06.10.2016, 14:04 Uhr

Prometeo Eine Tragödie des Hörens von Luigi Nono

„Prometeo“ ist die Eröffnungsproduktion der Intendanz von Benedikt von Peter. Mit elf Vorstellungsterminen bis Mitte Oktober ist dieser Abend in nur sehr kurzer Zeit zu erleben.

Bisher als rein musikalisches Ereignis zum Lieblingsstück grosser Festivals avanciert, findet es im Luzerner Theater zu Beginn der Intendanz im bisher kleinsten Raum statt, in dem „Prometeo“ jemals zu hören war. Das an die Uraufführungssituation erinnernde, intime Experiment setzt die Klangskulptur in ein Globe-Theatre, in dessen Mitte sich die Zuschauerinnen und Zuschauer befinden in einen egalitären Raum, in dem Erleben geteilt wird.

Hierfür wird der gesamte Bühnen- und Zuschauerraum des Luzerner Theaters in ein Globe-Theatre wie zu Shakespeares Zeiten umgebaut. Zu Beginn der Intendanz von Benedikt von Peter steht der Wunsch eines Neubeginns, der Wunsch die Seh- und Hörgewohnheiten auf Null zu stellen und sich neuen Begegnungen zu öffnen mit dem Publikum, aber auch der Kunst. Sinnbildlich dafür steht eine Treppe vor dem Theater, über deren Stufen das Publikum durch die Fenster des unteren Foyers sicher und auf ungewohntem Weg den Theaterraum betritt.

Der Komponist Luigi Nono nennt sein 1984 uraufgeführtes Werk „Eine Tragödie des Hörens“. Es wird ein Klangraum geschaffen, in dem sich das Publikum befindet. Nono geht es in seiner Komposition um den Akt des Zuhörens, er möchte «das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken».

Neben vier Orchestergruppen, fünf Sängerinnen und Instrumentalsolisten gibt es ein weiteres „bestimmendes“ Element: die Live-Elektronik. Sie nimmt die Töne ab, mischt und formt sie, schickt sie durch den Raum und platziert sie in ihm. Nono wollte nicht, dass die Musik von «Prometeo» bebildert wird. Der Klang und der Raum und ihr Zusammenspiel sind die bestimmenden Elemente.

Die Komposition handelt zwar von Prometheus, der aber nicht als Figur, sondern als Prinzip vertreten ist. Nono setzt dem Vorwärtsstreben, der Fortschrittsgläubigkeit desjenigen, der in der Mythologie den Menschen das Feuer bringt, das Langsame, Leise, das Unspektakuläre entgegen.

Nono und sein Librettist Cacciari benutzen Texte von u.a. Aischylos, Rilke oder Benjamin, die jedoch nur fragmentiert und in verschiedenen Sprachen präsentiert werden. Man soll sie nicht verstehen, sondern ihr Inhalt bildet den Hintergrund für etwas, was wir erahnen, erspüren mögen.

Sie umkreisen auf höchst abstrakte, dichterische Weise Fragen wie: Wie autonom ist der Mensch? Oder aus der Sicht der Antike formuliert: Wie ist das Verhältnis von den Götter und den Menschen. Was ist Bestimmung, was Schicksal, haben wir aus der Geschichte gelernt, gibt es im 20. Jahrhundert noch Utopien oder leben wir in einer Zeit, in der die Hoffnung auf Veränderung erloschen ist.
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