23.10.2017, 09:37 Uhr

3 Fragen an

Friedel Moll

BEZIRKSBLÄTTER: Wie haben Sie die Zeit des Eisernen Vorhangs erlebt?
FRIEDEL MOLL: "Die Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs war für mich immer eher bedrückend: Das Gefühl, in einer Region zu leben, die – wie es damals schien – für ewige Zeiten brutal geteilt war, getrennt durch eine tödliche Barriere, deren Überschreiten nur an wenigen Stellen und auch dort nur mit erheblichen Schwierigkeiten möglich war.
Die spärlichen Besuche in den Nachbarländern des Ostblocks, um dort die zahlreichen hervorragenden Kulturschätze zu besuchen, waren stets mit äußerst unangenehmen Gefühlen verbunden, verursacht durch die oft schikanösen Grenzkontrollen, die mit Maschinenpistolen bewaffneten Grenzpolizisten, den Stacheldraht, die Grenzsperren, die Wachtürme etc."

Wie haben Sie die Veränderungen danach erlebt?
"Die Grenzöffnung zeichnete sich nach dem Fall der Berliner Mauer ab, kam aber dennoch überraschend. Es war ein wunderbares Gefühl, nun endlich ohne Angst ins Nachbarland fahren zu können.
· Berührend war das Erlebnis, als unmittelbar nach der Grenzöffnung die Tschechen zu Tausenden nach Österreich strömten, einfach nur um zu schauen…
· die ersten Versuche, die tschechische Sprache zu erlernen, die dann aber kläglich scheiterten…
· die ersten Versuche Kontakte zu knüpfen…
· erschrecken und beschämend das Verhalten manchen Landsleute, die im Nachbarland mit ihren Schillingen auftrumpften, rafften und demütigten"

Was hat sich am stärksten verändert?
Verändert hat sich seit der Grenzöffnung vor rund 30 Jahren das Aussehen zahlreicher tschechischer Dörfer und Städte. Sie sind nun wesentlich freundlicher und gepflegter, man sieht Blumenschmuck und schöne Vorgärten…
Selbstverständlich gibt es nun mehr Kontakte, auch wenn diese intensiver sein könnten. Aber immerhin haben wir Zwettler mit Jindřichův Hradec nun eine Partnerstadt in Böhmen. Nach wie vor trennt die unterschiedliche Sprache, wobei wir Österreicher hier eigentlich eine Bringschuld hätten, die wir aber nicht einlösen, und die jüngere Generation in Tschechien spricht weniger Deutsch als noch ihre Eltern.
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