02.08.2016, 15:00 Uhr

"Ich bin klar für einen Tunnel im Kapuzinerberg"

Christoph Starzer

Der scheidende Neos-Klubobmann Christoph Starzer im Stadtblatt-Gespräch.

SALZBURG (lg). Sie haben Ihre Funktion als Klubobmann der Neos an Sebastian Huber übergeben und sind künftig "nur" noch als Gemeinderat aktiv. Warum dieser Wechsel?
CHRISTOPH STARZER:
Es ist so, dass mein Unternehmen (Ethos Vermögensverwaltung, Anm. d. Red.) sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und ich diesen Anspruch an mich selbst stelle, dass ich in meinem Unternehmen besseren Service bieten will als die Banken. Und das geht nur mit hohem Zeitaufwand. Intern haben wir schon länger darüber gesprochen, Sebastian Huber wollte die Funktion des Klubobmanns gerne übernehmen und hat jetzt auch die beruflichen Voraussetzungen dafür geschaffen und führt eine Gemeinschaftspraxis. Das ermöglicht ihm die nötige Flexibilität.

Die Neos stehen nach Eigendefinition für Bürgerbeteiligung. Die Stadt hat das Modell der Direkten Demokratie, das kurz vor der Umsetzung stand, aber dann doch abgelehnt. Gäbe es für Sie Grenzen bei der Direkten Demokratie?
CHRISTOPH STARZER:
Die Stadt gehört den Bürgern und der Grund, warum die Politik so viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat, ist schlichtweg der fehlende Bezug der Politik zu den Bürgern. Als Neos bieten wir den Bürgern eine Bewegung, die Protest in Gestaltung umwandeln möchte. Grenzen bei der Direkten Demokratie halte ich nicht für sinnvoll, das wäre eine Augenauswischerei.

Aber wären wir reif für eine Direkte Demokratie? Politik ist ja im Endeffekt doch mehr als nur eine gute Schlagzeile und bedarf einer differenzierten Betrachtungsweise?
CHRISTOPH STARZER:
Nein, die Voraussetzung ist noch nicht geschaffen. Die politische Bildung ist leider nicht mehr so umfassend, wie sie sein sollte. Das muss bereits im Kindesalter anfangen. Die Kinder sollen darauf hingeführt werden, dass Mitspracherecht keine Angst einflößen sollte. Wir Neos wollen eine Gesellschaft, die aktiv mitgestaltet.

In Ihren Leitlinien sprechen Sie sich für eine Revitalisierung von vernachlässigten Altstadtbereichen aus, etwa durch die Ansiedelung von Start-ups etc. Was schwebt Ihnen da konkret vor?
CHRISTOPH STARZER:
Die Steingasse ist so ein Beispiel, das ist ein Rohdiamant in der Altstadt. Ich bin klar für einen Tunnel durch den Kapuzinerberg mit einer entsprechenden Garage, das würde viel Verkehr von der Stadt abwenden und auch das Gebiet in der Fürbergstraße entlasten. Die Tunneleinfahrt wäre bei der Verlängerung der Vogelweiderstraße, beim Rehrlplatz würde man herauskommen. Dieses Thema sollte endlich angedacht werden, zumal diese Seite der Altstadt über wenig Parkmöglichkeiten verfügt.

Abgesehen vom Kapuzinerbergtunnel, was müsste ebenfalls umgesetzt werden, wenn es nach Ihnen ginge?
CHRISTOPH STARZER:
Die Park & Ride Plätze ausbauen. Und dann die Anbindung entsprechend optimieren, einen dichten Takt schaffen. So wie es jetzt ist, kann man kaum einen Autofahrer dazu bewegen, diese Möglichkeit zu nutzen, um in die Stadt zu kommen.

SPÖ und ÖVP sprechen davon, dass angesichts der wirtschaftlichen Lage wenig Platz für "grüne Themen" sei. Wie stehen Sie dazu?
CHRISTOPH STARZER:
Das ist zu einfach zu sagen, dass grüne Themen aktuell keinen Platz haben, nur weil das Wirtschaftswachstum gesunken ist. Wirtschaft und Ökologie, das ist keine "Entweder-Oder", sondern vielmehr eine "Sowohl-als auch" Entscheidung. Wenn man glaubt, dass man das vernachlässigen kann, wird es ein böses Erwachen geben.

Wie läuft die Zusammenarbeit in der Stadtpolitik? Die Neos haben bei der Wahl im März 2014 einen sehr guten Start hingelegt, jetzt hat man de facto eine entmachtete Stadträtin und die Themen der Neos finden in der Stadtregierung kaum Gehör.
CHRISTOPH STARZER:
Wir wurden gewählt, um Verbesserungen zu erarbeiten und frischen Wind in die Politik zu bringen. Wir haben uns eine konstruktive Zusammenarbeit erwartet, aber das ist mit der jetzigen SPÖ und ÖVP kaum möglich. Ideen, die von uns kommen, werden abgeschmettert. Aber auch in der SPÖ kommen neue Gesichter.

Werden die Neos mit Barbara Unterkofler als Spitzenkandidatin in die Gemeinderatswahl 2019 gehen?
CHRISTOPH STARZER:
Ja, da gibt es keine Diskussion.
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