22.08.2016, 14:18 Uhr

Schule: Angriff auf die Ferien

Johannes Hiller, Borg Neulengbach: "Ist ein Dauerbrenner im Sommer." (Foto: privat)

Neun Wochen Ferien: Luxus pur, Fadesse pur oder Organisationshorror für Familien?

WIENERWALD (ah). Neun Wochen Ferien im Sommer. Was für Lehrer und Schüler paradiesisch klingt, stellt immer mehr Eltern vor Herausforderungen. Wer passt auf die Kinder auf, wenn der Urlaub von Papa und Mama nach zwei Wochen vorbei ist? Familienministerin Karmasin forderte zwei Wochen der Sommerferien in den Herbst zu verschieben.

Pisa: "Nicht schlecht"
Andrea Pisa ist Schulleiterin in der Privatschule "Neue Schule" in Eichgraben und steht dem Vorschlag der Familienministerin positiv gegenüber: "Ich finde die Idee prinzipiell nicht schlecht. Ich habe mich mit den älteren Schülern bei uns schon einmal darüber unterhalten. Die Meinungen sind geteilt. Manche finden den langen Sommer toll, andere hätten gegen Ferien im Herbst nichts." Einige Pädagogen befürchten einen zu großen Bruch, wenn die Kinder im Herbst wieder zwei Wochen frei haben. Pisa sieht dieses Problem nicht. "Eigentlich haben wir ebenso eine gewisse Unruhe zwischen den Kindern, wenn sie länger nicht beisammen waren und das ist meistens schon montags der Fall." Aus der pädagogischen Sicht würde Pisa die Idee der Ministerin begrüßen: "Für uns Lehrer wäre es positiv. Wir haben einerseits viel Ferien, auf der anderen Seite sind wir immer an die Hauptferienzeit gebunden."

Zweischneidiges Schwert
Für Johannes Hiller, Direktor des BORG in Neulengbach, ist das Thema rund um die Verkürzung der Sommerferien der Dauerbrenner im Sommer. Seiner Meinung nach ist die Forderung ein zweischneidiges Schwert, "es ist aber eine Problemverschiebung vom Standpunkt der Eltern aus, denn im Herbst wird es mit der Betreuung auch wieder schwierig werden." Hiller kritisiert an zwei Wochen Herbstferien, dass es die Schüler wieder aus der Arbeit bringt, "denn ein alter Spruch sagt, was man bis zu Weihnachten nicht erledigt, schafft man nicht mehr." Er sei also prinzipiell für die Beibehaltung der neun Wochen Sommerferien, denn "wir haben in Österreich das System der Nachprüfungen, und wenn man für so eine Prüfung lernt, dann hat man überhaupt keine Ferien mehr." Das Thema rund um die Sommerferien tauchte laut Hiller in den letzten Jahrzehnten auf, als es "wirtschaftlich" wurde, denn heute ist es so, dass meist nicht mehr nur ein Elternteil die Familie versorgen kann.^meinbezirk.at
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