Orgelkonzert von Thomas Pehlken: Die Norddeutsche Schule

THOMAS PEHLKEN spielt auf der Orgel der Währinger Pfarrkirche St. Gertrud in Wien

Orgelwerke der Norddeutschen Schule von 

Franz Tunder
Vincent Lübeck
Dietrich Buxtehude
Nicolaus Bruhns
Georg Böhm 

& Johann Sebastian Bach: Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564

Der Eintritt ist frei, Spende erbeten.

Die Orgel ist ein bemerkenswertes Instrument der Vorarlberger Orgelbaumanufaktur Rieger Orgelbau aus Schwarzach. Sie wurde im Jahr 1988 fertiggestellt und verfügt über 26 klingende Register.

Thomas Pehlken
ist ein deutscher Komponist, Kirchenmusiker und Organist, der im Jahr 1970 in Oldenburg geboren wurde und im niederrheinischen Kempen aufwuchs. Nach seiner umfassenden instrumentalen Grundausbildung absolvierte er sein Kirchenmusikstudium mit dem A-Examen an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und vertiefte seine Fähigkeiten in der Kompositionsklasse von Krzysztof Meyer. Ein prägendes Studienjahr verbrachte er an der Musikakademie Krakau bei Marek Stachowski, wo er sich intensiv mit den Strömungen der Polnischen Schule auseinandersetzte.

Seit dem Jahr 2005 prägt er die Musiklandschaft im Rheinland in seiner Funktion als Kreiskantor des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord. Neben seiner dortigen Kantorentätigkeit rief er im Jahr 2006 die Kreiskantorei Köln-Nord ins Leben und engagiert sich stark in der kirchenmusikalischen C-Ausbildung.

Sein künstlerisches Schaffen umfasst eine rege internationale Konzerttätigkeit als Organist, die ihn unter anderem nach Frankreich, Polen, Japan und in die USA führte, sowie die Arbeit mit Chören aller Generationen.

Als Komponist ist er für ein breit gefächertes Œuvre bekannt, das im Carus-Verlag und im Strube-Verlag veröffentlicht wird. Zu seinen Kompositionen gehören Beiträge zu verschiedenen Chorbüchern für dreistimmige Chöre, Frauen- und Kinderchöre sowie Instrumentalwerke wie die Burleske für Klavier und Orchester, mehrere Klavierquintette, Sonatinen für Violine beziehungsweise Oboe und Klavier sowie die Kantate So wie ein Baum. Für die Orgel schuf er unter anderem das Triptychon cisterciensis und die Fünf Miniaturen für Max.

Als Organist lernte er bei den Großen seiner Zunft: bei Daniel Roth und Olivier Latry (Paris), Lorenzo Ghielmi (Mailand), Hans Haselböck (Wien) und Harald Vogel (Bremen).

Die Norddeutsche Orgelschule – oft auch als Hanseatischer Orgelbarock bezeichnet – bildet eine der glanzvollsten und einflussreichsten Epochen der europäischen Kirchenmusik. Sie entwickelte sich im 17. Jahrhundert im protestantischen Norddeutschland, erlebte ihre Blütezeit bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts und fand ihre Zentren in den wohlhabenden Hansestädten wie Hamburg, Lübeck, Lüneburg, Bremen und Danzig. Diese musikalische Bewegung war untrennbar mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Region und dem Wunsch des Bürgertums verbunden, den Reichtum und die spirituelle Identität ihrer Städte durch repräsentative, monumentale Orgeln und hochkarätige Musiker zum Ausdruck zu bringen.

Als geistiger Gründervater dieser Schule gilt der niederländische Organist und Pädagoge Jan Pieterszoon Sweelinck. Obwohl er selbst in Amsterdam wirkte, zog er zahlreiche Schüler aus dem norddeutschen Raum an, die seine fortschrittlichen Techniken der Variation und des Kontrapunkts in ihre Heimat trugen. Dort verschmolzen diese Einflüsse mit italienischen Stilelementen zur einzigartigen Ästhetik des Stylus Phantasticus. Dieser Stil zeichnet sich durch ein hochemotionales, improvisatorisches Element aus, bei dem sich freie, virtuose Passagen, dramatische Läufe und überraschende harmonische Wendungen unvermittelt mit streng durchkomponierten, polyphonen Fugen abwechseln. Ein weiteres musikalisches Kernmerkmal ist das hochausgebildete, vollkommen eigenständige Pedalspiel, das weit über die bloße Fundamentfunktion des Basses hinausging und den Organisten höchste technische Virtuosität abverlangte.

Diese kompositorische Freiheit ging Hand in Hand mit einer beispiellosen Blüte des Orgelbaus, die maßgeblich durch Meister wie die Familie Scherer und später vor allem durch Arp Schnitger geprägt wurde. Schnitger und seine Zeitgenossen schufen monumentale Instrumente nach dem sogenannten Werkprinzip. Dabei wurden die verschiedenen Teilwerke der Orgel optisch und klanglich streng voneinander getrennt in das Gehäuse gebaut. Dies erlaubte es den Komponisten, durch den schnellen Wechsel zwischen den Manualen faszinierende Echoeffekte, starke Dynamikkontraste und einen enormen Farbreichtum zu erzeugen.

Die Epoche brachte eine Reihe herausragender Musikerpersönlichkeiten hervor. Nach den Pionieren der ersten Generation wie Heinrich Scheidemann und Franz Tunder erreichte die norddeutsche Orgelschule ihren absoluten künstlerischen Höhepunkt im Schaffen von Dietrich Buxtehude, dem langjährigen Organisten an St. Marien in Lübeck. Seine visionären Werke strahlten so weit aus, dass selbst der junge Johann Sebastian Bach im Jahr 1705 eine monatelange Fußreise auf sich nahm, um Buxtehudes Spiel und seine berühmten Abendmusiken zu erleben. Neben Buxtehude setzten auch Meister wie Nicolaus Bruhns und Vincent Lübeck Maßstäbe in Sachen Dramatik und Expressivität.

Mit dem Aufkommen des empfindsamen Stils und der Aufklärung in der Mitte des 18. Jahrhunderts verlor die Schule zwar allmählich an Aktualität, ihr kompositorisches Erbe und die erhaltenen historischen Barockorgeln faszinieren und prägen die Musikwelt jedoch bis heute.

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