27.06.2016, 15:24 Uhr

"Brexit trifft uns alle"

Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer von Innsbruck-Land Christoph Walser (Foto: WK Tirol)

Auch in der Region könnte der EU-Austritt der Briten negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben

HALL. Am schnellsten könnte der Volksentscheid der Briten für den EU-Austritt auf den Tourismus auswirken. Der Pfund hat stark abgewertet, entsprechend teurer werden Tirol-Urlaube für Briten, was zu weniger Gästeankünften aus dem Vereinigten Königreich führen könnte. In der Region Hall hat man einerseits sehr viele Gäste aus Österreich und Deutschland, andererseits auch viele aus dem Rest der Welt. Britische Gäste stellen mit 2 bis 3 % keine besonders große Gruppe dar. "Der Brexit ist unerfreulich, wir hoffen aber, dass wir einen eventuellen Rückgang bei britischen Gästen durch Touristen aus anderen Ländern kompensieren können", meint dazu TVB-Obmann Werner Nuding.
Es gibt in Innsbruck Land viele exportstarke Unternehmen, die einen Teil ihrer Güter nach Großbritannien liefern. Die Pfundabwertung bzw. eine mögliche Wirtschaftskrise im britischen Raum könnten Aufträge kosten. Es ist allerdings nicht bekannt, dass ein Unternehmen besonders stark vom britischen Markt abhängig ist.

Vertrauensverlust

Größer noch als die Sorge, britische Kunden und Touristen zu verlieren, ist aber die Befürchtung, dass der geplante Brexit zu einer allgemeinen Krisenstimmung führt.
"Das Nein der britischen Bevölkerung ist für mich ein Zeichen des sinkenden Vertrauens in die Politik allgemein und speziell in die Institutionen der EU", meint dazu der Thaurer Bürgermeister Christoph Walser, der auch der Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer von Innsbruck-Land ist. Zu einem Teil sei die EU selbst daran schuld, es gebe zu viel Bürokratie und die Bürger wissen nicht was und warum in Brüssel entschieden werde. Einen weiteren Grund für die Anti-EU-Stimmung sieht Walser im "Versagen der Asylpolitik".

Nerven bewahren

Für NR Max Unterrainer (SPÖ) ist vor allem wichtig, dass die EU handlungsfähig bleibt. "Ich habe für die Vorgehensweise von Premier Cameron überhaupt kein Verständnis. Zuerst wird die Abstimmung mutwillig vom Zaum gebrochen und dann will er keinen Antrag auf den Austritt stellen. Das darf die Arbeit in Europa nicht blockieren", meint Unterrainer, dem bewusst ist, dass auch viele Österreicher der EU sehr kritisch gegenüber stehen: "Jetzt müssen die notwendigen Rformen angegangen werden. Wenn die EU kaputt geht, hätte das für die Wirtschaft und damit für die Arbeitnehmer katastrophale Auswirkungen."
0
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.