10.05.2016, 14:30 Uhr

Burgenland verfügt über ein gutes Netzwerk für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Dr. Roland Grassl (li.), Stv. Ärztliche Leitung KJPSY Eisenstadt, Dr. Sylvia Kaschnitz, Ärztliche Leitung KJPSY Oberwart, Ass. Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Ärztliche Leitung KJPSY Eisenstadt und HPZ Rust, LR Norbert Darabos und Univ.-Prof. Dr. Karl Dantendorfer, Psychiatriekoordinator und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates, setzen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland auf ambulant vor stationär durch eine bestmögliche Vernetzung. (Foto: Bgld. LMS)

Die Kommunikationskultur der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Burgenland hat österreichweite Vorbildfunktion.

OBERWART/EISENSTADT. Eine moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie sieht eine flächendeckende Versorgung vor. „Das Burgenland nimmt durch eine bestmögliche Vernetzung und Kommunikationskultur eine österreichweite Vorreiterrolle ein. Man baut auf eine umfassende Diagnostik unter Einbeziehung aller relevanten Umfeldfaktoren sowie ein gut vernetztes ambulantes, aber auch stationäres Behandlungsangebot. Für diese Bereiche ist es aber wichtig, dass sie zeitnah und wohnortnah zur Verfügung und im Notfall auch für Kriseninterventionen bereit stehen“, so Gesundheits- und Soziallandesrat Norbert Darabos.

Störungen rechtzeitig behandeln

Durch dieses gut vernetzte Betreuungskonzept ist es im Burgenland gelungen, eine Vielzahl schwerer psychiatrischer Störungen im Kindes- und Jugendalter rechtzeitig abzufangen und die Aufnahmezahlen so gering wie möglich zu halten. Es war in den letzten Jahren auch keine Platzierung eines Kindes im Erwachsenenbereich der Psychiatrie erforderlich, wie es in anderen Bundesländern immer wieder der Fall ist. Für Sozialsprecher Christian Sargartz (ÖVP) jedoch sind „ambulante Einrichtungen zwar wichtig, aber nicht ausreichend. Das Burgenland braucht Betten für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche.“ Obwohl die Zahl psychisch kranker junger Menschen seit Jahren steigt, gibt es im Burgenland kein einziges Bett im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Kooperationsvereinbarungen

Der besonderen geographischen Situation des Landes wurde bisher Rechnung getragen, indem die stationäre Versorgung durch Kooperationsvereinbarungen mit den fachspezifischen Abteilungen in Niederösterreich, konkret der KJP Hinterbrühl, für das Nordburgenland und dem LKH Graz für das Südburgenland gesichert wurde.

Ambulatorien in Oberwart und Eisenstadt

Durch Schaffung von inzwischen zwei Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Eisenstadt und in Oberwart konnten Zentren für ein eng vernetztes, ganzheitliches Betreuungskonzept etabliert werden. Diese bestehen aus fachärztlichen, psychodiagnostischer, psychologischer, psychotherapeutischer und sozialpädagogischer Betreuung. Ein weiteres Angebot besteht durch das sozialtherapeutisch konzipierte HPZ Rust mit 12 Behandlungsplätzen. Die enge Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe, dem Schulsystem, den „Frühen Hilfen“ und allen fachspezifischen Beratungsstellen sichert damit den präventiven Zugang zu risikobelasteten Familien und ihren Problemen.

Zukünftige Entwicklung beobachten

Die Entwicklung der nächsten Jahre wird zeigen, wieweit es zu einem weiteren Anstieg oder einer Stabilisierung der Inanspruchnahme kommen wird. Die Prävalenzzahlen für das Nordburgenland - gerechnet auf 150.000 EinwohnerInnen - liegen zwischen 3.000 und 6.000 psychisch auffälligen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Erfahrungsgemäß kommt nur etwa die Hälfte davon zu einer fachspezifischen Beratung, der andere Teil befindet sich in einem Dunkelfeld zwischen banalen alterstypischen Verhaltensauffälligkeiten und schwerwiegenden Beeinträchtigungen der psychosozialen Entwicklung ohne adäquate Beratung.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.