Fokus Frau
„Bin einfach die Evi Mair...“

Seit drei Monaten leitet Evi Mair die Geschicke der Marktgemeinde Hard - und wünscht sich mehr Frauen in der Politik...
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  • Foto: Marktgemeinde Hard
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Hards Neo-Bürgermeisterin über die Rolle von Frauen in diesem Amt

Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Harald Köhlmeier steht mit der früheren Vizebürgemeisterin Evi Mair eine Frau an der Spitze der nach Einwohnern siebtgrößten Gemeinde des Landes. Das Blättle sprach mit der Neo-Bürgermeisterin über die Kunst, aber auch die Probleme, als Frau eine Großgemeinde zu leiten.

Blättle: Sie wurden durch den überraschenden Rücktritt von Harald Köhlmeier quasi über Nacht in das Amt gehievt. Haben Sie je damit gerechnet und wie haben Sie reagiert?

Mair: Der Rücktritt kam für mich genauso überraschend wie für alle anderen. Ich habe nie damit gerechnet, das Amt der Bürgermeisterin zu übernehmen. Meine Tätigkeit als Vizebürgermeisterin habe ich sehr gerne gemacht. Meine erste Reaktion war Sprachlosigkeit – ich war zu dem Zeitpunkt mit Freunden auf einem privaten Ausflug in Deutschland und musste mich zuerst „erholen“.

Blättle: Wie hat sich ihr Tagesablauf durch den wohl doch deutlich intensiveren Job geändert und welche Hürden waren – vor allem zu Beginn – zu meistern?

Mair: Der Tagesablauf hat sich natürlich geändert, ich bin den ganzen Tag mehr oder weniger fix eingeteilt mit Terminen, Besprechungen, administrativen Tätigkeiten, Bürgeranliegen, Abendterminen usw. Die größte Hürde war sicherlich, dass ich keine Übergabe hatte. Ohne meine Erfahrung, die ich durch meine langjährige politische Tätigkeit habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass dies so gut gelaufen wäre.

Blättle: Man hört auch von Mobbing – etwa bei Frau Bürgermeister Martin-Gabriel in Sonntag. Haben Sie diesbezüglich Ähnliches erlebt und falls ja, wie wappnen Sie sich dagegen? Bitte schildern Sie – auch im Guten – Ihre diesbezüglichen Erfahrungen.

Mair: Ich persönlich musste mich mit dem Thema Mobbing bis dato nicht befassen. Woran es liegt, ist sicherlich in jeder Gemeinde individuell. Ich persönlich merke keinen Unterschied, ob ich mit männlichen oder weiblichen Kollegen arbeite, in erster Linie ist das Verhältnis ohnehin abhängig von der jeweiligen Person.

Blättle: Setzen Sie sich in der Gemeindevertretung leicht durch oder war bzw. ist dies schwierig?

Mair: In einer Gemeindevertretungssitzung leite ich als Bürgermeisterin die Sitzung, da geht es nicht ums „Durchsetzen“. Bei dieser Sitzung pflege ich einen höflichen wertschätzenden Umgang miteinander und das erwarte ich mir auch von allen Mandataren.

Blättle: Obschon recht urban und gegendert sind in Vorarlberg Frauen an der Spitze von Gemeinden immer noch die Ausnahme. Woran liegt das – an der Tradition der „männlichen Politik“ oder auch daran, dass Frauen sich immer noch vor politischen Machtpositionen scheuen?

Mair: Im Zusammenhang mit der Listenerstellung habe ich mit vielen Frauen gesprochen, da kam immer wieder ein Argument, dass viele Frauen sich nicht vorstellen können, Arbeit, Kinder, Familie und politische Tätigkeit unter einen Hut zu bringen. Diese Unsicherheit hält viele davon ab – Männer machen sich da oft weniger Gedanken!

Blättle: Warum sollten mehr Frauen den Mut haben, solche Positionen zu übernehmen?

Mair: Frauen haben zu vielen Dingen eine andere Herangehensweise. Damit meine ich nicht nur die oft den Frauen zugeordneten spezifische Frauenthemen. Auch verfügen sie über eine gesunde Hartnäckigkeit, die sie vielleicht über Umwege, aber oft mit einem breiten Konsens, ans Ziel bringt. Jedoch glaube ich auch, dass es sicherlich Personenabhängig ist.

Blättle: Gibt es nicht auch deutliche Vorteile – Stichwort: emotionale Intelligenz – die Frauen gegenüber Männern in Führungspositionen haben oder ist dies ein Vorurteil?

Mair: Emotionale Intelligenz“ - was ist daran so verkehrt, die Fähigkeit eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen. Natürlich braucht eine Mischung aus rationaler und emotionaler Intelligenz. Aber ich glaube, dass ohne Emphatie ein Bürgermeisteramt nicht erfolgreich sein kann.

Blättle: Was unterscheidet Ihrer Meinung nach Frauen und Männer in politsichen Verantwortungs-Positionen?

Mair: Nach meiner Erfahrung sind Frauen eher lösungsorientiert und sind auch bereit, länger zu verhandeln, um eine gute Lösung zu finden. Männer hingegen bevorzugen schnellere, rationalere Lösungen.

Blättle: Sind Sie mit dem Status Quo von Frauen in der Politik zufrieden oder bemängeln Sie den doch noch niedereren Anteil

Mair: Es könnten durchaus mehr Frauen in der Politik tätig sein und das auf allen Ebenen.

Blättle: Wo sehen Sie die Vorteile von Frauen in politischen Spitzenpositionen und was sind eventuelle Nachteile?

Mair: Ich glaube es braucht unbedingt beide Frauen und Männer. Die Mischung macht’s! Früher gab es kaum Frauen in der Politik, ich glaube nicht nur für mich heute undenkbar.

Blättle: Würden Sie nach ihren ersten Erfahrungen dieses Amt wieder anstreben bzw. wollen Sie es behalten.

Mair: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass mein Entschluss für das Amt und die Gemeinderatswahlen zu kandidieren, richtig war. Die Erfahrungen die ich in den fast drei Monaten gesammelt haben, überzeugen mich davon. Es ist eine spannende Aufgabe für die Harderinnen und Harder als Bürgermeisterin da zu sein und ich würde gerne nach dem 15. März meine Arbeit fortsetzen.

Blättle: Warum braucht gerade Hard eine Frau an der Spitze?

Mair: Ich glaube, dass ich die richtige Bürgermeisterin für Hard bin, weil ich sehr viel Erfahrung mitbringe, weil ich es kann, weil ich überzeugt bin eine gute Bürgermeisterin mit HERZ und Verstand für unsere Gemeinde und Mitarbeiter zu sein.

Blättle: Sind Sie nun zu Hause und in ihrem Umfeld auch „Frau Bürgermeister“ oder hat sich da nichts geändert?

Mair: Zuhause bin ich Frau, Mutter und Oma! Ich werde nicht verschont, Wäsche waschen, zu bügeln und eben allen hausfraulichen Tätigkeiten. Bei meinen Freunden und hoffentlich auch sonst bin ich nach wie vor einfach nur die Evi Mair.

Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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