28.03.2016, 09:40 Uhr

Lokalaugenschein im Wasserpark: Sorge um Vögel an der Alten Donau

Vor dem Einlass zum Wasserpark hat sich fast ein eigenes "Misteck" gebildet. Laut Harald Illsinger (am Bild) sammeln sich hier vor allem im Sommer unzählige Getränkeverpackungen.

Die gefährliche Enge zwischen Oberleitung, Brücken und Damm am Beginn des Floridsdorfer Wasserparks sorgt leider laufend für tödliche Flugunfälle von Schwänen, Naturbeobachter befürchten jetzt eine neue Gefahr für Wasservögel.

Es ist ein sonniger, wenn auch kühler Frühlingsvormittag an der Oberen Alten Donau. Ungefähr auf Höhe des Mühlschüttels tummeln sich etwa zwei Dutzend Schwäne, doch je weiter es nach oben geht, desto ausgestorbener ist das Wasser.

Harald Illsinger beobachtet den Lebensraum Alte Donau seit drei Jahren und macht hier täglich seine Runden, mit ernüchternden Ergebnissen: "Ich habe mit der Naturfotografie begonnen, weil ich ihre Schönheit einfangen wollte, leider musste ich feststellen, dass sich auf einer Vielzahl der Bilder auch schwimmende Dosen und Plastikflaschen eingeschlichen haben." Dass die Verunreinigung durch Ufergäste weder für Tier noch Mensch angenehm ist, liegt auf der Hand. Illsinger erzählt, dass er bereits mehrmals eingreifen musste, um junge Wasservögel vor einem unschönen Ende zu bewahren, zu eifrig seien sie am "grasen" als dass ihnen beispielsweise abgerissene Angelschnüre auffallen würden.

Doch leider kommt manchmal jede Hilfe zu spät. "Vor etwa einem Monat ist das letzte Schwanenpärchen des Wasserparks gegen die U-Bahn-Brücke geflogen und verendet", berichtet Illsinger. Schwäne bräuchten im Vergleich zu den ebenfalls im Wasserpark ansässigen Graureihern unverhältnismäßig viel "Anlauf" um ihren Flug zu starten und die richtige Höhe zu erreichen, daher die häufigen Unglücke. Mittlerweile habe sich aber schon ein neues Paar angesiedelt, bietet doch der Wasserpark eines der wenigen ungestörten Plätzchen zum Brüten.

Mensch statt Tier

Allerdings scheint auch dieses in Gefahr. Der Bau des Bodenfilters im Wasserpark inkl. begehbarer Promenade, laut MA 45 – Wiener Gewässer "wassertechnisches Herzstück" des EU-Projekts LIFE+ Alte Donau, bringt Unruhe in die Idylle. "Der halbe Wasserpark wurde zerstört, man hat extra neue Wege aufgeschottert, es ist eine riesige Baustelle und am Ende wird auch noch die Wasserfläche und das Volumen des Wasserparks verringert", kritisiert Illsinger das Vorhaben. Die Artenvielfalt in dem Bereich habe bereits stark gelitten. "Bisher konnte man hier bis zu 30 verschiedene Wildvogelarten beobachten, seit Baubeginn hat sich das auf drei bis vier hartgesottene verringert", so der Naturfotograf. Er vermutet, dass sich die scheuen Arten vom anhaltenden Lärm und von der Wasserbewegung durch die Aufschüttung gestört fühlen.

Für die verantwortliche MA 45 ist das übertrieben, die Vögel hätten sich schließlich zuvor freiwillig zwischen Autobahn, U-Bahn und Schnellbahn angesiedelt. Vom neuen Bodenfilter würden, im Gegenteil, "Tiere, Pflanzen und Menschen profitieren". Zum einen werde die Wasserqualität der Alten Donau gesichert bzw. die des Wasserparks erhöht, zum anderen werde sogar neuer Lebensraum geschaffen. "Durch den Bodenfilter selbst entsteht eine weitere Struktur im Becken. Das ist aus ökologischer Sicht eine absolute Bereicherung. Es werden damit neue zusätzliche Habitate geschaffen (z.B. Amphibienlaichplätze)", heisst es von der MA 45.

Natur statt Architektur

Für Harald Illsinger, der im Übrigen gelernter Landschaftsgärtner ist, wäre eine kostengünstigere, einfachere Lösung die bessere gewesen. "Mit einer verstärkten Uferbegrünung hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können – mehr Platz für Futtersuche und Nester bei gleichzeitiger Erhöhung der Selbstreinigungskraft der Alten Donau. Noch dazu hätte man damit verhindern können, dass sie durch den reflektierenden Beton im Uferbereich im Sommer so massiv aufgeheizt wird, was zu einem allgemein besseren Klima beigetragen hätte."

Es bleibt zu hoffen, dass die zukünftigen Besucher der Promenade im Wasserpark schonend mit dem Privileg umgehen, mitten in der Stadt mitten in der Natur sein zu dürfen.

Zur Sache:
Von März bis Juni 2016 wird im Wasserpark Alte Donau, hinter der Oberen Alten Donau, ein biologischer Bodenfilter aus einer mit Biofilm bewachsenen Gesteinsschicht gebaut. Dieser soll dafür sorgen, dass frisches Wasser aus der Neuen Donau über den Wasserpark in die Alte Donau eingeleitet werden kann. Neben dem Entzug schädlicher Nährstoffe wird das Wasser gleichzeitig mit Kalzium angereichert, was pH-Wert-Schwankungen entgegenwirken soll. Außerdem ist für Besucher und Besucherinnen eine Promenade mit Sitzgelegenheiten vorgesehen.
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Gerhard Männl aus Penzing | 30.03.2016 | 11:05   Melden
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