12.08.2016, 15:02 Uhr

Lunz am See zur "Nazi-Zeit"

Hans Geißlhofer aus Lunz am See hat das Buch "Der Kältesee" herausgebracht.

Hans Geißlhofer aus Lunz hat ein Buch herausgebracht, in dem er seine Familiengeschichte aufgearbeitet hat.

LUNZ. Für die Menschen im Bezirk Scheibbs ist die Gegend rund um den Lunzer See ein idyllisches Plätzchen, um die Seele baumeln zu lassen. Kaum jemand weiß, dass die Nationalsozialisten auf der Alm am Dürrenstein ihre "Alpenfestung" aufbauen wollten.

Restitution als "Auslöser"

Der eigentliche Grund, das Buch "Der Kältesee" zu verfassen, war ein verschlepptes Restitutionsverfahren, in dem der Autor Hans Geißlhofer nach wie vor steckt.
"Während der Regierungszeit unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wurde ein Entschädigungsfonds für Nachkommen jüdischer Familien eingerichtet, weshalb ich meine Mutter und meinen Onkel über die Zeit der Nazi-Diktatur auszufragen begann, während sonst in unserer Familie darüber kaum gesprochen wurde. Dies war der Beginn meiner umfassenden Recherchen bezüglich der eigenen Familiengeschichte", berichtet Hans Geißlhofer.

Reisen nach Kuba und Afrika

Hans Geißlhofer ging während seiner Studienzeit freiwillig nach Kuba, um dort zu helfen. Später war er viele Jahre lang als Entwicklungshelfer in Afrika tätig.
"Ich begann 1968 in Wien zu studieren und war der 'klassische' linke Student und reiste dann mit mehreren Kollegen – unter ihnen war zum Beispiel der spätere Grünen-Politiker Peter Pilz – nach Kuba, um in Arbeitsbrigaden freiwillig zu helfen. Zu dieser Zeit beschäftigten mich Vietnam und Kuba weit mehr als die eigene Familiengeschichte. Nach meinem Studium war ich 30 Jahre lang in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika tätig. Ich erfuhr erst sehr spät, dass ein zweites Gut unserer Familie in Pyhra von den Nazis beschlagnahmt worden war und unter Zwang an den Gauleiter verkauft worden war, damit die Familie dem Konzentrationslager entgehen konnte", so der Autor.

Die Alm als "Testgelände"

"Mein Urgroßvater Karl Kupelwieser war an der Errichtung der 'Biologischen Station' beteiligt. Bei meteorologischen Messungen stellte man fest, dass sich am Dürrenstein ein Kältepol befindet, wo bis zu minus 52 Grad Celsius gemessen wurden, weshalb die Nazis hier die Kältetauglichkeit ihrer Panzer testeten", so Hans Geißlhofer.
Weitere Informationen gibt's unter hansgeissl@gmx.net
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