19.09.2016, 10:00 Uhr

Man muss noch gut schlafen können

Sylvia Denkstein leitet den Bereich Privare Banking in der Spängler Bank. (Foto: Spängler Bank/Ideenwerkstatt)

Sylvia Denkstein von der Spängler Bank über Private Banking und Risikotoleranzgrenzen.

Ab welcher Summe zahlt es sich aus, Private Banking zu betreiben?
SYLVIA DENKSTEIN:
Wenn man einen hohen Anspruch an Beratung und an individuelle Lösungen stellt, dann würde ich sagen: ab 100.000 Euro. Sich Gedanken über eine Veranlagung zu machen, zahlt sich aber auch darunter aus.

Die seit Jahren niedrigen Zinsen verleiden vielen das Sparen. Zu Recht?
SYLVIA DENKSTEIN:
Ja – einerseits. Andererseits soll jeder für sich den richtigen Mix finden. Es geht immer um die Frage: Wieviel Liquiditätsreserven brauche ich – für ein Auto, eine größere Reparatur oder die Ausbildung der Kinder. Diese Summe ist gut auf einem Sparbuch aufgehoben. Danach erst stellt sich die Frage, was man mit dem Rest machen möchte.

Ich nehme an, es gibt kein Patentrezept?
SYLVIA DENKSTEIN:
Nein, das gibt es nicht. Man muss mit seinen Entscheidungen auch gut schlafen können. Eine Aktienkomponente ist verlockend – aber eben auch sehr viel volatiler. Wenn ich 100.000 Euro in Aktien stecke, dann muss ich es aushalten können, dass daraus vorübergehend auch einmal nur 60.000 Euro werden. Wo die eigene Risikotoleranzgrenze liegt, muss jeder für sich beantworten. Wer eher Angst vor dem Wertverlust des Geldes hat, der ist zum Beispiel bei Gold gut aufgehoben. Vielleicht interessiere ich mich auch für Immobilien oder eine Unternehmensbeteiligung?

Bleiben wir bei der Unternehmensbeteiligung: Das bieten Sie im Haus an?
SYLVIA DENKSTEIN:
Ja, denn einer unserer Zweige ist das Family Management. Wir beraten Familienunternehmen in Fragen der Unternehmensnachfolge, manchmal wollen Unternehmer auch eine Sparte ihres Unternehmens verkaufen oder suchen eine Beteiligung oder interessieren sich für eine Stiftung.

Angesichts der hohen Preise: Zahlt es sich noch aus, in Immobilien zu investieren?
SYLVIA DENKSTEIN:
Auch darauf gibt es keine generelle Antwort. Will ich eine Immobilie als reines Investement? Das ist jetzt vor allem in der Stadt Salzburg sicher schwieriger geworden. Trotz der hohen Preise besteht aber nach wie vor eine Nachfrage. Wenn ich beobachte, dass viele Gewerbeimmobilien in der Stadt zu vermieten sind, dann sehe ich hier eine Obergrenze erreicht.

Sie verwalten ein Privatkundenvermögen von 2,4 Milliarden Euro. Setzt sich die Einkommensschere beim Vermögen fort?
SYLVIA DENKSTEIN:
Im Schnitt haben wir bestimmt etwas mehr Männer als Frauen unter unseren Kunden, aber es befinden sich auch viele Frauen darunter. Und diese Frauen verwalten oft ein sehr großes Vermögen. Und wir sehen, dass sich das immer mehr in Richtung Ausgleich bewegt.

Woran liegt das?
SYLVIA DENKSTEIN:
Möglicherweise liegt es daran, dass Familienunternehmen in früheren Zeiten automatisch an den ältesten Sohn gegangen sind – und Töchter eher mit einem Sparbuch oder einer Wohnung versorgt worden sind. Jetzt sehen wir immer mehr Töchter, die in das Familienunternehmen einsteigen, es vielleicht sogar übernehmen.

Agieren Männer und Frauen bei der Veranlagung unterschiedlich?
SYLVIA DENKSTEIN:
Frauen entscheiden überlegter, eine Spur konservativer, aber nicht weniger erfolgreich. Frauen hinterfragen alles, wollen ihre Entscheidungen begründen. Männer entscheiden oft mehr aus dem Bauch heraus.

Spielt Ethik eine Rolle beim Investment?
SYLVIA DENKSTEIN:
Immer mehr Kunden wünschen ethische Investments – und die ersten, die danach gefragt haben, waren Frauen. Wir haben ethische Investments, die nach den Kriterien der Bischofskonferenz erstellt wurden, schon lange in unseren Portfolios. Ethik bedeutet übrigens keinen Nachteil bei der Performance. Das sehen wir etwa im Microfinance-Bereich sehr gut – dabei erhalten Kleinstunternehmer in Entwicklungsländern, primär übrigens Frauen, Kredite, mit denen sie ihren Mikrobusiness aufbauen. Das Ziel, ein ethisches Investment zu 100 Prozent umzusetzen ist oft nicht möglich, da Unternehmen mit ethisch korrekten Sparten oft auch Unternehmensteile haben, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden.

Wir haben viel über Frauen als Kundinnen gesprochen; wie sieht es mit Frauen in der Bank aus?
SYLVIA DENKSTEIN:
Was wir bei uns sehen, ist, dass gemischte Beratungsteams die erfolgreichsten sind. Und wir hätten gerne mehr Frauen in der Beratung. Dieser Wunsch kommt auch von unseren Kunden – von den Kundinnen, aber auch Männer lassen sich gerne von einer Frau beraten.

Was muss man für diesen Job mitbringen?
SYLVIA DENKSTEIN:
Ein Interesse für die Finanzmärkte, einen Zugang zu Zahlen und man muss mit Menschen umgehen können. Im Private Banking muss man sich in der Argumentation mit dem Kunden stellen – wenn es einmal nicht so gut läuft. Man muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Sie sind seit 28 Jahren bei der Spängler Bank – in Führungsfunktion, die Sie nach der Geburt Ihrer Töchter eine Zeitlang in Teilzeit ausgeführt haben. Wie oft kommt so etwas vor?
SYLVIA DENKSTEIN:
Ich bin hier nicht die einzige, wir haben auch Männer in Teilzeit-Führungsfunktionen. Davon profitiert natürlich auch das Unternehmen: Es hat motivierte, zufriedene Mitarbeiter und vor allem muss es nicht ständig neue Mitarbeiter ausbilden. Den Bereich Private Banking führe ich gemeinsam mit einem Kollegen, ich fühle ich mich nicht als 'Chefin', sondern als Kollegin mit Führungsaufgaben.
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