23.03.2016, 00:00 Uhr

Wir freuen uns schon auf die Joch-Alm

Alm-Wirtin Helga Gassmayer und Sohn Patrick verbringen den ganzen Sommer auf der Reisacher Joch-Alm

Helga Gassmayer ist ab kommenden Sommer „Wirtin“ auf der Joch-Alm am Fuße des Reisskofels.

REISACH (jost). „Wenn ich von unserem Hof in Gundersheim aus nach Norden schaue, fällt der Blick automatisch und erfreulich auf das dominant mächtige Reisskofel-Massiv. Er ist unser Hausberg.“ So beschreibt die 46-jährige Bäuerin Helga Gassmayer vlg. Primas ihr Naheverhältnis zur Joch-Alm, die als Sonnenplateau zu Füssen dieses markanten, sagenumwobenen höchsten Berges der Gailtaler Alpen liegt.

Erfahrung hilft


„Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht; die Arbeit mit den Tieren und die Milchverarbeitung machen täglich große Freude“ beschreibt die Almwirtin ihre Herzens-Bindung zu ihrer alljährlichen Sommer-Arbeit.
Bereits sechs mal hat die engagierte und naturverbundene Landwirtin in den letzten Sommern ihre Erfahrungen als Sennerin und Almbewirtschafterin auf der Gundersheimer und Waidegger Alm in den naheliegenden Karnischen Alpen verbracht. Auf ihrer Gundersheimer Heimat-Alm waren etwa 10 Milchkühe und 50 Stk.Jungvieh zu betreuen, auf der Waidegger Alm dann schon 23 Melkkühe und ca 80 Jungtiere. „Heuer auf der Joch-Alm werden es voraussichtlich 36 Milchkühe sein, dazu noch 140 Stk.Jungvieh, 12 Pferde und 130 Schafe“, weiß die gut informierte Alm-Wirtin und freut sich auf diese Herausforderung.
Eine Besonderheit auf der Joch-Alm ist die Tatsache, dass es die einzige von insgesamt 13 Gailtaler Almen mit Käseproduktion (Gailtaler Almkäse) ist, die sonnseitig in den Gailtaler Alpen liegt. Alle anderen Almen liegen in den Karnischen Alpen, entlang der Staatsgrenze zu Italien.

Team-Arbeit

Angesprochen auf den Tagesablauf erklärt Helga: „Alleine ginge das nicht. Mein Sohn Patrick (21), der schon auf der Joch-Alm praktiziert hat, hilft mir den ganzen Sommer lang bei der Bewältigung der vielfältigen täglichen Aufgaben rund um’s Melkvieh. Ausserdem wird mir Günther Furtner aus St.Daniel für die Betreuung des Jungviehes zur Verfügung stehen. Und als Besonderheit hat sich diesmal eine junge deutsche Archäologin namens Svenja bereiterklärt, das Gailtaler Almleben mal „live“ kennenzulernen. Schlussendlich verbringen auch mein Mann Ferdinand und mein jüngster Sohn Michael (18) ihre Wochenenden bei mir auf der Alm, um mitzuhelfen, wo immer es notwendig ist. Also Langeweile gibt es sicher keine.“
Als Kriterien zur Almwirtschaft erfahren wir von der erfahrenen Sennerin noch, dass jede Alm andere Voraussetzungen für den Alltag hat. „Es macht schon grosse Unterschiede, ob die Alm gekoppelt ist oder nicht, ob im Gelände genügend Wasserstellen vorhanden sind, wie es mit der Stromversorgung ausschaut, ob es im Stall ausreichend Warmwasser gibt oder ob es Handy-Empfang gibt, was für die Jugend sehr wichtig ist...“

Käseproduktion

Die erfahrene Mutter dreier Söhne und heurige Jochalm-Wirtin hat bereits vor zwölf Jahren den „Großen Käsekurs“ absolviert und in der Folge am eigenen Hof gekäst, wie schon ihre Mutter viele Jahre zuvor. Dieses Können war auch Voraussetzung für das jahrelange erfolgreiche Führen von Almwirtschaften, das heuer auf der Joch-Alm verstärkt und intensiv fortgesetzt wird.
„Neben dem üblichen Almkäse produzieren wir auch Almbutter und den beliebten Schotten. Genauso darf Buttermilch bei unserer Gäste-Bewirtung nicht fehlen.“
Natur-Erlebnis „Alm“
Helga Gassmayer schwärmt gesprächsweise auch über ihre Eindrücke und Empfindungen, die sie neben der alltäglich Arbeit ganz intensiv empfindet: „Wir haben viel Arbeit, aber sicher keinen Stress. Die Almzeit schweisst uns jedes Jahr neu und intensiv zusammen. Wir genießen die Erfahrung, auch mit nur wenigen Dingen gut auszukomen. Es ist schön, wieder bescheidener zu werden. Das geht natürlich nur, wenn alle verständnisvoll zusammenhelfen. Die Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge in der Ruhe und Stille der Alm-Abgeschiedenheit sind wunderbare, unbeschreibliche Erlebnisse, die täglich neue Kraft geben.“

Zahlen und Fakten

Klaus Rieder, Reisach 27, Obmann der Agrargemeinschaft Reisach-Forst, damit auch gleichzeitig (seit fünf Jahren) Alm-Obmann der Joch-Alm:
Lage auf durchschnittlich 1.550 m Seehöhe, südlich des 2.371 m hohen Reisskofels. Weidefläche ca 144 Hektar. Ausschliesslich Tiere von Reisacher Bauern. 36 Milchkühe und ca 140 Stk.Jungvieh (Goltach), weiters ca 12 Pferde und etwa 130 Schafe. Durchschnittlich 40.000 Liter Alm-Milch werden jeden Sommer produziert. Bewirtschaftet wird die Alm – je nach Witterung – von Ende Mai bis Ende September. Almkirchtag jeweils am 15.August.
Erreichbarkeit ab Reisach oder ab Grafendorf über eine gut ausgebaute Schotterstraße, die auch von Mountainbikern gerne befahren wird.
Ausgedehnte Wandermöglichkeiten auf der Alm – Ausgangsbpunkt für Bergtouren auf den 2.371 m hohen Reisskofel. Beliebter Aussichtspunkt auf die Karnischen Alpen.
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