11.04.2016, 14:18 Uhr

Tierschützer Martin Balluch antwortet auf Kritik an Verhütung im Lainzer Tiergarten

Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken verteidigt die Verhütungsmethode mittels Eiweißpräparaten. (Foto: VGT)

Ab 2017 sollen Damwild und Mufflons mit einer Eiweißinjektion unfruchtbar gemacht werden.

HIETZING. Die Stadt Wien hat gemeinsam mit dem Verein gegen Tierfabriken ein neues Projekt in Planung: Zur Kontrolle des Bestands von Damwild und Mufflon sollen im Lainzer Tiergarten nicht mehr Abschüsse, sondern Verhütung eingesetzt werden. Die Verhütung funktioniert mit Eiweißinjektionen, die den weiblichen Tieren mit einem Luftdruckgewehr verabreicht werden.

Im Gespräch mit dem ORF hat der Biologe Klaus Hackländer Bedenken gegenüber der neuen Methode geäußert: Die weiblichen Tiere wären dann zwar paarungsreif und würden vielleicht auch gedeckt, aber nicht trächtig - das könne zu Stress führen. Er kritisiert auch, dass der Verein gegen Tierfabriken (VGT), wie er es sieht eine "radikale Randgruppe", in die Entscheidung eingebunden ist.

VGT-Obmann Martin Balluch spricht sich seit Jahren gegen Gatterjagd - also Jagd im umzäunten Gebiet - aus und hat auch die Abschüsse im Lainzer Tiergarten lang kritisiert. Gemeinsam mit dem Forstamt der Stadt Wien wurden im Herbst des Vorjahres eine Reihe an Maßnahmen beschlossen, damit künftig im Tiergarten nur noch Wildschweine und Rehe gejagt werden. Neben der Verhütung ist auch eine Reduktion der Fütterung vorgesehen.

Ratgeber aus aller Welt

Dass die Eiweißinjektionen nicht artgerecht seien, glaubt Balluch nicht: "Die Alternative ist erschießen." Er betont die wissenschaftliche Begleitung des Projekts: "Im Sommer laden wir zu einer Konferenz Vertreter aus Regionen ein, die damit schon Erfahrung haben. In Europa ist das im rumänischen Donaudelta, außerdem im Krüger Nationalpark in Südafrika und in Montana, USA. Wir wollen uns mit den Experten austauschen und dann die Rahmenbedingungen besprechen." Unklar ist etwa noch, wie viel Prozent der Weibchen eine Injektion bekommen müssen, um den Bestand zu kontrollieren. Ab Sommer 2017 ist dann die Umsetzung geplant.

Balluch wirft Hackländer vor, mit seiner Sicht die Landesjagdverbände zu unterstützen. "Als neutraler Wissenschafter müsste man dafür sein, dass das Projekt durchgeführt wird, in kontrolliertem Rahmen. Danach kann evaluiert werden. Er aber ist gleich dagegen."
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Gerhard Männl aus Penzing | 12.04.2016 | 06:21   Melden
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Monika Pröll aus Rohrbach | 17.04.2016 | 20:20   Melden
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