21.09.2016, 15:35 Uhr

Walter Reicher: „Es war nicht sehr emotional“

Haydnfestival-intendant Walter Reicher setzte bei der Planung des 29. Haydnfestivals auf Kontinuität: „Alle wissen, wir haben keine Hirngespinste. Wenn wir etwas sagen, setzen wir es um.“

Der Intendant der Haydntage vom Abschied aus dem Haydnsaal bis zu seinem persönlichen Musikgeschmack

Wie sieht Ihre Bilanz der 28. Haydntage aus?
WALTER REICHER: Es war wunderschön! Das Publikum war zufrieden, die Künstler in Höchstform. Das alles bei einer Auslastung von 93 Prozent. Da braucht man nicht jammern, das müssen andere erst zusammenbringen.

Wie war der Abschied aus dem Haydnsaal?
Ich weiß es schon lange, deswegen nicht sehr emotional. Ich musste die Gäste trösten. Es wird nächstes Jahr an anderen Orten schöne Konzerte geben. Wenn es das im Schloss nicht mehr gibt, können wir das auch nicht ändern. Ich lebe jedenfalls nicht in der Vergangenheit – das hat auch Haydn nicht.

Was erwartet die Besucher nächstes Jahr?
Haydn komponierte die meiste Zeit seines langen Lebens im Umkreis von 50 Kilometern um den See – wir öffnen nun die Tür zum Haydnland. Seien es nun die Orignalschauplätze Schloss Eszterháza oder Halbturn, sein Geburtsort Rohrau oder Frauenkichen, wo er zur Andacht ging und die Pferde in Richtung Pressburg wechselte.

Wann wurde die Idee der HaydnLandTage geboren?
Die Idee gibt es schon sehr lange. Schlussendlich losgegangen ist es im Mai. Wir haben drei Monate hart gearbeitet.

Gab es Probleme aufgrund der Kurzfristigkeit?
Das funktioniert nur, weil wir überall, wo ich angeklopft habe, sofort willkommen waren. Alle Spielstätten freuen sich auf uns, nur der Herr Ottrubay nicht, aber was soll man machen.

Gab es Probleme beim Künstler-Engagement?
Die Zeit war sehr knapp, Piotr Beczala, aber auch andere Künstler haben sich extra Zeit genommen. Wir haben uns über die Jahre Vertrauen erarbeitet, das hat uns geholfen.

Fürchten Sie Konkurrenz aus dem Schloss?
Mir ist es total egal was im Schloss passiert. Das interessiert mich garnicht. Wir machen unsere Sache, ich will keine negativen Schwingungen an mich heranlassen.

Woher stammt Ihre Leidenschaft für Haydn?
Ich denke, bei jedem, der sich mit Haydn beschäftigen kann, wird diese Leidenschaft entfacht. Vor kurzem hatte ich ein langes Gespräch mit Ronald Brautigam über Haydn, das mit folgendem Satz des Künstlers endete: es macht nich nur glücklich, Haydn zu hören, es macht auch glücklich, über ihn zu sprechen.

Welche Musik hört Walter Reicher abseits von Haydn?
Zum Geburtstag habe ich mich selbst beschenkt – mit Bob Dylans „The Complete Album Collection Vol. One“. Das sind insgesamt 47 Alben, derzeit bin ich bei Nummer 15 (Planet waves). Ich bin Enzyklopädist, ok – aber es ist nicht nur Dylan, es sind viele andere auch.
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