17.03.2016, 13:44 Uhr

Kriminalität durch Asylwerber: Das sind die Zahlen für 2015

Wiener Polizeieinheiten im Einsatz an der S-Bahnstation Liesing.

Die Wiener Polizei präsentierte die Kriminalitätsstatistik aus dem Vorjahr. Insgesamt ist die Kriminalitätsrate rückläufig. Deutlicher Anstieg im Vergleich zum Jahr davor: 2015 gab es 20 Tötungen in Wien.

WIEN. Wird Wien das neue Chicago? In der subjektiven Meinung und in den sozialen Medien wird die Donaumetropole gerne als Verbrechenshauptstadt dargestellt. An objektiven Zahlen ist das jedoch nicht belegbar, wie die Kriminalitätsstatistik der Landespolizeidirektion (LPD) Wien zeigt.

Insbesondere über die Kriminalität durch Asylwerber wird gerne spekuliert. Die konkreten Zahlen der LPD: Im Vergleich zum Jahr 2011 hat sich die Zahl der tatverdächtigen Asylwerber in der Tat verdoppelt, von etwas über 3.000 auf 6.500. Die Zahl der Asylanträge hat sich jedoch im gleichen Zeitraum verzehnfacht. "Dass Asylwerber besonders kriminell sind, kann man nicht sagen", so Polizeipräsident Pürstl. Die häufigsten Delikte durch Asylwerber: Suchtmittelvergehen, Raub und Körperverletzung. Letzteres vor allem untereinander. Bei Sexualdelikten seien keine signifikanten Anstiege zu verzeichen, so die Polizei.

Erstmals seit 2001 weniger als 200.000 Fälle

Insgesamt sinkt die Kriminalität in der Bundehauptstadt, und das deutlich. "Vergangenes Jahr wurde die Schallmauer nach unten durchbrochen und erstmalig seit 2001 sind weniger als 200.000 angezeigte Fälle zu verzeichen", sagt Pürstl. 2015 wurden 195.098 Kriminalfälle angezeigt. Das entspricht einem Rückgang von 3,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 (202.426 Fälle). Höchststand im Vergleichszeitraum 2006 bis 2015: Im Jahr 2009 wurden in Wien 228.486 Kriminalfälle angezeigt – vor allem KFZ-Diebstähle und Wohnungseinbrüche.

Mit mehr uniformierter Präsenz, Innovationen in der Kriminalitätsbekämpfung (intelligentere Vernetzung, auch international) und Prävention mit Beratungen und Aufklärung, habe man insbesondere auf das Jahr 2009 reagiert, so Pürstl. "Die Polizei braucht Zeit, um auf Phänomene zu reagieren". Was die Herkunft der Täter angeht, so wurden 2015 erstmalig gleich viele Nichtstaatsbürger wie Staatsbürger straffällig – Rund 39.000.

Jeder dritte Fall aufgeklärt

Erfreulich auch die Aufklärungsquote: 2015 wurden 37,9 Prozent aller Kriminalfälle erfolgreich aufgeklärt, was einer Steigerung von 3,2 Prozent zum Vorjahr entspricht. Im langfristigen Vergleich steigt die Aufklärungsquote tendenziell.

Bei Einbrüchen ist konkret ein Rückgang von 20,6 Prozent zu verzeichen (2014: 8.907 Einbrüche; 2015: 7.069 Einbrüche). Bei Banküberfälle hat sich die Zahl von 28 Fällen im Vorjahr auf 21 Fälle verringert – davon konnten 14 aufgeklärt werden. Auch bei den KFZ-Diebstählen ist ein Rückgang zu verzeichen: 2015 wurden 1.656 Fahrzeuge gestohlen – 118 Diebstähle weniger als 2014. Hier kann die Polizei jedoch lediglich in 11 Prozent der Fälle einen Erfolg verbuchen.

2015: 20 vorsätzliche Tötungen

Was die Gewaltkriminalität im besonderen angeht, so verzeichnet die Statistik hier einen Anstieg. 2015 wurden 15.928 Gewaltdelikte angezeigt (2014: 14.996 oder 6,2 Prozent weniger). Jedoch liegt die Aufklärungsquote bei 78,7 Prozent – vorwiegend, weil sich Täter und Opfer in rund 60 Prozent der Fälle kennen und die meisten Gewaltfälle innerhalb von Familien- oder im Bekanntenkreis passieren. Vorsätzlich getötet wurden in Wien im vergangenen Jahr 20 Personen. Im Vergleich zu 2014 (neun Tötungen) ein signifikanter Anstieg. Im zehnjährigen Durchschnitt werden in Wien jedoch jährlich rund 19 Menschen umgebracht. Erstaunlich: Seit 2010 wurde jeder Mord in der Bundeshauptstadt aufgeklärt.
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