07.04.2016, 22:41 Uhr

Milch - Manifest: Bürgerpetition

Die "Faironikas" machen auf die Situation der Bauern aufmerksam. (Foto: IG-Milch)
BAD Kreuzen, 7. April 2016

Das Milch – Manifest kann hier unter avaaz.org/Bürgerpetitionen unterstützt werden. Wir freuen uns über jede Unterschrift. Um die Petition in Bezug auf die Argumentation beurteilen zu können, hier auch der Link zum Milch – Manifest.

Die Inhalte des Manifestes wurden von der IG-Milch, der Österreichischen Bergbauernvereinigung (ÖBV) und den Grünen Bäuerinnen und Bauern gemeinsam vorgestellt. Die 10 Punkte sind es wert, ausreichend diskutiert zu werden. Zudem wünschen sich viele verantwortungsbewusste Bäuerinnen und Bauern, eine breitere Unterstützung für das Manifest (z.B. Bürgerpetition). Weitere Überlegungen dazu werden in nächster Zeit diskutiert und vorgestellt (Veranstaltungen, Unterschriftenliste, etc.).

Es gibt verschiedene Ebenen, die man differenzieren muss, um danach wieder zu einem Gesamtbild zu kommen. Dieses immer wieder von der „Vielfalt in die Einheit“ zu gehen, ist auch hier für viele Menschen widersprüchlich. Man entkommt dem in vielen Lebensbereichen leider nicht. Der Mensch ist nun einmal das reflektierende Wesen, welches sein Bewusstsein nicht abstellen kann und in seinem Innen individuell und gleichzeitig nach außen gemeinschaftlich geprägt ist. Der Naturbezug, der für uns Bauern in Bezug auf das Ganze zentral sein sollte, geht dabei oft verloren.

Kleine, extensiv wirtschaftende Betriebe verlieren in der Krise den Boden unter den Füssen. Es geht daher einmal um Fairness für diese Menschen und vor allem die wunderbaren Produkte, die sie erzeugen. Die Unterscheidung von Betriebsarten und Produktqualitäten muss daher ein Schwerpunkt der Diskussion sein. Die Differenzierung der Betriebsgröße reicht dazu nicht aus.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zuteilung von Förderungen, die nicht dazu dienen darf, die Kapazitäten sondern die Qualität (z.B. Umstellung auf Bio) zu steigern bzw. die Menge zu reduzieren (z.B. Prämie für Mutterkuhhaltung). Dazu gehört auch, dass dem Wettbewerb, wessen Kuh die meiste Milch gibt, ein Ende gesetzt wird. Die Umsetzung einer bewusst einfachen Form der Haltung mit weniger Ertrag, ohne dem Zukauf von Kraftfutter und mit viel Grünfutter ist intensiv zu analysieren.

Die Exportorientierung ist ebenso kritisch zu hinterfragen, weil unsere einheimische Wirtschaft dadurch auf den Fixkosten der Überschussproduktion sitzen bleibt, aber auch weil z.B. indische Kleinbauern dadurch ihre lokalen Märkte und ihre wirtschaftliche Existenz verlieren. Sinnvoll können Exporte dort sein, wo es um hochwertige Qualitätsprodukte geht und wo sich dadurch neue Nischenmärkte für die österreichische Milchwirtschaft ergeben.Vielleicht ist dafür auch Produktentwicklung notwendig, was spannende Forschungsfelder in den Fokus stellt. Der Diskurs braucht hier eine breitere argumentative Grundlage und keine Beschränkungen, wie wir sie heute erleben.

Ein fairer vollkostendeckender Preis sollte selbstverständlich sein, wobei die Abstufung für verschiedene Produktqualitäten sinnvoll wäre. Viele Menschen vertragen Milch aus industrieller Produktion schlecht, sodass die Milch aus kleinstrukturierten, nachhaltigen Betrieben als eigene Marke ausgezeichnet werden sollte. Viele veredelte Produkte (z.B. Sauermilchprodukte) werden ebenfalls besser vertragen und angenommen. 

Märkte versagen heutzutage fast schon sprichwörtlich, sodass gesetzliche Regelungen in Bezug auf die Menge notwendig sind. Die Ausbildung ist ein weiterer zentraler Bereich für die Zukunft der Branche, der dem Einfluss politischer Lobbyisten entzogen werden muss. Das gilt ganz generell für den ganzen Bereich der Bildung. Die Eigenverantwortung, soweit es möglich ist, führt zudem zum Abbau der Bürokratie in der Landwirtschaft.

Der Diskurs und der Wille zur Argumentation ist eine gute Basis für die Problemlösung. Dieser Prozess kann in stimmiger Art und Weise Milchdialog heißen. Egal, was der Milchdialog bringt, sollte den Bäuerinnen und Bauern klar sein, dass sie ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und dass sie nicht mehr aufhören werden eigenständig zu denken. Diesem Bewusstsein wird die Änderung der Strukturen folgen, sodass eine große Chance besteht, die aktuelle Krise zu meistern.
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