So bekämpft die Stadt Salzburg den Straßenstrich

Vizebgm. Harald Preuner mit Michael Haybäck, dem Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung im Magistrat Salzburg bei der Schwerpunktkontrolle "Straßenstrich".
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  • Vizebgm. Harald Preuner mit Michael Haybäck, dem Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung im Magistrat Salzburg bei der Schwerpunktkontrolle "Straßenstrich".
  • hochgeladen von Stefanie Schenker

"30 Euro", bestätigt die 21-jährige Rumänin, was dem zwölfköpfigen Einsatzteam sowieso bekannt ist: So viel kostet der schnelle Sex inklusive Oralverkehr.. Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes haben sie und eine 19-Jährige vor wenigen Minuten am illegalen Straßenstrich in der Vogelweiderstraße aufgegriffen. "Haben Sie Feuchttücher und Kondome mit?", will die Beamtin wissen. Die junge Frau nickt, vergräbt das Kinn im Jackenkragen und wippt mit den Beinen auf und ab. Ihr ist kalt, Leggings und Minirock passen bei vier Grad Außentemperatur nicht zu längeren Aufenthalten im Freien.

"Die stehen hier, weil sie offensichtlich müssen"

"Die stehen auch bei Schneesturm und Eiseskälte", sagt Michael Haybäck, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Dass auch nur eine von ihnen freiwillig dort steht, ist für ihn und den für öffentliche Sicherheit zuständigen Vizebgm. Harald Preuner ausgeschlossen. "Wenn Sie sich diese Damen anschauen, dann sehen Sie ein Häufchen Elend. Letzte Woche haben wir hier drei 18-Jährige aufgegriffen, die in ihren Heimatländern schon jahrelange Prostitutionserfahrungen hinter sich haben. Und wir treffen auch immer wieder schwangere Frauen an – auch noch zwei Wochen vor dem Geburtstermin oder kurz nach einer Geburt", so Preuner. "Diese Frauen sind schwer traumatisiert. Und hier leben sie zu siebt oder zu acht in Zimmern mit ganz schlechten Wohnstandards. Sie sind keine 'selbstständigen', die sich durch Prostitution auch nur annähernd ihr Leben finanzieren. Sie haben Zuhälter, die dann immer 'Cousins' oder andere 'Verwandte' sind. Es gibt nur ganz wenige, die wirklich eine Aussage machen", ergänzt Haybäck.

Daten werden via iPad erfasst und ins System eingespielt

Es dauert nur 20 Minuten bis das Team des Ordnungsamtes an dem Abend die Vogelweider- und die Bayerhamerstraße "z'ammg'räumt" haben, fürs erste zumindest. Es muss schnell gehen, weil nicht nur die Einsatztruppe miteinander kommuniziert, sondern auch die Zuhälter über Handy sich gegenseitig vor Kontrollen warnen. Acht junge Frauen aus Rumänien und Ungarn erfahren an dem Abend am eigenen Leib, was das österreichweit beachtete und im Magistrat Salzburg entwickelte E-Government-Verfahren des Amtes für öffentliche Ordnung kann: Ihre Daten und Aussagen werden mittels iPad erfasst und nicht nur in das magistratseigene System überspielt, sondern auch gleich als fertiger Datensatz in die Landespolizeidirektion übermittelt. Damit wird vom Magistrat ein abgekürztes Strafverfahren nach dem Aidsgesetz (Prostituierte müssen alle drei Monate einen Aidstest vorweisen) noch vor Ort durchgeführt. "Es ist ein faires und korrektes Verfahren, aber gleichzeitig schnell, sicher und effizient", sagt Haybäck.

Heuer schon mehr als 600 Strafverfahren

Und schnell müssen die Beamten sein, denn die Strafverfügung vor Ort (360 Euro beim ersten Aufgriff, 600 Euro im Wiederholungsfall) hat sich bewährt. In einem ordentlichen Verfahren bleiben vier Wochen Zeit, sich zu rechtfertigen – bis dahin sind die jungen Frauen aber weg, in einem anderen Land, auf einem anderen Straßenstrich. Bezahlt wird die Strafe übrigens erst dann, wenn eine Ersatzfreiheitsstrafe droht, das ist beim wiederholten Aufgriff nach 14 Tagen der Fall. Dann sind es "Cousins", die die Frauen auslösen kommen, in bar. 604 derartige Strafverfahren hat der Magistrat heuer bereits durchgeführt.

Anrainer über Sexualmüll auf Spielplätzen verärgert

Moral spielt für Haybäck dabei keine Rolle. "Wir wissen, dass diese Frauen Opfer sind, wir wissen, dass sie traumatisiert sind und damit gehen wir professionell um. Wir werden den Straßenstrich nie wegbekommen, aber wir wollen es den Tätern dahinter so schwer wie möglich machen – auch damit sich das Problem nicht ausweitet. Das ist das, was wir dazu beitragen können, um gegen diese Art von Menschenhandel und Schlepperei tätig zu werden." Und: Die berechtigten Beschwerden von Anrainern über Sexualmüll auf nahen Spielplätzen und Parkplätzen, den "unglaublichen Verkehr" von auf- und abfahrenden suchenden Freiern oder Belästigungen junger Frauen auf dem Nachhauseweg sind für die Stadt mit ein Grund, hier aktiv zu werden.

Syphilis unter Salzburgs Männern auf dem Vormarsch

In der Stadt Salzburg gibt es 17 bewilligte Bordellbetriebe mit mehr als 300 legalen Prostituierten, die sich regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen unterziehen. "Da ist Straßenstrich nicht notwendig", so Haybäck. Aber er weiß auch: "Wer hierher kommt, der will schnellen Sex ohne drumherum und das möglichst billig." Dass die Männer dabei ihre eigene Gesundheit und die möglicher Partnerinnen aufs Spiel setzen, bestätigt ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes: Jedes Monat werden neue Sypilis-Fälle unter Männern registriert.

Preuner: "Gute Zusammenarbeit mit der Polizei"

Fünf an dem Abend aufgegriffene junge Frauen stehen neben dem Einsatzbus des Magistrats. Während sie darauf warten, einzeln befragt zu werden, unterhalten sie sich. Man kennt sich. "Nein, viel ist heute nicht los", sagt eine, die Kapuze ihrer Jacke tief ins Gesicht gezogen, die bloßen Hände in die Jackenärmel eingezogen. Sie spricht ein bisschen Französisch, kein Englisch und kaum Deutsch. Nur zweieinhalb Stunden später wird sie wieder am Strich in der Vogelweiderstraße stehen und ein zweites Mal gestraft.

Davor geht es aber noch mit dem Einsatzfahrzeug der Polizei in die Landespolizeidirektion. Dort folgt das vorerst zweite Strafverfahren für diesen Abend – nach dem Geschlechtskrankheitengesetz sowie wegen illegaler Prostitution. Das kostet noch einmal mindestens 365 Euro, die Höchstgrenze liegt bei 10.000 Euro, im Wiederholungsfall bei 20.000 Euro.

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