommen hat, zeitnah zu uns zu kommen und mit uns die Reservierung eines Zivildienstplatzes zu vereinbaren. Der Einrückungstermin April bietet auch meist einen Platz, weil hier meist keine Ausbildungen enden und der Termin auch mitten in einem Studiensemester liegt", führt Ehrgott weiter aus.
Gleichzeitig wird aber auch das 'Freiwillige Sozialjahr' angebiten. Hier können auch junge Damen, die Interesse am Rettungsdienst haben teilnehmen. Es haben aber auch schon junge Männer, die für den Wehrdienst nicht tauglich waren, eine Beitrag an der Allgemeinheit geleistet und sich gleichzeitig eine berufliche Qualifikation angeeignet.

Junge Männer notwendig

Für die Waldviertler Standorte der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie, darunter ist das Ambulatorium/Förderzentrum in Zwettl oder Grainbrunn, ist es über die vergangenen Jahre hinweg immer schwieriger geworden Zivildiener zu finden. „Wir arbeiten mit schwer beeinträchtigten Menschen, da ist die Hemmschwelle oft groß“, weiß Sonja Mayer, die für die Zuteilung der Zivis zuständig ist. Die jungen Männer sind aber unentbehrlich, schließlich sind sie eine wichtige Stütze bei der täglichen Arbeit und entlasten die Therapeuten. „Wir müssen selbst schauen, dass wir jemanden finden. Wir fragen unsere Zivildiener auch ob Brüder oder Freunde kommen wollen“, schildert Mayer. Spitzt sich die Situation in den nächsten Jahren noch weiter zu, werden wohl personelle Umstrukturierungen notwendig sein.
Der Direktor des NÖ Pflege- und Betreuungszentrums in Zwettl, Andreas Glaser, geht mit seiner Einschätzung noch weiter: "Ich glaube, dass wir das Problem mit den sinkenden Zivildienerzahlen bereits jetzt haben." Sein Haus sei mit den Tätigkeiten der Zivildiener höchst zufrieden. Derzeit werden wieder welche für den Zeitraum ab Juli 2019 gesucht. "Die Zivildiener entlasten unser hauptberufliches Personal mit Hilfstätigkeiten und geben ihnen dadurch mehr Zeit für Beziehungsarbeit und die psychosoziale Betreuung unserer Bewohnern", erklärt Glaser.
Österreichs Zivildienst steht also vor Herausforderungen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Staatssekretärin Caroline Edtstadler in der Ausgabe 3/2019 auf Seite 22 der Bezirksblätter Zwettl.

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