14.12.2017, 12:19 Uhr

Schüler präsentierten ihre Schulhausromane

Der Schulhausroman der Schüler aus Edelhof. (Foto: Jürgen Mück)
ST.PÖLTEN/ZWETTL. Diesen Herbst wurden auf Initiative von Landesrätin Barbara Schwarz vier weitere Schulhausromane geschrieben – erstmals an landwirtschaftlichen Schulen in allen vier Vierteln Niederösterreichs – durchgeführt vom Literaturhaus NÖ. Gestern Abend, am Mittwoch 13. Dezember 2017, wurden die gedruckten Schulhausromane im feierlichen Rahmen im Panoramasaal der Hypobank St. Pölten präsentiert – unter Schirmherrschaft und in Anwesenheit der Landesrätin. Die Jugendlichen konnten ihre Schreibwerkstätten damit zu einem höchst gelungenen Abschluss bringen.
Die rund 100 Schüler meisterten ihren Bühnenauftritt mit Bravour. Souverän lasen sie aus ihren Erzählungen, die alle mit einer gehörigen Portion Geheimnis und Spannung, feinem Humor und überraschenden Wendungen verblüfften. Landesrätin Schwarz zeigte sich erfreut über das Projekt: „Sprache ist etwas Essentielles und es braucht Vielfalt, um sich zu verständigen. Es ist eine tolle Idee, Jugendlichen das Schreiben näher zu bringen, die am Ende mit einem Schulhausroman die eigenen Erfahrungen, Gefühle und Lebenswelt zum Ausdruck bringen können.“ Schwarz betonte den Wert des reflektierten Umgangs mit Sprache, die begeistern und unterstützen, aber auch verletzten und manipulieren könne. Sie gratulierte den Jugendlichen und ermutigte: „Lasst euch vom Schreiben anstecken, schreibt Tagebuch, vielleicht wird später sogar ein Roman daraus.“ Die Kulturwissenschaftlerin und Schulhausroman Gründerin Gerda Wurzenberger ergänzte: „Es geht die Angst um, dass regionale Eigenarten durch die Digitalisierung verloren gingen, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich bei den Schulhausromanen die jeweils ganz besonderen Phänomene der Lebenswelt der Schüler erkennen kann.“

Das Regenbogenschaft

Autorin Rosemarie Poiarkov erarbeitete mit Schülern der Fachschule Hollabrunn die Erzählung „Bauer sucht Horrorclown.“ Sie zieht die Hauptfigur, den einsamen Bauer Franz mit Faible für Wein und Paintball, in einen Strudel mit verzweifeltem Kurzschluss. An den Fachschulen Zwettl und Edelhof entstand mit Autorin Magda Woitzuck die Geschichte „Niedlich, aber tödlich. Das Regenbogenschaf“. Sie verbindet auf tragische Weise Liebesgeschichte und Psychothriller mit einem Abstecher in die Science Fiction mit blutigem Ausgang. Autor Christoph W. Bauer entwickelte mit Schülern am Mostviertler Bildungshof Gießhübl die Erzählung „Der Bunker, der Krampus und ich“, in der die Hauptfigur in eine Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit mit einem verblüffenden Schlusspunkt gerät. Autor Christian Futscher leitete Schüler der Fachschule Warth an. Die Erzählung „In und unter Entersbach“ rund um das Geheimnis eines Dorfes unter dem Dorf wirft Fragen auf zum Unterschied zwischen Stadt- und Landleben, bespricht Trennendes und Verbindendes, und liefert am Ende eine schöne Lovestory.
Auf Initiative des LiteraturHauses NÖ gibt es dieses Projekt – ursprünglich 2005 vom Schweizer Autor Richard Reich und der österreichischen Kulturwissenschaftlerin Gerda Wurzenberger entwickelt – seit 2009 an Schulen in Niederösterreich, Wien und Kärnten. 33 Schulhausromane wurden von rund 700 Jugendlichen mit 23 österreichischen Autoren bereits geschrieben, gedruckt und öffentlich präsentiert.

Zum Inhalt:
Im Waldviertel an den Fachschulen Zwettl und Edelhof lieferten 23 SchülerInnen unter Anleitung von Autorin Magda Woitzuck die Geschichte „Niedlich, aber tödlich. Das Regenbogenschaf“ ab. Freitag der Dreizehnte. Kevin, Sebastian, Anita und Eva sind im Internat der LFS Edelhof. Die Kinder müssen zur Strafe über das Wochenende alleine im Internat bleiben. Anhaltende Schneefälle schneien die Schule ein, es gibt kein Entkommen. Kevin hasst Sebastian, denn beide sind in Anita verliebt. Deswegen züchtet Kevin das fleischfressende Regenbogenschaf, das Sebastian fressen soll. Die Züchtung gelingt, doch Sebastian wird nicht gefressen, er verwandelt sich selbst in ein Regenbogenschaf und wird auf eine harte Probe gestellt. Eine Nacht lang muss er mit Anita in einen Raum eingesperrt verharren, ohne sie zu fressen, damit er wieder erlöst wird. Eva fährt inzwischen mit dem Traktor nach Zwettl und holt Hilfe. Am Morgen ist Sebastian wieder erlöst. Die Polizei verhaftet Kevin, er landet in der Psychiatrie und stirbt. Entstanden ist eine turbulente Geschichte, die die große Fantasie und auch die Vorliebe der Jugendlichen für blutrünstigen Stoff zeigt; eine Lovestory verpackt in einen Psychothriller, der mit einem beschaulichen Schneetreiben beginnt und in einer blutigen Katastrophe gipfelt.
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