Umstrittene Straßennamen in Hernals
Zusatztafel am Leopold-Kunschak-Platz kommt endlich

Der Platz vor dem Friedhof Hernals ist nach ÖVP-Politiker Leopold Kunschak benannt. Dieser war bekennender Antisemit.
  • Der Platz vor dem Friedhof Hernals ist nach ÖVP-Politiker Leopold Kunschak benannt. Dieser war bekennender Antisemit.
  • hochgeladen von Anja Gaugl

Der lange Weg zur Zusatztafel: Nach jahrelangem Warten erhält der Leopold-Kunschak-Platz eine historische Erklärung.

HERNALS. Manchmal mahlen die (bürokratischen) Mühlen langsam. Dazu gehört auch die Montage einer Zusatztafel am Leopold-Kunschak-Platz direkt vor dem Friedhof Hernals.

Bereits 2016 hat der Bezirk auf Initiative der Grünen die Anbringung mit historisch-kritischem Erklärungstext beschlossen, 2017 dann die Entscheidung zum endgültigen Wortlaut. In den nächsten Wochen kommt sie nun endlich.

"Wir wollen nichts umadressieren, aber eine Zusatztafel ist wohl angebracht", so Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer (SPÖ). "Ich glaube, dass es wichtig ist, die Bevölkerung auch auf Schattenseiten von verdienten Persönlichkeiten hinzuweisen." Denn der ehemalige ÖVP-Politiker Leopold Kunschak, nach dem der Platz 1971 benannt wurde, ist eine nicht unumstrittene Persönlichkeit.

Bedenkliche Vergangenheit

Leopold Kunschak hat gemeinsam mit Karl Renner, Adolf Schärf und Johann Koplenig am 27. April 1945 die Österreichische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet.

Außerdem hatte er wichtige politische Funktionen inne, so war er ab 1945 bis zu seinem Tod 1953 der Präsident des Nationalrates. Wie die Historikerkommission unter der Leitung von Oliver Rathkolb nachgewiesen hat, war Kunschak aber auch bekennender Antisemit.

159 historisch kritische Straßennamen

Die Historikerkommission war 2011 von der Stadt Wien mit der Untersuchung der historischen Bedeutung von Personen, nach denen Straßen benannt wurden, beauftragt worden. 2013 lagen die Ergebnisse vor: 159 der insgesamt 4.379 personenbezogenen Straßennamen wurde als historisch kritisch eingestuft und in drei Kategorien eingeteilt.

Kategorie A beschreibt Fälle mit intensivem Diskussionsbedarf – dazu zählt auch der Leopold-Kunschak-Platz –, Kategorie B sind Fälle mit Diskussionsbedarf und Kategorie C Persönlichkeiten mit demokratiepolitisch relevanten biographischen Lücken.

"Das Sichtbarmachen der Kritik an Leopold Kunschak ist uns wichtig, da er noch im Herbst 1945 erklärt hat, 'in Österreich hätten weder einheimische noch fremde Juden etwas zu suchen'. Das Spalten der Gesellschaft, Diskriminierung und Polarisierung dürfen nicht wieder zum politischen Alltag in Österreich werden", so Sepp Neustifter, Klubobmann der Grünen Hernals.

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