07.06.2016, 17:58 Uhr

Open-Air in Purkersdorf: Kim Wilde rockt im Wienerwald.

Es war eine Zeit des Umbruchs, der Desorientierung und der (gespielten) Oberflächlichkeit. Anfang der 80er, als man gegen Atomkraftwerke, Weltkriege und Umweltzerstörungen demonstrierte, die unterdrückte schwarze Bevölkerung den Hip Hop als Kunstform entdeckte oder in England man Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und Depressionen durch perfektes New Romantic-Styling, coole Club-Kultur und Nightlife-Spaß verdrängte. In dieser Zeit eroberte auch eine freche Londoner Göre die Charts und spielte sich in die Herzen der Teenager: Kim Wilde, ältestes Kind des Rock´n Roll Sängers Marty Wilde, komponiert wurde ihr erster Superhit „Kids in America“ von ihrem Bruder Ricky Wilde.

Und siehe da: Beim diesjährigen Purkersdorfer Open-Air, wieder organisiert vom „Nikodemus“-Chef Niki Neunteufel, waren beide Geschwister live auf der Bühne. Mit einer top-eingespielten Band, die vor mehreren tausenden Besuchern auf dem Hauptplatz die 80er und 90er zurück in die Herzen der Besucher brachte.

Kim Wilde, wie einst in schwarzer Lederjacke gehüllt, startete den Hit-Reigen mit ihrer zweiten Single, dem Synthi-Track „Chequered Love“, den sie später auch in einer Unplugged-Version den begeisterten Zuschauern servierte. Es folgten – neben einigen neuen Rock-Songs – die Classics „View from a Bridge“ und „Cambodia“, die vor allem in Deutschland für Rekordverkäufe sorgten, wo Kim Wilde gleich 4 Bravo-Ottos als „beste Sängerin“ – 2 in Gold, 2 in Silber - überreicht bekam. Damals der „Oscar“ der Pop-Musik in Kontinentaleuropa. Dort sorgte sie im Jahre 2003 auch für einen Überraschungshit im Duett, gemeinsam mit Pop-Legende Nena und einem englischen Cover von „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, das natürlich auch auf der Set-List des Konzerts stand. Ebenso wie das New-Wavige „The Second Time“, das housige Bee Gees-Cover „If I can´t have you“ und die 88er-Mega-Hits „You came“ und „Never trust a Stranger“.

Im Mittelteil der Show beherrschten auch einige genial konzipierte 80er-Cover-Songs das Programm von Kim Wilde. Allerdings nicht, weil Kim keine eigenen Songs im Repertoire hätte. Im Gegenteil: Kim Wilde hat 12 Alben veröffentlicht, und viele Songs wie beispielsweise „Love Blonde“, „Four Letter Word“ oder „Another Step“, allesamt Top Ten-Hits, standen gar nicht auf der Open-Air-Playlist. Die Covers waren vielmehr Exzerpte aus ihrem 2011er-Album „Snapshots“, auf dem Kim Wilde u.a. „Wonderful Life“ (des kürzlich tödlich verunglückten Sängers Black), Duran Duran´s „Ordinary World“, Erasure´s „A little Respect“ und Maggie Reillys Oldfield-Hymne „To France“ neu arrangierte.

Die Zugaben allerdings gehörten – neben dem Talk Talk- und Gwen Stefani-Klassiker „It´s my Life“ – den absoluten Superhits von Kim Wilde: „You keep me hangin on“, der Supremes-Klassiker, der Nr. 1 in Amerika eroberte, und als Final Countdown das lautstark mitgesungene „Kids in America“, das nach 35 Jahren noch klingt wie neu. Das gilt auch für Kim Wilde. Die ausgebildete Landschaftsgärtnerin hat sich nach einem leichten Karriereknick – neben der Gründung einer Familie - mit professioneller Gartenarbeit beschäftigt und nicht mit anderen „gefährlichen Kräutern“ (wie einer unserer Musik-Heroen). Und erlebt bei derartigen Retro-Konzerten ihren zweiten Frühling. Chapeau !

www.oliverplischek.at
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