21.06.2016, 13:32 Uhr

Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer im Kreuzverhör: "Man muss beim Pickerl einfach mitziehen, ob man will oder nicht."

Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer im Gespräch mit Redakteurin Anja Gaugl und Chefin vom Dienst Andrea Hörtenhuber (v.r.). (Foto: Spitzauer)

Die Hernalser Bezirkschefin (SPÖ) über Leerstände, leistbares Wohnen und das Parkpickerl.

Imposant: Dieses Wort fällt einem wohl am ehesten ein, wenn man Ilse Pfeffers Büro am Elterleinplatz betritt. Wandhohe Kästen aus dunklem Holz, ein riesiger Besprechungstisch in derselben Farbe. Selbst die Pflanzen sind größer als die Bezirksvorsteherin selbst und gleichen einem kleinen Zimmerdschungel.

Bemerkenswert: Pfeffer selbst wartet nicht etwa hinter ihrem nicht minder imposanten Schreibtisch auf das Interview, sondern empfängt ihre Gäste herzlich direkt an der Tür – übrigens eine übergroße Doppelflügeltür. Immerhin.

Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurde die Online-Datenbank „Wirtschaftsplattform Hernals“ gegründet. Ihr Resümee nach einem Jahr?
ILSE PFEFFER: Wir haben derzeit 65 Unternehmer, die eingetragen sind. Was aber kaum eingetragen wird, sind die Leerstände im Bezirk. Das lässt mir keine Ruhe.

Was unternimmt man im Bezirk dagegen?
Ich habe begonnen, alle leeren Bestandsobjekte zu eruieren – von der Hernalser Hauptstraße bis runter zum Gürtel. Die Kalvarienberggasse bis zum Nepomuk-Vogl-Platz und ein Teil der Jörgerstraße sind ebenfalls dabei.

Die ersten Ergebnisse dabei?
Etwa ein Drittel wird als Lager benutzt oder überhaupt nicht mehr vermietet. Wir haben auch die Hausverwaltungen und Liegenschaftseigentümer erhoben. Die Schwierigkeit dabei ist, dass man diese meist nur schwer anhalten kann, sich um die leer stehenden Lokale zu kümmern. Wir hätten aber zum Beispiel Angebote vom Ekazent, die ein paar Auslagen mieten und pflegen würden.

Sind Sie für eine Leerstandsabgabe?
Ich wäre schon dafür. Sonst kommt man gegen das Problem nur schwer an. Beziehungsweise: Wenn es sich um ein Lager handelt, dann hat man das zu melden.

Ilse Pfeffer über die geplante Sanierung des Sportclub-Platzes:


Wie geht es weiter?
Wir setzen verstärkt auf die Kommunikation mit den Eigentümern, aber auch mit den Einkaufsstraßen. Und wir arbeiten mit dem Netzwerk „departure“ der Wirtschaftsagentur zusammen, das auf kleine Geschäfte und Pop-up-Stores setzt.

Alternative Nutzungen oder Zwischennutzungen sind also gewünscht?
Ja. Besonders die kleinen Geschäftslokale sind heutzutage kaum mehr weiterzuvermieten. Und dort ist es sicher nicht uninteressant, wenn man ein bisschen eine alternative Szenerie hineinbringt. Wichtig ist, dass die Eigentümer einmal den Hinweis auf Förderungen bekommen.

Die SPÖ Hernals hat bei der Wien-Wahl den ersten Platz erreicht, aber auch 3,26 Prozent verloren. Wie will man weiteren Verlusten entgegenwirken?
Man muss sich einmal grundlegend fragen: Was ist die Ursache für die Unzufriedenheit? Es wäre zu einfach, zu sagen: „Als Bezirk haben wir uns eh aufrecht gehalten.“ Man muss auf die Leute zugehen und ihnen klarmachen, was tatsächlich machbar ist und was nicht. Man muss ihnen reinen Wein einschenken. Vor allem, weil der Bezirk weiter wächst. Darauf muss man Rücksicht nehmen. Etwa die Schulen müssen ausgebaut werden.

Wie sieht das konkret aus?
Dort, wo Häuser frei werden, muss man einfach die Hand darauf halten. Das kostet zwar eine Menge Geld, aber wir können uns davor nicht verschließen. Also: Umbau statt Neubau ist die Devise.

Was muss noch passieren?
Wir müssen uns um Freiflächen kümmern. Wir haben zwar Parks, diese werden aber auf Dauer zu wenig sein. Das heißt wir müssen uns zusätzlich mehr um Indoor-Spielplätze umschauen.

Seit 2010 sind die Mietpreise im Bezirk um zwölf Prozent gestiegen. Wie geht man im Bezirk mit dieser Herausforderung um?
Da sind sich alle Parteien einig: Wenn wir Baulücken haben oder wenn es neue Flächenwidmungen gibt, muss dort ein sozialer Wohnbau hinkommen.

Gibt es dafür aktuelle Beispiele?
Etwa entlang der Alszeile. Dort entstehen bei einem ehemaligen Heurigen rund 40 neue Wohnungen. Wir legen aber sehr viel Wert darauf, dass es zumindest gemischte Wohnflächen sind. Das heißt die Hälfte muss gefördert sein. Und für uns ist auch wichtig, dass die Verbauungsdichte nicht zu sehr zunimmt.

Der 18. Bezirk führt ab Herbst das Parkpickerl ein. In Hernals wird die Pickerl-Zone ebenfalls erweitert. Ein nötiger Schritt?
Man muss beim Pickerl einfach mitziehen, ob man will oder nicht. Wir haben Bürgerwünsche bei der Info-Veranstaltung am Schafberg und auch danach gesammelt. Jetzt werden wir uns so bald wie möglich zusammensetzen, um die Details zu klären. Aber nachjustieren muss man bei der Zone.

In Sachen öffentlicher Verkehr steht die Linie 43 am häufigsten in der Kritik. Gibt es eine Möglichkeit, den 43er zu optimieren?
Der Vorschlag, zusätzliche Busse einzuschieben, wird wohl sehr schwierig umzusetzen sein. Wenn ich jetzt schon ohnehin ein Intervall von zweieinhalb Minuten habe, kann ich dazwischen keinen Bus mehr losschicken. Da werden sich die Wiener Linien etwas überlegen müssen.

Interview: Anja Gaugl und Andrea Hörtenhuber

Zur Person:

Ilse Pfeffer (61) hat Psychologie und Pädagogik studiert. Seit 1984 ist sie politisch bei der SPÖ Hernals tätig. 2002 wurde sie Bezirksvorsteherin.

Hintergrund:

Alle 23 Bezirksvorsteher im ausführlichen Interview finden Sie in den kommenden Wochen online auf www.meinbezirk.at/bz-interview
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