22.11.2016, 12:00 Uhr

Demenzproblem wird immer größer

Heide Moser ist als Demenzbeauftragte des Hilfswerks im Bezirk Zwettl tätig.

Immer mehr Menschen leiden an der Erkrankung – Einrichtungen wie das Hilfswerk helfen Betroffenen aber auch Angehörigen.

BEZIRK ZWETTL (bs). "Es werden Termine verwechselt oder Gegenstände an nicht passende Plätze, wie etwa die Brille in das Backrohr, gelegt", erklärt Heide Moser vom Hilfswerk Zwettl im Bezirksblätter-Gespräch die ersten Anzeichen einer Demenzerkrankung. Die Demenzbeauftragte des Bezirkes Zwettl nennt auch eklatante Stimmungs- und Verhaltensveränderungen, die auftreten, als Warnhinweise. So behaupten Betroffene etwa plötzlich, dass ihre Schuhe oder Wäsche gestohlen wurde.

Pflegestammtisch

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Somit müssen sich auch immer mehr Angehörige mit diesem Thema auseinander setzen. Das Hilfswerk Zwettl hat deshalb einen Pflegestammtisch ins Leben gerufen. Dort sollen sich Betroffene und Angehörige treffen und austauschen können (siehe Zur Sache).
Für Heide Moser ist der Familienverband dabei extrem wichtig: "Es ist wichtig, sich innerhalb der Familie mit der Betreuung abzuwechseln und die Aufgaben zu teilen, damit jeder weiterhin einen gewissen Freiraum hat. Dieser ist sehr wichtig für die betreuenden Personen." Denn oft benötigen die Erkrankten eine Betreuung rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Deshalb spricht Heide Moser auch dieses Engagement offen an: "Für mich gilt für jeden pflegenden Angehörigen meine Hochachtung." Sie rät aber auch die Erkrankung nicht abwertend zu behandeln: "Die Leute können noch viel und benötigen Motivation. Wichtig ist, gemeisam zu lachen", so Moser.

"Kein fertiges Paket"

Obwohl es diverse Leitfäden und Hilfestellungen gibt, weiß selbst das bestens geschulte Pflegepersonal, dass es für die Demenzerkrankung kein fertiges Hilfspaket gibt. "Es hängt viel von der Persönlichkeit, von den Erlebnissen im Laufe des Lebens sowie der Biografie der Leute ab", weiß Moser.
Die Pflegehelferinnen helfen den Angehörigen in vielen Bereichen. Von der Medikamentenzubereitung bis hin zur Körperpflege ist alles dabei. Zumindet die finanzielle Lage hat sich seit der letzten Pflegegeldreform bei Demenzerkrankten etwas verbessert. Denn Demenz wird nun auch beim Pflegegeld als Krankheit anerkannt. Bis 2050 werden in Österreich etwa 230.000 Menschen betroffen sein. Aktuell sind es 100.000. Die derzeitigen Kosten für den Bereich der Demenz beziffert Moser landesweit mit rund einer Milliarde Euro. Davon entfallen drei Viertel auf die persönliche Betreuung. Ein weiteres Indiz, dass die permanente Betreuung unabdingbar ist.

Zur Sache: Pflege-Stammtisch
Jeden letzten Montag im Monat um 16:30 Uhr in den Räumlichkeiten des Hiflswerks Zwettl in der Hauensteinerstraße 15 in 3910 Zwettl. Das Angebot ist kostenlos und auch nutzbar, wenn Sie kein Kunde des Hilfswerks sind!

Zur Sache: Praktische Tipps
Am Beginn ist es hilfreich sich einen Tagesablauf zu gestalten: Rituale einbauen (gedeckter Frühstückstisch, Morgengruß, Abendzeremonie); regelmäßiger Ablauf (Mahlzeiten, Pausen, aktive Phasen zu fixen Zeiten); auf Essen und Trinken wird oftmals vergessen (Tipp: zu Fixzeiten kleine Mahlzeiten und Getränke anbieten); tägliche Zeitung oder großer Terminkalender (für Uhrzeit und Datum); Anfertigung von zusätzlichen Schlüsseln.
Wohnräume: hell und überschaubar, Haltegriffe in Nassräumen, festes Mobilar, abgerundete Ecken, rutschfeste Bodenbeläge, keine Stolperquellen; Muster am Boden werden oftmals als Hindernisse gesehen; nur mäßig Ordnung halten (Demenzerkrankte räumen gerne um); Hinweisschilder (Weg zur Toilette).
Sprache: langsam und ruhig; einfache Wörter und Sätze; geduldig auf Antworten warten; Wörter vorschlagen, nach denen die Person sucht; keine Warum- und Wieso-Fragen stellen (Rechtfertigung überfordert), nicht auf Körpersprache und Mimik vergessen.
Wichtiger Tipp: Humor behalten!
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