20.10.2014, 09:53 Uhr

Kastner plant königlich

(Foto: Kastner)
Der österreichische Lebensmittel-Großhändler Kastner steuert den eigenen Fuhrpark mit einem Tourenplanungs- und Telematiksystem von Wanko. Die freie Optimierung ermöglicht hohe Einsparungen und einen verbesserten Lieferservice.
Avisierung erwünscht, Anlieferung nur mit Hebebühne, Warenannahme nur zwischen sieben und zehn Uhr: Solche und ähnliche Kundenwünsche sind in der Handels-Logistik an der Tagesordnung. Die unzähligen individuellen Einschränkungen machen die Tourenplanung zu einer täglichen Herausforderung. Hinzu kommt ein verändertes Bestellverhalten mit hohen Erwartungen an die Flexibilität, dass mit starren Rahmentouren kaum noch abgebildet werden kann.
Vielzahl von Restriktionen
Vor diesem Hintergrund hat die österreichische Kastner Gruppe im Jahr 2013 an sechs Standorten ein Tourenplanungs- und Telematiksystem eingeführt und dafür rund 500.000 EUR investiert. Lieferant der integrierten Lösung ist die Wanko Informationslogistik GmbH. In einem intensiven Auswahlverfahren konnte sich der süddeutsche Softwareanbieter gegen neun Wettbewerber durchsetzen. Das Tourenplanungssystem Pracar und die Telematiklösung Prabord überzeugten vor allem mit umfangreichen Funktionen, benutzerfreundlichen Bedienoberflächen und kurzen Antwortzeiten. "Speziell die Ergonomie haben wir in einem ausführlichen Feldtest mit anderen Lösungen verglichen", berichtet Logistikleiter Lukas Schlosser, der das Projekt verantwortet hat.
Die Terminal-Server Architektur mit Clients in den Kastner-Standorten in Amstetten, Eisenstadt, Krems, Jennersdorf, Wien und Zwettl ermöglicht eine dezentrale Arbeitsweise mit einer zentralen Datenbank. Zudem entspricht Pracar den besonderen Anforderungen des zweistufigen Lebensmittelhandels und kann bei der Planung eine Vielzahl von Restriktionen berücksichtigen. "Das Ergänzen unserer Stammdaten war deshalb einer der wichtigsten Projektschritte", erklärt Schlosser.
Sein Team hat gründlich gearbeitet: Exakt 4.945 Lieferhinweise wurden überarbeitet oder neu im System hinterlegt. Hinzu kamen 5.106 Lieferzeitfenster sowie 5.075 weitere Einschränkungen, die bei den Kunden erhoben und erfasst werden mussten. Wesentlich einfacher verlief die Geokodierung der mehr als 12.000 Kundenadressen, was mit Hilfe von Pracar praktisch automatisch erledigt werden konnte. "Das hat uns neun Wochen manuelle Suchzeit erspart", schätzt Schlosser und ergänzt: "Damit hatten wir unsere Adressqualität deutlich verbessert und können jetzt sämtliche Touren berechnen."
Königsdisziplin der Disposition
Der Aufwand hat sich gelohnt. Die mehr als 70 Touren, die Kastner täglich mit 60 eigenen Lkw absolviert, werden jetzt selbsttätig von Pracar gebildet und frei optimiert. Die Auftragsdaten fließen zuvor samt dem berechneten Frachtvolumen über eine Schnittstelle aus dem Warenwirtschaftssystem. "Die freie Optimierung ist die Königsdisziplin in der Disposition", stellt Schlosser fest. Sie verzichtet auf Rahmentouren und erstellt stattdessen auf Basis der tatsächlich vorliegenden Bestellungen und der erwähnten Restriktionen die bestmöglichen Touren. Jede Tour hat dabei durchschnittlich zehn bis zwölf Stopps.
Die neue Technik ermöglicht einen drastisch verbesserten Liefer-Service für die 150 Einzelhandels-Standorte der Marke „Kastner Nah&Frisch". Im Gegensatz zu früher lassen sich für dieses Klientel jetzt gemischte Liefertouren mit Waren aus dem Trocken-, Frische- und Tiefkühlsortiment zusammenstellen. Damit werden die Nah & Frisch-Märkte künftig bei Bedarf dreimal pro Woche mit dem gesamten Sortiment beliefert, was deren Einkauf wesentlich erleichtert. Zudem steigt das Bestellvolumen pro Kunde, was die Touren weiter optimiert.
330 Tonnen CO2 eingespart
Apropos: Im Vergleich zum Referenzjahr 2010 sparte Kastner im ersten Jahr nach dem Rollout bereits 93.000 Liter Diesel und 236.000 gefahrene Kilometer. Das entspricht einer Reduktion von rund 330 Tonnen CO2. "2013 konnte überdies der niedrigste Dieselverbrauch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2006 erzielt werden", betont Schlosser.
Die Disponenten können jederzeit in den Prozess eingreifen und - falls erforderlich - Änderungen vornehmen. Nach Freigebe der Touren wird durch Pracar die Kommissionierung angestoßen. "Bei uns fallen täglich circa 55.000 Picks an, was rund 1.300 Rollbehältern entspricht", beschreibt Schlosser. Noch bevor die gepackten Behälter am Warenausgang bereitstehen, senden die Disponenten die Tourdaten per Mobilfunk direkt aus Pracar zu den in den Lkw installierten Telematik-Endgeräten mit Prabord-Software. Die mit großem Display ausgestatteten Bordrechner ermöglichen ein durchgängiges Auftragsmanagement und fungieren zugleich als Navigationsgerät. Eine zusätzlich in alle 60 Fahrzeuge eingebaute Telematikbox überträgt die Daten der FMS-Schnittstelle sowie die Lenk- und Ruhezeiten.
Detaillierte Kostenrechnung
Von diesem Datenfundus profitieren Fahrer und Disponenten gleichermaßen: "Die Lenker haben deutlich weniger Stress, denn sie fahren eine optimal geplante Tour und sehen am Display sämtliche Zusatzinformationen wie Lieferzeitfenster, Anzahl der Rollbehälter und Paletten, Ladezonen oder Anliefertore", erklärt Schlosser. Außerdem sehen die Fahrer am Truck-Navi die aktuelle Plan-Ankunftszeit, was ihnen beim Einhalten der Ruhezeiten hilft. Zu einer weiteren Entlastung führen die automatisch erstellten Fahrtberichte nach Tour-Abschluss.
Wesentlich entlastet werden auch die Disponenten sowie die Fuhrparkleitung: "Durch die Bordcomputer können wir unsere Fahrer jetzt sehr viel flexibler einsetzen, was uns bei neuen Touren und Liefergebieten oder während der Urlaubszeit sehr weiterhilft", berichtet Geschäftsführer Herwig Gruber. Die Verbrauchswerte und die gefahrenen Kilometer pro Kunde ermöglichen zudem eine detaillierte Kundenkostenrechnung und die Auswertung der Tourqualität auf Basis der Plan-/Ist-Daten.
Viele weitere Optionen
Und nicht nur das: Dank Telematik können sämtliche Touren und die Lenk- und Ruhezeiten online überwacht und Ankunftsprognosen jederzeit erstellt werden. Kurzfristige Änderungen der Tour und neue Abholadressen können per Knopfdruck und ohne Übertragungsfehler direkt in den Lkw gesendet werden. Umgekehrt können die Fahrer jederzeit Informationen wie Kundenwünsche, besondere Vorkommnisse oder Werkstattbesuche dokumentieren. Eine direkte Auswirkung auf die Kosten hat natürlich auch die gewonnene Transparenz hinsichtlich Fahrweise und Verbrauchswerten. "Ausreißer beim Dieselkonsum oder ein auffälliger Bremsenverschleiß können bei den betreffenden Fahren gezielt angesprochen und nachgeschult werden", so Schlosser.
Fazit: Mit Pracar und Prabord verfügt die Kastner Gruppe nun über ein schnelles und nachhaltiges Management-Tool zum Steuern der gesamten Logistik. Dabei lief das großangelegte Projekt derart lautlos, dass die Geschäftsführung zu keinem Zeitpunkt involviert werden musste. "Wir haben nichts von den Umstellungen im laufenden Betrieb mitbekommen, was ich als ein sehr gutes Zeichen werte", berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Christof Kastner. Am Ende angelangt ist das Projekt aber noch lange nicht, denn viele weitere Optionen stehen noch offen: Geplant ist zum Beispiel die Integration des Leergut-Handlings, eine automatisierte Avisierung und vor allem eine Schnittstelle zum Management-Informations-System. Damit wird das Wanko-System Entscheidungsdaten unmittelbar an die Unternehmensleitung liefern. "Für uns ist die Informationstechnologie eine strategische Waffe", betont Kastner. Mit der maßgeschneiderten IT-Lösung und der exzellenten Datenbasis kann sein Unternehmen Marktveränderungen sehr schnell erkennen und flexibel darauf reagieren.

