Große Angst um Payman
Perfekt integriert – trotzdem droht die Abschiebung
- Die Sorge um Payman Qalandari ist riesengroß.
- Foto: Brunner
- hochgeladen von Sandra Schütz
Payman Qalandari gilt als Musterbeispiel gelungener Integration. Jetzt droht ihm die Abschiebung.
BEZIRK KORNEUBURG | STOCKERAU. Am 9. Jänner 2019 ist für Payman Qalandari die Welt zusammengebrochen. Doch nicht nur für den 22-jährigen Asylwerber, auch für seinen Paten und "Ersatzvater" Martin Brunner, der den jungen Mann mehr als nur in sein Herz geschlossen hat.
Payman Qalandari ist seit 2016 in Österreich. Er lebte nach seiner Flucht in Stockerau und besuchte als außerordentlicher Schüler eineinhalb Jahre das Stockerauer Gymnasium. Dort hat er sich nicht nur einen großen Freundeskreis aufgebaut, er lernte auch schnell. Bald konnte er perfekt Deutsch, gab sogar selbst Nachhilfe und half als Dolmetscher. "Er ist ein Musterbeispiel gelungener Integration und er ist vielen Leuten durch seine liebenswürdige, hilfsbereite und positive Art aufgefallen und ans Herz gewachsen", erzählt Brunner.
Auch Pläne hatte Qalandari bereits. "Er wohnte mittlerweile in Wien und wollte eine Lehre zum Koch/Kellner starten."
In Schubhaft genommen
Bereits zweimal wurde Qalandari der Asylstatus verwehrt. Gemeinsam mit einer Anwältin wurde dann ein Bleiberechtsverfahren eröffnet, das nach wie vor noch nicht entschieden ist.
"Das große Problem ist, dass Payman einen Afghanischen Pass hat, er auch dorthin abgeschoben werden soll. Seine Familie ist jedoch schon vor 30 Jahren in den Iran ausgewandert, in Afghanistan kennt Payman niemanden, er hat dort nichts, das ist nicht seine Heimat", erklärt Brunner, der sich als sein "europäischer Vater" bezeichnet.
Mulmig war darum auch das Gefühl, als Payman Qalandari am 9. Jänner 2019 zu einem Interview ins BFA-Wien geladen wurde. Auch die Anwältin, die ihn begleitete, konnte nicht verhindern, dass man ihn dort völlig überraschend in Schubhaft nahm. "Die Argumente waren, er hätte keine Barmittel, hätte keine Freunde und drohe unterzutauchen", ist Brunner entsetzt, der sich als Pate offiziell dazu bereit erklärt hatte, für die nächsten drei Jahre für Payman finanziell aufzukommen.
Kleine Hoffnung zerstört
Sofort wurde eine Schubhaft-Beschwerde eingebracht, eine Online-Petition aufgesetzt und Himmel und Hölle in Bewegung gebracht. Die Bürgerinitiative "Freiheit für Qalandari" formierte sich, sogar ein Brief an den Bundespräsidenten wurde von Paymans ehemaliger Lehrerin aus Stockerau abgeschickt und bekannte Schauspieler wie Anderas Vitasek und Erwin Steinhauer haben die Petition unterzeichnet, die mit Montag Mittag schon über 2.000 Unterstützer hatte.
Der kleine Funken Hoffnung, der noch verblieben war, wurde jedoch zerstört, als der Bundesverwaltungsgerichtshof die Beschwerde abgelehnt hat. "Wir machen uns große Sorgen und fürchten sowohl um die physische als auch psychische Gesundheit Paymans", erzählt Brunner.
Sollte nicht noch ein Wunder passieren, wird Payman Qalandari am 16. Februar 2019 abgeschoben.
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