19.04.2016, 14:58 Uhr

In der Wallensteinstraße versteckt: ein echtes Filmarchiv im Gemeindebau

Christian Bednarik zeigt den Echtzeitscanner, mit dem das WIFAR die alten Filmschätze digitalisiert.

Ein Projektor von Bruno Kreisky, ein eigenes kleines Kino und viele Filmrollen der österreichischen Arbeiter sind im WIFAR – dem Filmarchiv der Arbeiterbewebung – zu finden.

BRIGITTENAU. Ein unscheinbarer Metallkasten steht an einer Wand, eingeklemmt zwischen Filmabspielgeräten aus allen Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Damit hat sich Bruno Kreisky Filmaufnahmen seiner öffentlichen Auftritte angeschaut," berichtet Thomas Hlinak. "Er wollte so seine Außenwirkung trainieren". Hlinak war ursprünglich Lehrer, jetzt ist er hauptamtlicher Mitarbeiter des Wiener Filmarchives der Arbeiterbewegung (WIFAR) in der Wallensteinstraße 68. "Ich hatte großes Glück hier zu landen," sagt er schmunzelnd.

Stilecht befindet sich das Archiv in einem Gemeindebau. Von außen würde man es kaum erkennen, wären da nicht die kleinen Bildschirme im Fenster auf denen Dokumentarfilme abgespielt werden. "Einer ist über Käthe Sasso, die als 16-jährige Aktivistin von der Gestapo verhaftet und im KZ inhaftiert wurde," berichtet Hlinak.

Filmaufnahmen der österreichischen Arbeiterbewegung

Die Fenster sind abgedunkelt, auch um die tausenden von Filmaufnahmen der österreichischen Arbeiterbewegung zu schützen. Die Sicherung dieser Filme für die Nachwelt ist eine der wichtigsten Aufgaben des Archives. Darum kümmert sich Christian Bednarik, der Techniker des Archivs. "Wir haben den Prototyp eines Echtzeitscanners, mit dem wir die alten Filme gleich beim abspielen auf einem Digitalbildschirm anschauen und dort direkt die Ton- oder Bildqualität bearbeiten können. Wenn nötig kann ich danach Bild für Bild bearbeiten und restaurieren", so Bednarik.

Vieles verdankt das Archiv dem Zufall. "Wir kriegen unsere Filme vom ÖGB, der AK und anderen Organisationen," erzählt Hlinak. Aber auch Menschen aus dem Gemeindebau tragen Sachen vorbei. Wir haben den Filmprojektor aus dem alten Wallensteinkino. Der ist auf dem Müll gefunden und in mühevoller Kleinarbeit repariert worden."

Eigenes Kino seit November

Seit November vergangenen Jahres hat das Archiv auch ein eigenes kleines Kino. "Um das aufzubauen haben wir für Monate geschuftet, Kabel verlegt und den Raum renoviert," berichtet der Techniker Bednarik. "In der nahen Zukunft wollen wir hier Filmabende und Veranstaltungen machen."

Zur Sache:
Das WIFAR ist Montags bis Donnerstags von 9 Uhr bis 14 Uhr und Freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Gäste sind generell willkommen. Führungen mit Filmvorführung werden nach Anmeldung gratis durchgeführt. Tel.: 01/ 37 45 312, e-mail: wifar@aon.at
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