17.06.2016, 11:15 Uhr

Euro 2016: Die „Euro-Phorie“ wird bleiben. Mit oder ohne Österreichs Nationalteam.

Fast 14.000 Fans in der Fanzone Rathausplatz beim ersten Euro-Auftritt der Österreicher in Bordeaux. Mehr durften auch aufgrund der Sicherheitsbestimmungen nicht hinein. Zuerst noch Vorfreude, Euphorie, Fanatismus und ein Zusammengehörigkeitsgefühl all jener, die für Österreich die Daumen drückten, egal ob Österreicher, Migrant, Tourist oder einfach Fan. Nach der 0:2-Niederlage gegen die ungarischen Nachbarn: Enttäuschung, Frust, Wut und auch ein gewisses Unverständnis, warum es nach der sensationellen EM-Qualifikation (mit 10 Spielen ohne Niederlage) gerade jetzt im „Ernstfall“ nicht geklappt hat.

Das Abenteuer Europameisterschaft ist allerdings für unser Team noch nicht vorbei. Noch kann Österreich aus eigener Kraft den Aufstieg in das Achtelfinale schaffen, in das nicht nur die 2 Gruppenbesten, sondern auch die 4 besten Drittplatzierten aufsteigen. Beim Auftaktspiel gegen Ungarn waren unsere Jungs sicher nicht von Glück gezeichnet: Stangenschuss durch Alaba in der 1. Minute, weitere vergebene Chancen in der 1. Hälfte, der schnörkellose 1:0-Überraschungskonter durch Szalai, der verletzungsbedingte Ausfall von Junuzovic (der Samstags ausfällt), statt des Ausgleichs ein harter Ausschluss von Dragovic. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei den Österreichern nur 62 % der Pässe ankamen – ein unterdurchschnittlicher Wert – und die Mannschaft gegen körperbetonte, kampfstarke Teams – wie Ungarn – stets Mankos aufzuweisen hat. Auch, wenn es plakativ klingt, im bedingungslosen Einsatz bis zum Umfallen.

Insofern könnte den Österreichern sogar Portugal am Samstag um 21 Uhr mehr liegen. Diese erreichten gegen die vom schwedischen Starcoach Lagerbäck perfekt eingestellten Isländer nur ein 1:1-Unentschieden, die Tore schossen der beim Janko-Verein Basel spielende Bjarnason und Ex-Man-U- und Fenerbahce-Kicker Nani. Wenn man den Marktwert der portugiesischen Startruppe (353,5 Millionen Euro, davon Ronaldo 110) mit der von Island (44,3 Millionen Euro) vergleicht, dann wird das Lächeln über das Remis umso spöttischer.

Fakt aber ist: Island hat im Herbst 2015 zweimal die Holländer besiegt und sie damit aus dem Euro-Turnier geschmissen. Ungarn wird die Isländer am Samstag garantiert nicht unterschätzen. Österreich sicher auch nicht. Ob das Spiel nächsten Mittwoch nur mehr ein Freundschaftsspiel oder ein Aufstiegsthriller wird, das kann man vielleicht Samstag Mitternacht beurteilen. Die Euro-Euphorie in Österreich wird aber auch dann nicht zu Ende gehen, wenn Österreich aus dem Bewerb ausscheidet. Dazu sind die Spiele einfach zu spannend, die Star-Kicker zu faszinierend und die Fanzonen einfach zu anziehend. Und wenn man dort „nur“ den Flirt des Sommers oder vielleicht sogar die Liebe des Lebens kennenlernt.
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