13.07.2016, 11:48 Uhr

Botanischer Garten: Bundesgärten und Bezirk gegen Zoo

Der Tiergarten Schönbrunn (rot) würde sein Areal gerne um die Fläche des Botanischen Gartens (gelb) erweitern. (Foto: Plan: APA, Grafik: Zopf-Vieh)

Der Direktor der Bundesgärten und die Politik sind gegen eine Erweiterung des Tiergartens Schönbrunn.

HIETZING. Lang ist Gottfried Kellner noch nicht für diese Sache zuständig, eine Meinung dazu hat er aber schon: Der Botanische Garten soll nicht, wie vom Tiergarten Schönbrunn gewünscht, in den Zoo integriert werden: "Ich kann nur dagegen sein, dass dieses kulturhistorisch wertvolle Areal nicht mehr öffentlich zugänglich sein soll", sagt er.

Gottfried Kellner war bisher Direktor der Gartenbauschule Schönbrunn. Seit Anfang Juli ist er nach einer Umstrukturierung auch noch der Direktor der Bundesgärten und als solcher für die Pflege des Botanischen Gartens verantwortlich. Dass der Tiergarten diesen seiner Meinung nach nicht übernehmen soll, will er Zoodirektorin Dagmar Schratter gleich kommende Woche bei einem Antrittsbesuch persönlich sagen.

Damit spricht Kellner vielen Hietzingern, aber auch den Bezirkspolitikern aus der Seele. Diese haben einstimmig eine Resolution verabschiedet, die sich gegen die Expansionspläne des Tiergartens ausspricht. Der Botanische Garten soll "weiterhin als Naherholungsraum abseits des Schönbrunner Touristentrubels mit Freunden und Familie genutzt werden", betont Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP) zu dem Beschluss.

Unterschriftenaktion läuft

Und auch der Widerstand in der Bevölkerung wächst: Eine parlamentarische Bürgerinitia-tive gegen die Sperre des Gartens läuft bereits. 250 von 500 nötigen Unterschriften wurden schon gesammelt. Ist das passiert, wird das Anliegen in einem Parlamentsausschuss behandelt. Gemeinderat Bernhard Dworak (ÖVP) unterstützt diese Initiative. Ihn stört, dass mit dem Garten auch der Zugang von der Maxingstraße gesperrt würde. "Warum gerade diese Fläche auf Biegen und Brechen dem Tiergarten zugeschlagen werden muss, verstehe ich nicht", sagt er. Eine Erweiterung könne etwa im Süden beim Tirolerhof erfolgen.

Die Idee, die Platzprobleme des Tiergartens mit der Fläche des Botanischen Gartens zu lösen, soll Dworak übrigens ein prominenter Parteikollege eingebrockt haben: Angeblich soll sie vom ehemaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, heute Aufsichtsratsvorsitzender des Tiergartens, stammen. Wie berichtet, klagt der Tiergarten Schönbrunn beständig über Platzprobleme. Eine Ausdehnung auf den Botanischen Garten könne man sich gut vorstellen, sagt Vizedirektor Gerhard Kasbauer. Man könne dort etwa Vögel unterbringen. Eintritt müsse man für den Bereich auf jeden Fall verlangen.

Zur Sache:

Hellia Mader-Schwab hat die Bürgerinitiative gegründet. Mehr Infos gibt es auf Facebook: fb.com/botanischergartenfrei
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