03.05.2016, 06:30 Uhr

Sie verstanzt 200 Tonnen Stahl

Michaela Hilber, Geschäftsführerin und Eigentümerin von Hilber Beschläge: Ich bin mit dem Geruch von Metall aufgewachsen – und ich mag ihn."

Michael Hilber im Stadtblatt Chefinnen-Gespräch: Großgeworden in der Werkstatt: Schon in den Reifen ihres Dreiradlers steckten Metallklammern.

Sie haben Hilber Beschläge mit 23 Jahren von Ihrem Vater übernommen. Was waren die größeren Herausforderungen?
MICHAELA HILBER:
In meinen ersten Jahren fand die Öffnung Osteuropas statt, der Euro hat unsere Wechselkurs-Vorteile gegenüber der italienischen Konkurrenz weggefressen. Und ich musste die Produktion umstellen, automatisieren, Maschinen kaufen und viel Geld investieren, das ich vorher bei der Bank ausgeliehen hatte. Es war eine harte Zeit, aber ich habe in diesen ersten Jahren auch am meisten gelernt.

Seither haben viele Ihrer ehemaligen Konkurrenten das Handtuch geworfen und aufgehört. Ihre größten Konkurrenten sitzen in Asiens Billiglohnländern.
MICHAELA HILBER: Das ist ein europäisches Gesamtproblem. Den Nachteil unserer sehr viel höheren Lohnkosten können wir nur durch Neuentwicklungen alleine gar nicht aufholen. Da sehe ich ehrlich gewaltige Probleme: Wir müssen mit Lohnkosten von 35 Euro in der Stunde ja nicht nur mit dem osteuropäischen Lohnniveau von sieben bis elf Euro pro Stunde konkurrieren, sondern auch mit Artikeln, die in Asien in Kinderarbeit hergestellt werden.

Wie bleiben Sie konkurrenzfähig?
MICHAELA HILBER: Mit Innovationen. Wir verfügen derzeit über etwa 15 Patente. Das erste hat mein Großvater angemeldet, das war damals der Fens- terschnapper für Kastenstockfenster. Unser jüngstes Patent ist die Schalungsklemme, mit deren Hilfe sich Schalungstafeln am Bau sehr einfach zusammenstecken lassen. Mit unseren Neuentwicklungen sind wir ganz nah am Kunden. Wir spitzen die Ohren, wenn es um neue Wünsche geht, und setzen unsere Techniker darauf an. Unser zweites Erfolgsrezept sind schnelle Maschinen. Damit können wir mehr Umsatz mit weniger Leuten machen als in früheren Jahren.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie jetzt und wie viel Tonnen Stahl verarbeiten Sie im Jahr?
MICHAELA HILBER: Wir haben zwölf Mitarbeiter. Pro Jahr verarbeiten wir hier rund 200 Tonnen Stahl. Unser Bestseller sind Stellagenwinkel, davon verkaufen wir im Jahr weit mehr als eine Million. Und unsere Kunden sind Unternehmen im Beschlagsgroßhandel, an Baumärkte liefern wir nicht mehr. Da haben wir schlechte Erfahrungen mit unfairen Vertragsbedingungen gemacht.

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe?
MICHAELA HILBER: Von der Voest – auch wegen der Qualität. Ich gebe zu, dass wir auch schon andere ausprobiert haben. Aber damit waren wir nicht zufrieden. Und das sieht man auch an den Produkten. Unsere Stahlbänder sind drei Millimeter dick, bei denen aus China sind es nur zwei Komma irgendetwas. Natürlich ist das dann billiger, aber irgendwann ist der Stahl so dünn, dass die damit montierten Küchenkastln eben runterfallen. Unsere natürlich nicht, dafür kosten sie eben ein bisschen mehr. Aber unsere Kunden in der Möbelindustrie wissen das zu schätzen. Bei der Produktion achten wir dafür darauf, dass möglichst wenig Stahl-Abfall anfällt.

Sie sind nicht nur Geschäftsführerin Ihrer eigenen Firma, Sie unterrichten am WIFI auch Unternehmensführung. Führen Frauen anders als Männer?
MICHAELA HILBER: Ja. Frauen sind emotionaler, sie gehen anders an Dinge heran, sie versuchen mehr unter einen Hut zu bringen. Manchmal sind Frauen aber auch so hart zu sich selber, weil sie meinen die 'besseren Männer' sein zu müssen. Aber was ist das, der 'bessere Mann'? Es darf ruhig 'menscheln' in einer Firma. Das haben auch die Männer gerne. Bei uns macht zum Beispiel Herr Auer den Kaffee – und ich räume dann das Geschirr weg.

Ihr Rezept beim Führen der eigenen Mitarbeiter?
MICHAELA HILBER: Wir brauchen Leute, die mitdenken. Dafür muss man die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter ernst nehmen. Das können teurere Arbeitsschuhe sein als der Budgetrahmen vorgibt, das kann eine Bank in der Sonne für die Mittagspause sein und das können auch ein paar spontane freie Stunden sein, in denen er private Dinge regeln muss, denn erst dann hat er den Kopf wieder frei für die Arbeit. Wir müssen davon wegkommen, alles in Zeit und Geld zu messen.

ZUR PERSON
Michaela Hilber ist geschäftsführende Gesellschafterin von Hilber Beschläge. Sie ist Vorsitzende des Beirates Aus- und Weiterbildung in der WKS. Außerdem ist sie Mitglied des Wirtschaftsparlaments und des erweiterten Präsidiums. Derzeit arbeitet sie gerade an ihrem Buch "Die fünf Säulen der Freiheit", in dem es um den Ausgleich zwischen Job und Privatleben geht.


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