20.10.2014, 11:05 Uhr

Leserbrief zu „Kollisionsgefahr durch Windräder“

(Foto: Archiv)

Zum Bericht "Kollisionsgefahr durch Windräder" http://www.meinbezirk.at/zwettl-niederoesterreich/...

Über die Ästhetik von Windrädern in der Landschaft lässt sich bekanntlich gut streiten. Trotzdem ist es wichtig, die zahlreichen vorhandenen Vorteile der Windkraft in Erinnerung zu rufen. Deshalb möchte ich einigen der immer wieder von den Windkraftgegnern vorgebrachten falschen Fakten entgegentreten.
1.) Die geplanten neuen Windräder sind 5x so groß wie die bestehenden Windräder an den Standorten Oberstrahlbach und Grafenschlag, konnte man aufgrund einer kleinen Grafik in „Mein Bezirk“ am 15.10.2014 meinen. Sehen wir uns dieses Argument genauer an. Die neuen geplanten Windräder sind tatsächlich groß. So sind Türme mit einer Höhe von 130 m geplant und der Rotordurchmesser beträgt 112 m . Ergibt eine maximale Höhe der Flügelspitze von 186 m. Die bestehenden Windräder in Oberstrahlbach und Grafenschlag haben 63m hohe Türme und einen Rotordurchmesser von 44 m, die maximale Höhe inkl. Flügel also 85 m. Wo ist hier die fünffache Größe ?
2.) Hr. Günther Maier wird mit dem Ausspruch zitiert, dass der Bezirk Zwettl bereits derzeit das Doppelte des Strombedarfs selbst produziert. Diese Behauptung ist sicherlich falsch. Auch wenn ich keine Gesamtzahlen des Bezirks Zwettl kenne, sieht die Strombilanz in der Klima- und Energiemodellregion Zwettl (= Gemeindegebiet Zwettl, Daten von 2011) beispielsweise so aus: Strombedarf der Gemeinde Zwettl : 52.189 MWh pro Jahr, derzeitige Stromerzeugung (mit erneuerbaren Energieträgern) in der Gemeinde rund 4.731 MWh pro Jahr , das bedeutet einen Eigenversorgungsgrad von rund 9 Prozent. Auch der Eigenversorgungsgrad mit Energie für die Region Waldviertler Kernland wird mit lediglich 36 % angegeben, also ist ökologisch und ökonomisch gesehen hier eine Verbesserung des Eigenversorgungsgrades sehr wichtig. Die Selbstversorgung mit elektrischer Energie im Waldviertel ist also derzeit leider noch in weiter Ferne, die Zukunft etlicher bestehender Biomassekraftwerke und Biogasanlagen im Waldviertel nach auslaufen der zeitlich befristeten Ökostrom-Förderungen in wenigen Jahren sehr ungewiss. Das könnte zu einem wesentlichen Rückgang der ohnehin bescheidenen Waldviertler Stromproduktion in einigen Jahren führen.
3.) Das ebenfalls im Artikel angesprochene Repowering von Windkraftanlagen zur Vermeidung neuer Windkraftstandorte ist aus meiner Sicht nicht möglich. Der Ersatz bestehender Windräder durch eine geringere Anzahl größerer Anlagen (das versteht man unter Repowering) ist aufgrund der relativ großen, gesetzlichen Mindestabstandsregeln (1200m vom Bauland) zumindest auf den Standorten Grafenschlag und Oberstrahlbach nicht möglich. Die bestehenden Windräder können hier maximal in der bestehenden Größe ersetzt werden, auch dies ist gesetzlich und wirtschaftlich gesehen fraglich.
4.) Die mögliche Kollisionsgefahr der Windradrotoren mit Vögeln, wie im Artikel aufgezeigt, wird von den Windkraftbetreibern seit vielen Jahren ernstgenommen. Bei neuen Projekten werden dazu meist Untersuchungen angestellt. Bei den bestehenden Windrädern im Bezirk konnte meines Wissens nach kein Vogelsterben beobachtet werden und diese Windkraftanlagen gibt es bereits seit 17 Jahren.
Abschließend möchte ich betonen, dass wir unbedingt zukunftsweisende Lösungen finden müssen, unsere enorme Abhängigkeit von nicht erneuerbaren (=fossilen) Energiequellen zu verringern und damit auch die großen Kaufkraftabflüsse aus dem Bezirk Zwettl zu verringern. So beträgt der Eigenversorgungsgrad der Klima- und Energieregion (KEM) Zwettl mit Stand 2011 nur bescheidene 23 Prozent. 31 Millionen Euro verlassen jährlich die KEM Zwettl, um Energie außerhalb der Region einzukaufen. Es gibt also noch eine Menge zu tun, um das Ziel einer energieautarken Region zu erreichen. Dies ist nur zu erreichen, wenn einerseits neue erneuerbare Energiequellen in der Region erschlossen werden und gleichzeitig Energieeffizienz und Energiesparen mit großem Engagement verfolgt werden. Dies ist in allen KEM-Umsetzungskonzepten zu lesen, alle Gemeinden des Bezirks Zwettl sind Mitglied in einer Klima- und Energiemodellregion.
An lokal verfügbaren Energiequellen sind Windkraft, Solarwärme und Solarstrom neben einer mit Augenmaß gesteigerten Biomassenutzung die realen Möglichkeiten, die wir haben. Die Diskussion zur Erreichung dieser Ziele muss unbedingt geführt werden, dazu sind wir uns und den nächsten Generationen gegenüber verpflichtet.
Ewald Gärber, Stadtrat in Zwettl
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