07.09.2016, 16:06 Uhr

Die Goldalgen trüben den Alpensee in Lunz

Am WasserCluster erforscht man die Goldalgen im Lunzer See. (Foto: Weinfranz)

Der Lunzer See im Wandel: Goldalgen-Blüte durch Erhöhung der Phosphor-Konzentration

LUNZ. Der Lunzer See ist nicht mehr, wie er einmal war, das fällt See-Kennern schon seit längerer Zeit auf. Auch die Forscher des WasserClusters Lunz haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Veränderungen auseinandergesetzt, die im Lunzer See vor sich gehen und folgende Schlüsse gezogen: Die Trübung ist vor allem auf erhöhte Algenbiomasse zurückzuführen, im Lunzer See blühen sogenannte Goldalgen.

Für Menschen ungefährlich

Sie sind mikroskopisch klein, verursachen bisweilen einen modrig-fischigen Geruch am See, sind für Menschen wie Tiere aber völlig harmlos.

Phosphorkonzentration deutlich gestiegen

Warum aber blühen im Lunzer See seit geraumer Zeit mehr Algen? Diese Entwicklung hängt zum einen mit der veränderten Fischgemeinschaft im See zusammen. Die Zahl von Rotfedern und anderen karpfenartigen Fischen stieg an, das führte zur Abnahme von Zooplankton, was wiederum heißt, dass weniger Algen gefressen wurden. Vor allem aber liegt die Veränderung des Sees wohl am geänderten Nährstoffgehalt. Der Nährstoff für das Algenwachstum in Seen ist Phosphor und die Phosphorkonzentration im Lunzer See zeigt in der Tat eine deutliche Zunahme seit 2010. Allerdings liegt der See nach wie vor im oligotrophen Bereich, das heißt, er gilt als sehr sauber.

Ursachen des Phosphor-Anstiegs

Und woher kommt nun der Phosphor? Als Ursachen für den Phosphor-Anstieg kommen mehrere Faktoren in Frage: Zum einen das Absterben größerer Waldflächen im Gebiet des Scheiblingsteins und in der Durchlass-Alm zwischen 2010 und 2014, was zur Freisetzung von Nährstoffen im Boden führt und auch die Gefahr von Bodenerosion erhöht. Zum anderen gab es zeitweise hohen Niederschlag in Verbindung mit Bodenerosion in den vergangenen Jahren, vor allem 2014 und 2016. Und nicht zuletzt könnten auch Veränderungen im Wildbestand zum Anstieg des Phosphors im See beigetragen haben.

Regelmäßige Entnahme von Wasserproben

Um die Nährstoffquelle eingrenzen zu können, nehmen die Forscher des WasserClusters seit geraumer Zeit regelmäßig Wasserproben an mehreren Stellen im oberen Seetal. Die Proben werden im Moment auf ihre Nährstoffkonzentration untersucht.
In einem Vortrag im Rahmen der Tage der offenen Tür des WasserClusters Lunz beleuchteten die beiden Forscher Robert Ptacnik und Martin Kainz die Veränderungen des Lunzer Sees im vergangenen Jahrhundert genauer.

Veränderung des Lunzer Klimas

Weiters sprach der WasserCluster-Mitarbeiter und Lunzer "Wetterfrosch" Hannes Hager über Veränderungen des Kleinklimas in Lunz.
Seit 120 Jahren werden in Lunz Wetteraufzeichnungen durchgeführt und seit Gründung der Biologischen Station im Jahr 1905 stehen durchgehende, miteinander vergleichbare Datenreihen zur Verfügung.
Nach der digitalen Auswertung der etwa 350.000 Einzelmesswerte zeigen sich die Veränderungen des Kleinklimas in Lunz am See sehr deutlich und sorgen auch für so manche Überraschung in der Vergangenheit und einen eindeutigen Trend in den letzten Jahrzehnten.

Nachwuchs-Forscher sollen gefördert werden

Wege der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung standen ebenfalls am Programm der Tage der offenen Tür am WasserCluster Lunz.
So hat am WasserCluster – für den es ein zentrales Anliegen ist, wissenschaftliches Wissen an die Gesellschaft zu vermitteln – die Zusammenarbeit mit Schulen in der Region bereits große Tradition. Schulkooperationen stellen wertvolle Kontakte dar, die dazu beitragen, die Forschungsarbeit direkt in die Gesellschaft zu tragen. Forscherin Gabriele Weigelhofer sprach über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die durch eigenes Handeln erfahren, wie wissenschaftliche Forschung funktioniert.

Programm für Groß und Klein

In diesem Sinne standen an zwei Tagen die Tore zur Forschungsstation in Lunz für Groß und Klein offen. Mitmach-Stationen und Führungen durch den WasserCluster und die Biologische Station sorgten neben den Vorträgen für ein abwechslungsreiches Programm.
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