21.06.2016, 13:30 Uhr

Zögernitz-Investor Hermann Rauter im Interview: "Mit der Widmung wurde mir kein Geschenk gemacht"

Investor Hermann Rauter mit einem Modell des Casino Zögernitz, das zeigt, wie das Gebäude nach der Sanierung aussehen soll. (Foto: Kozeschnik)

Der Investor Hermann Rauter saniert ab Jahresende das Casino Zögernitz und baut Wohnungen.

Wann beginnt der Umbau beim Casino Zögernitz?
HERMANN RAUTER: Grundsätzlich ist Ende dieses Jahres geplant. Wir schließen im Moment die Detailplanungen ab. Im September wollen wir die fertigen Pläne noch einmal der Öffentlichkeit präsentieren.

Sie haben Ihr Vorhaben – die Sanierung des historischen Zögernitz inklusive Konzertsaal, Errichtung eines Wohnblocks – bereits einmal präsentiert. War da die Mehrheit dafür oder dagegen?
Die Mehrheit war positiv gestimmt. Einige kamen und wollten gegen das Projekt unterschreiben – aber sogar die ließen sich umstimmen.

Die Kritik ist dennoch heftig. Unter anderem heißt es, Sie würden mit dem Bau der Wohnungen zu viel Gewinn machen.
Es geht mir nicht um Spekulation, sondern um kulturelle Stadtentwicklung. Die Gewinne, die ich im Neubau mache, investiere ich in das Denkmal. Sollten darüber hinaus Gewinne zustande kommen, dann ist das, weil die Preise in den letzten Jahren so gestiegen sind. Andere Hauseigentümer haben dieselben Gewinne gemacht.

Für den Wohnbau wurde nun umgewidmet.
Man hat mir dort kein Geschenk gemacht. Die Fläche, die bebaut werden darf, wurde vom Denkmal weg verlagert und leicht vergrößert.

Was sagen Sie den Menschen, die nicht wollen, dass um das Zögernitz überhaupt gebaut wird?
Dann hätten sie es damals kaufen sollen. Ich wünsche mir auch viel. Aber für mich geht es um etwas anderes: Der Saal im Casino Zögernitz ist das Herzstück von Döbling, und ich will, dass er wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist und die Döblinger Hauptstraße belebt wird.

Wie wurden Ihre Pläne an die Widmung angepasst?
Das Tonstudio ist jetzt zum Beispiel kleiner, die Raumhöhen in den Wohnungen mussten angepasst werden. Es ist ein Arbeitsaufwand, aber es gibt keine großen Veränderungen.

Wie stellen Sie sich das Endergebnis vor?
Das Hotel samt dem historischen Gastgarten wird wieder eröffnet. Der Saal soll für Kulturveranstaltungen und Hochzeiten da sein. Die Stellplätze kommen unter die Erde. Auch der Bereich zur Döblinger Hauptstraße soll schöner gestaltet werden.

Wann wird alles fertig sein?
Die Bauzeit ab Baubeginn beträgt eineinhalb Jahre im Minimum. Wir wollen rasch fertig werden, um die Anrainer möglichst wenig zu belasten.

Zur Sache:

Das Casino Zögernitz wurde 1837 von einem gleichnamigen Bürger errichtet. Mit seinem schattigen Garten wurde es bald zu einem beliebten Rendezvousplatz der besseren Kreise Wiens. Konzerte, auch solche von Josef Lanner und Johann Strauß, sowie Volksfeste im Garten oder im großen Saal waren besondere Ereignisse.

Hermann Rauter will das Gebäude sanieren und dahinter ein Terrassenhaus mit 48 Eigentumswohnungen errichten. Die Gesamtkosten sollen sich auf 26 Millionen Euro belaufen.

Dagegen gab es teils heftige Kritik, unter anderem von einer Bürgerinitiative. Sie kritisiert den Bau von "Luxuswohnungen", Baumfällungen und die Errichtung eines Neubaus in einer Schutzzone.
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