04.04.2016, 20:56 Uhr

Wahlkampfauftakt von Richard Lugner in der Lugner City

Richard Lugner gibt sich volksnahe. Mit einem Becher Ottakringer in der Hand wartet der Baumeister auf das Ende von Jazz Gittis Auftritt.

Wenn Richie "Mörtel" Lugner zu Bier und Spielen ruft, dann füllt sich seine City mit Biertouristen, Schaulustigen, aber auch Sympathisanten.

WIEN. Gewinnt der Kasperl immer? Heimspiel für Richie Lugner im Shoppingtempel am Gürtel. Zum Wahlkampfauftakt lädt der Baumeister zu Bier (ein Euro), Würstel (ein Euro) und Jazz Gitti (gratis). Vor der Bühne ein Pseudo-VIP Bereich, der Eingang flankiert von Securities. Hinein darf jeder, nur es gibt einem halt so ein besonderes Gefühl, wenn ein Uniformierter zuerst ein rotes Band aufmachen muss. Ein bisschen erinnert die Szene an einen Zoo: die "Eingezäunten" vor der Bühne, die Schaulustigen rundherum.

Jazz Gitti trällert "Heit is so ein schena Tog" und das Volk schunkelt mit. Kein Wunder: Speis und Trank sind zwar nicht gratis, aber unschlagbar günstig. Das zieht nicht nur potentielle Wähler an, sondern auch Biertouristen, Neugierige und Menschen, denen heute einfach zum Lachen ist. Ein 25-jähriger Student schleppt vier Becher Ottakringer durch die Menge. Warum er heute da sei? "Aus reiner Belustigung." Wird er Lugner wählen? "Nur, wenn mir echt nichts besseres einfällt." Eine 31-jährige Leopoldstädterin ist auch nicht wegen Mörtel gekommen. "Ich bin wegen der Jazz Gitti hier. Die find ich ursuper. Den Lugner wähl ich jedoch nicht, weil politisch steh ich bei der FPÖ", sagt sie. Jedenfalls seit die SPÖ bei einem Wahlkampf auf Türkisch plakatiert habe.

Während die Gitti noch singt, gibt der Richie rechtsaußen Autogramme und stellt sich geduldig den Selfie-Wünschen. Viele mögen zur echten Mörtel-Wählerschaft zählen, andere sind nur wegen dem Trash-Faktor hier. Ein Selfie mit dem Lugner – das zieht durch alle Schichten und kann unabhängig der politischen Einstellung auf Facebook gepostet werden. Ein Kasperltheater macht eben Spaß.

Tränen für den Waisenbub, der zum Millionär wurde

Die echten Lugner-Fans kommen mitunter aus Deutschland. Stefanie würde Richie Lugner 1.000 Stimmen geben, wenn sie nur könnte. Der Neo-Wienerin kullern beim Warten auf ein Autogramm vom Präsidentschaftskandidaten Tränen über die Wangen. "Ich liebe diesen Mann", sagt sie. "Ich mag, wie er sich gibt und wie er auftritt." Als der große Mörtel-Fan endlich dem Richard gegenüber steht, singt Jazz Gitti "Es is a Wunder geschehen". Großes Pathos. Die potentielle Wählerschaft des Baumeisters ist von Mörtels Werdegang beeindruckt. "Der Lugner war ein Waisenbub und hat das hier aufgebaut. Er wäre der beste Präsident", sagt ein Pensionist. Seine Stimme hat er.


Foto: Facebook/Lugner

Das Spektakel dauert nur eine 1 Stunde und 15 Minuten. Um 19.15 Uhr betritt ein Moderator mit den Worten "Macht am 24. April euer Kreuzerl beim Lugner. Lugner for President" die Bühne. Die Show ist vorbei. Während Mörtel oben noch Interviews gibt, leeren sich die Bierbänke unten allmählich. "Der Kasperl gewinnt immer", sagt einer der Schaulustigen. Ob Bier und Spiele für das Amt des Bundespräsidenten reichen werden, wird sich zeigen.

Hintergrund

Spurensuche: Richard Lugner - Im Herbst muss der Hase sterben
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Helmut A. Kurz aus Hernals | 05.04.2016 | 08:25   Melden
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