05.10.2016, 11:36 Uhr

Pazifist aus Gaming: "Ich sehe die Toten noch heute"

Fritz Haiszan vor seiner selbst zusammengestellten Tafel mit Zeitungsausschnitten über sein Leben und den Krieg.

Fritz Haiszan, 93 Jahre alt und ehemaliger Soldat im Zweiten Weltkrieg, erzählt, wie sich Krieg anfühlt.

GAMING. Seit nunmehr 70 Jahren herrscht in Österreich Frieden, während in vielen Teilen der Welt gekämpft und getötet wird. Die meisten von uns kennen Krieg nur aus dem Fernseher und haben die Definition des Wortes in der Schule im Geschichtsunterricht gelernt.
Es gibt aber noch ein paar wenige unter uns, die selbst einmal Teil eines Krieges waren. Fritz Haiszan aus Gaming ist so einer, der damals, wie er sagt, "das große Glück hatte, überlebt zu haben". Nach wie vor besucht der heute 93-Jährige Schulen, um Kinder zu unterrichten was Krieg eigentlich ist, wie er sich anfühlt und warum man alles daran setzen muss, um so etwas Schreckliches und Menschenverachtendes zu verhindern.

Verdrängen und vergessen

"Wenn ich manchmal in meinem Bett liege, dann höre ich das Gefechtsfeuer von damals und sehe die vielen Toten noch heute vor mir", erzählt ein sichtlich bedrückter Fritz Haiszan. "Man versucht es zu verdrängen und zu vergessen, aber es gelingt nicht."
Im Jahr 1943 musste der damals 20-jährige Haiszan als Heeresbergführer in den Kaukasus einrücken. "Wir Bergführer waren nur bewaffnet mit einer kleinen Pistole und einem Messer, welches gerade gut genug war um eine Dose damit zu öffnen", erinnert sich Haiszan.
"Im Kaukasus habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Tod gemacht, als ein Kamerad in eine Gletschermühle fiel. Das vergisst man nicht. Ebenso wenig, als wir nach einem Gefecht unser Nachtquartier aufschlugen und die Kleider der Toten als Schlafunterlage nehmen mussten, um uns warm zu halten."

Der Tod wird niemals normal

Auch wenn im Verlauf des Krieges der Tod für Fritz Haiszan ein ständiger Begleiter war, so wurde dieser keineswegs zur Routine, wie man vielleicht glauben mag. "Während des Gefechts schaltet man seinen Kopf aus und funktioniert. Davor und danach macht man sich Gedanken über die vielen Toten und Schwerverletzten. Der Tod selbst wird aber niemals normal, egal wie oft du ihn siehst." Für Haiszan gilt: "Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit und etwas Schreckliches. Die Unsicherheit, ob man ihn überlebt oder nicht, trägt man bis zum Schluss mit sich herum."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.