Hintergrund: Kastner Gruppe
Die Kastner Gruppe ist ein österreichischer Lebensmittel-Großhändler, der sich auf die Nahversorgung des Lebensmitteleinzelhandels, die Gastronomie und Großverbraucher spezialisiert hat. Mit der Vertriebsschiene Biogast ist Kastner überdies der führende, rein österreichische Bio-Großhändler für Gastronomie und Naturkostfachhandel. Der Convenience-Bereich, zu dem beispielsweise das Beliefern von Tankstellenshops zählt, rundet das Spektrum ab. Das im Jahr 1828 gegründete Familienunternehmen steht für ein starkes Leistungspaket mit maßgeschneiderten Konzepten und persönlichem Service für Business-Kunden. Begonnen hat die Firmengeschichte im niederösterreichischen Waldviertel mit einem Gemischtwarengeschäft in Rappottenstein. Im Jahr 2013 erwirtschaftete die Kastner Gruppe mit 755 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 188,4 Mio. EUR. Rund 360 Mitarbeiter arbeiten in der Logistik und sind dabei als Fahrer oder in den Bereichen Wareneingang, Kommissionierung beziehungsweise Regalbetreuung tätig. Weitere Informationen unter www.kastner.at.

Hintergrund: Wanko Informationslogistik GmbH
Die Wanko Informationslogistik GmbH mit Sitz im bayerischen Ainring entwickelt seit über 40 Jahren innovative Lösungen für die Logistik und beschäftigt heute über 50 Mitarbeiter. Gestartet als Unternehmensberatung entwickelte sich das Unternehmen mit den rasant wachsenden technischen Möglichkeiten der Informationstechnologie zu einem führenden Softwareanbieter mit namhaften Kunden aus Industrie, Handel und dem Transportgewerbe. Infos unter www.wanko.de.
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