Registrierkassenpflicht: "Das ist Kulturzerstörung"

Für Gerhard Weissenhofer steht fest: "Jetzt wird es zu viel!"
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BEZIRKSBLÄTTER: Ihr Unternehmen, der Meierhof-Heurige in Schloss Rosenau, besteht längst nicht mehr nur aus dem Heurigebetrieb. Was bieten Sie noch alles an bzw. wo liegen weitere Geschäftsfelder?
GERHARD WEISSENHOFER: "Wir sind jeden Freitag mit einem unserer drei Verkaufswagen am Rochus-Markt in Wien und folgen dem aktuellen Trend, dass der Städter regional einkaufen möchte."
Das heißt Sie fahren dem Kunden nach, um zu Ihrem Geschäft zu kommen?
"So ist es. Man muss flexibel sein. Weiters sind wir beispielsweise am Zwettler Bauernmarkt vertreten. Unseren Heurigen führen wir nach dem Motto 'Alles regional'."
Wie haben Sie in Ihrem Lokal auf das verschärfte Rauchergesetz reagiert?
"Noch gar nicht. Bis jetzt konnten wir unser räumlich abgetrenntes Stüberl als Raucherzone nutzen. Doch nun müssen wir im Außenbereich eine Möglichkeit für Raucher schaffen. Als Speisenlokal wird aber vom Kunden dafür generell mehr Verständnis entgegengebracht. Das ist mit jenen Problemen, die Dorfwirten dadurch entstehen, nicht zu vergleichen."
Wann wird es bei Ihnen eine Registrierkasse geben? Wie viel müssen Sie in eine derartige Anlage investieren und wie schätzen Sie den Schulungsbedarf Ihrer Mitarbeiter ein?
"Die Registrierkassenpflicht trifft vor allem wieder nur die kleineren Betriebe. Die Großbetriebe haben ohnehin bereits die besten Systeme – auch zur Eigenkontrolle. Mit dem bisherigen Gesetz, der Einzelaufzeichnungspflicht, konnten wir alle gut leben. Nun wird es allerdings zu viel. Derzeit bin ich in der Anschaffungsphase. Doch aktuell wissen selbst die Vertriebe noch nicht, was sich bis Jahresmitte noch alles ändern wird. Und wenn dann noch Aussagen wie 'Ein Smartphone oder Tablet reicht aus' von einem Finanzminister kommen, dann ist das eine Verhöhnung. Ich möchte ein Beispiel bringen. Wir müssen alleine etwa bei einem Apfelsaft bis zu 16 verschiedene Varianten in das System einspeichern. Vom Achtelliter pur bis zum halben Liter gespritzt mit Leitungswasser. Oder bei Speisen vom Kinderteller bis zur Seniorenportion. Das geht in die Hunderte von Möglichkeiten. Deshalb wird auch der Schulungsaufwand für das Personal enorm werden. Finanziell rechne ich mit bis zu 10.000 Euro Aufwand."
Welche Erleichterungen würden Sie sich vom Wirtschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner und von Ihren Vertretern in der Wirtschaftskammer, von Präsident Christoph Leitl über Obfrau Sonja Zwazl bis zur regionalen Vertretung in Zwettl durch Dieter Holzer wünschen?
"Ich frage mich, warum unsere Vertreter hier nicht aufschreien. Meine Erklärung ist die Industrialisierung der Gastronomie. Die Lobbyisten dürften ganze Arbeit geleistet haben. Hier wird derzeit Kulturzerstörung vollzogen, denn die Wirtshauskultur ist Volkskultur. Wirtshäuser sperren reihenweise zu und es kommt leider keine Meldung von unseren Vertretern in der Kammer. Und eines ist auch klar: Sollte der Dorfwirt einen kleinen Betrag am Fiskus vorbei eingenommen haben, so kommt dieses Schwarzgeld doch trotzdem der Wirtschaft wieder zugute."
Was könnte der Branche in der Zukunft noch schlimmes blühen?
"Ich befürchte eine Kalorienangabe bei Speisen wie etwa bei jedem Burger bei McDonalds. Zumindest wird dies in Brüssel schon diskutiert. Mit einer Belegpflicht etwa am Markt in Wien sind wir aber bereits jetzt konfrontiert. Wir müssen jetzt eine neue teure Bon-Waage mitführen, damit wir jedem Kunden, der auch nur eine Grammelknödel kauft, einen Bon aushändigen können."

Autor:

Bernhard Schabauer aus Zwettl

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