Der Herr der Spiele

Ewald Wolfsgruber zwischen einigen der rund 600 Spiele, die in einem Lagerraum auf ihren Einsatz warten.
  • Ewald Wolfsgruber zwischen einigen der rund 600 Spiele, die in einem Lagerraum auf ihren Einsatz warten.
  • hochgeladen von Nina Meißl

"Ich selbst spiele eigentlich gar nicht so gerne", sagt Ewald Wolfsgruber. Dafür entwickelt der 52-Jährige leidenschaftlich Spiele für alle von vier bis 99 Jahren. "Mich interessieren die Abläufe, die hinter einem Spiel stecken, und wie man eine Idee gut und günstig umsetzen kann." Wolfsgruber hat aus einer Not eine Tugend gemacht. "Ich stamme aus einer großen Arbeiterfamilie. Damals wie heute haben Familien oft nicht so viel Geld. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass man ein Spiel zu einem bestimmten Thema sucht und nicht findet." Seine ersten Versuche macht er bereits im Alter von sieben Jahren. Damals wurden einfach beliebte Spiele nachgebastelt. Irgendwann erfand er auch eigene Regeln oder Spielfiguren. "Das geht so weit, bis man sein erstes eigenes Spiel entwickelt." Die Ideen dafür kommen meistens ganz von selbst. 35 Spiele gibt es auf seiner Homepage inzwischen als Bastelbögen zum Herunterladen.

Spielen mit Grips

Diese sogenannten Bastelspiele sind auch ein Fixpunkt beim monatlichen Spieletreff. Dieser ist Teil des Projekts "Kultur und Spiel", das im Kulturhauptstadtjahr 2009 entstand. Die Linzer Spieleszene trifft sich regelmäßig im Volkshaus Keferfeld-Oed. Rund 1000 Spiele haben die Organisatoren in zwei Lagern, vier Regale mit den gängigsten Spielen gibt es bei jedem Spieletreff zum Kennenlernen und Ausprobieren. "Das Interesse am Spielen hat nie aufgehört. Die sogenannte Krise der Brettspiele kann ich nicht bestätigen. Viele spielen aber eher im stillen Kämmerchen. Vor allem Jugendliche scheuen sich oft, in der Öffentlichkeit Brettspiele zu spielen, weil es oft als uncool gesehen wird. Dabei muss man ihnen nur das richtige Werkzeug in die Hand geben. Man muss ihnen zeigen, dass man eine Menge Grips braucht, um ein Brettspiel zu spielen", sagt Wolfsgruber. Daher kann man sich beim Spieletreff viele Spiele einfach erklären lassen.

Große Familie

"Der große Unterschied in Oberösterreich im Vergleich zu anderen Bundesländern ist, dass bei uns in der Spieleszene alle an einem Strang ziehen. Bei jedem Spieletreff gibt es neben Brettspielen daher auch Konsolen- oder PC-Spiele. Wir sind eine große Familie, in der sich jeder einbringt." Das gilt auch für die vielen anderen Projekte, die im Rahmen von "Kultur und Spiel" im ganzen Bundesland entstehen. Einmal im Jahr findet etwa die LinzCON statt, eine zweitägige Veranstaltung, bei der das gesamte Volkshaus Keferfeld-Oed bespielt wird – das nächste Mal am 20. und 21. Mai. Gemeinsam hat es die Linzer Spielszene heuer auch geschafft, die große Comic Con Austria erstmals von Wien nach Linz ins Design Center zu holen (19. bis 20. März). "Wir möchten Linz zum Mekka der Spiele machen. Jeder kennt die große Spielemesse in Essen – so etwas wünsche ich mir in Zukunft auch in Linz", so Wolfsgruber.

Mehr Infos finden Sie online auf bastelspiele.jimdo.com

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