06.04.2016, 11:14 Uhr

Spaziergeher fand Granate am Ennsufer: „Kann explodieren, muss aber nicht“

Der Finder der Granate in Reichraming reagierte richtig – er alarmierte die Polizei. (Foto: Foto: Polizei Großraming)

Mit einem Metalldetektor fand ein Mann am Ennsufer Ende März eine 8,8 cm Panzergranate.

REICHRAMING. Der 46-jährige Finder verständigte die Polizei. „Tatsächlich kommt es aber immer wieder vor, dass die Finder die Sachen in Eigenregie zur Polizei bringen“, sagt Sprengstoffexperte Karl Rittmannsberger. Er ist einer von sieben Sprengstoffsachkundigen in Oberösterreich. „Der Gegenstand sollte keinesfalls berührt oder gedreht werden“, betont Rittmannsberger. Man könne nie davon ausgehen, dass ein Fund ungefährlich sei, nur weil er lange Zeit verborgen lag.


30 Tonnen pro Jahr in Österreich gesprengt

„Man weiß nie, in welchem Zustand sich der Zünder befindet. Es kann sein, dass er bereits durchoxidiert ist. Das macht es noch gefährlicher“, so Rittmannsberger. Jährlich sprenge der Entminungsdienst des Innenministeriums 30 Tonnen an Kriegsrelikten in Österreich. „In Oberösterreich haben wir im Jahr an die 120 Einsätze, die Kriegsrelikte betreffen“, weiß der Experte. Vor allem Oberös-terreich sei stark belastet von weggeworfenem, übriggebliebenem Kriegsmaterial. Bäche, Flüsse und Seen zählen zu den häufigsten Schauplätzen für verschiedenste Funde, „auch bei Grabungsarbeiten wie am Linzer Bahnhof ist der Fund einer Fliegerbombe keine Seltenheit. Am häufigsten kommen Sachen aber nach einem Hochwasser oder bei Niedrigwasser zum Vorschein“, erklärt Rittmannsberger.

„Münzsucher hat es immer gegeben“

Dass die Zahl der Funde von Kriegsrelikten durch Spaziergeher mit Metalldetektoren zugenommen hätte, verneint der Sprengstoffexperte: „Münzensucher hat es immer gegeben. Es kommt selten vor, dass jemand so wie in Reichraming mit einem Detektor Granaten findet. Solche Funde basieren auf Zufall.“ Werden die Tage wieder länger, schwärmen Abenteurer wie Gernot Grabherr wieder mit ihren Metalldetektoren aus. Soldatenmarken oder Münzen aus dem 19. Jahrhundert zählen dabei zu den bisher spektakulärsten Funden des 30-jährigen Losensteiners.

Hier geht's zum Beitrag Kriegsrelikt an der Uferböschung zur Enns gefunden
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