02.05.2016, 17:13 Uhr

Simmerings Bezirkschef Paul Stadler im Kreuzverhör: „Immer mehr Bethäuser in Simmering“

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Der Bezirkschef mit der stellvertretenden Chefredakteurin Agnes Preusser und dem leitenden Redakteur Karl Pufler. (Foto: Spitzauer)

FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler über Migration, Bethäuser und strafende Sozialdemokraten.

SIMMERING. Der Elfte ist anders. Das erkennt man auch im Büro von Bezirksvorsteher Paul Stadler: Modelle von Hochsee-Schiffen, ein Anker und Bilder von Schiffen sind die Hingucker. In der Umgebung fühlt sich der passionierte Segler wohl. Im Interview spricht er über das geplante Imam-Zentrum, rauen Gegenwind und den 71er.

Die FPÖ ist im Aufwind. In der Bevölkerung gibt es viele Migranten und Grün-Sympathisanten, die sich wegen der Fremdenpolitik unwohl fühlen. Was tun Sie dagegen?
PAUL STADLER:
Ich muss das gleich korrigieren: Sehr viele Migranten wählen mich und auch die FPÖ. Sie verstehen unsere Politik: Zuerst müssen unsere Leute, die hier leben, eine Arbeit haben. Dann können wir die anderen nachholen.

Woran sehen Sie diese Zustimmung?
Menschen türkischer und serbischer Herkunft haben mir das gesagt. Außerdem bin ich nun 100 und ein paar Tage als Simmeringer Bezirksvorsteher im Amt. Hätten wir schlecht gewirtschaftet, wären wir bei der Bundespräsidentenwahl abgestraft worden und hätten nicht das wienweit beste Ergebnis erzielt. Viele versuchen, die Blauen ins rechte Eck zu drängen. Sie können mir glauben: Wenn die FPÖ eine Nazi-Partei wäre, dann wäre ich nicht dabei.

Islamische Schule in der ­Florian-Hedorfer-Straße: Wie geht es hier weiter?
Bislang ist noch immer unklar, was entstehen soll. Ich lade alle Bezirksfraktionen und die Verantwortlichen des Imam-Zentrums zu einem Treffen ein. Wenn eine Privatschule kommt, dann haben wir kein Mitspracherecht. Wenn sie öffentlich-rechtlich wird, dann haben wir Kontrollmöglichkeiten. Darüber habe ich schon mit dem Stadtschulrat gesprochen. Was mir aber mehr Sorgen macht, sind die Bethäuser.

Gibt es in Simmering mehr als in anderen Bezirken?
Das kann ich nicht sagen, weil wir nicht alle kennen. Für die Bethäuser gibt es keine Meldepflicht. Die fallen nur auf, wenn sie wie in der Grillgasse mit Megafon beten. Dann greifen wir ein und versuchen zu deeskalieren.

Was wird in Simmering für Integration getan?
Am Artillerieplatz gibt es drei Gebäude, in denen 500 Migranten leben. Das sind Flüchtlinge mit Asylstatus. Die bekommen hier fünf Jahre lang eine günstige Wohnung. Voraussetzung: Sie müssen eine Arbeit haben. Das ist eine ganz tolle Sache.



Zur Bezirkspolitik: Auf welche Erfolge sind Sie nach etwas mehr als 100 Tagen im Amt besonders stolz?
Es ist so viel, was wir jetzt schon gemacht haben, auch wenn man es uns nicht leicht gemacht hat. Etwa, dass wir den Straßenbau um den Kanalbau heuer fertigbringen. Der Kreisverkehr und die neue Beleuchtung Unter der Kirche. Wir zahlen auch schon Schulden zurück.

Inwiefern wurde es Ihnen nicht leicht gemacht?
Es gibt etwa Anträge, die schon vor meiner Zeit als Vorsteher von allen Bezirksfraktionen befürwortet wurden. Die damals zuständige Stadträtin hat die Umsetzung bewilligt. Doch jetzt ist alles wieder anders.

Bitte ein konkretes Beispiel.
Die Verlängerung der 71er-­Straßenbahn bis Kaiserebersdorf und der dafür nötige Ausbau der Bim-Schleife Zinnergasse. Alle Bezirksparteien waren dafür. Die damals regierenden Sozialdemokraten haben den Antrag bei den Wiener Linien eingereicht und die damals für die Wiener Linien zuständige Vizebürgermeisterin Renate Brauner hat die benötig­ten Mittel zugesagt. Dann kamen die Wahlen und alles war anders. Nun heißt es von den Wiener Linien: „Kein Bedarf!“

Wie reagieren Sie darauf?
Ich habe diesbezüglich einen Termin bei der nun zuständigen Stadträtin Ulli Sima. Aber wenn die Entscheidung so bleibt, dann gibt es für mich, ironisch gesagt, nur zwei Möglichkeiten für diese Meinungsänderung: Entweder bestrafen die Sozialdemokraten die Sozialdemokraten, weil sie in Simmering verloren haben, oder sie bestrafen die Simmeringer Bevölkerung, weil sie blau gewählt hat.

Das heißt: rauer Gegenwind von der Stadt. Wie sieht es im Bezirk aus?
Das ist kein Gegenwind. Ich rede sowieso immer mit allen Fraktionen. Ich bin ja nicht einer Partei verpflichtet, sondern der Bevölkerung.

Zur Person

Paul Stadler (60) ist seit 30. November 2015 Simmeringer Bezirkschef. 20 Jahre lang war er FP-Bezirksvize von Simmering. Der passionierte Segler kann auf einen Hochsee-Europameister-Titel verweisen. Stadler ist verheiratet.

In den kommenden Wochen interviewen wir alle 23 Bezirksvorsteher. Die bereits bestehenden Interviews finden Sie auf www.meinbezirk.at/bz-interview
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Martin Weber aus Favoriten | 03.05.2016 | 02:31   Melden
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ÖTB Turnverein Simmering 1889 aus Simmering | 04.05.2016 | 09:26   Melden
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