28.06.2016, 08:00 Uhr

Ohne Familie kein Überleben

BBK-Leiter Gerald Patschka, Heinz, Franz, Maria und Katrin Walkersdorfer mit BBK-Obmann Friedrich Schechtner.Foto: Alexandra Goll

Landwirtschaft muss jährlich wachsen und Ausgleichszahlungen erhalten, um überleben zu können.

BÖSENDÜRNBACH (ag). Der einzige Stier der Rasse "Charolais" ist der „Hahn im Korb“ unter den 45 Mutterkühen der Rasse "Fleckvieh" des landwirtschaftlichen Betriebes der Familie Walkersdorfer in Bösendürnbach. Die Geburt der Kälber erfolgt innerhalb der Gruppe, das macht am wenigsten Stress. Sie bleiben dann auch bis zu etwa sieben Monaten bei der Mutterkuh.
Der Quereinsteiger und gelernte Tischler Heinz übernahm 1993 den Betrieb. 2001 stellte der Landwirt auf Bio um und 2004 von der Milchproduktion auf Mutterkuhhaltung, weil damals die Molkerei eine Milchabnahme nicht garantieren konnte. „Diesen Schritt habe ich nie bereut. Das Überleben wird einem aber immer schwieriger gemacht. Wir bekommen Preise für unsere Produkte wie vor 10 Jahren. Hingegen steigen aber die Ausgaben kontinuierlich an“, so Heinz Walkersdorfer, der aber selbst sagt, er möchte nicht raunzen, weil genau das bekommen auch seine drei Kinder mit und so will er seinem Nachfolger, dem 19-jährigen Sohn Franz, nicht die Freude an dieser Tätigkeit nehmen. Den Trend der schlechten Preise bestätigte auch Bezirkskammerobmann Schechtner: „Die Schere der Ausgaben und Einnahmen ist in den letzten Jahren extrem auseinandergegangen. Wenn das Einkommen erhalten werden will und die Produkte nicht teurer werden, muss der Betrieb wachsen.“

Betrieb wächst jährlich

Genau das haben die Walkersdorfers in den vergangenen Jahren auch praktiziert und laufend Ackerflächen dazugepachtet. „Ein flächenmäßiges Wachsen macht aber auch eine Aufstockung der Maschinen und technischen Geräte notwendig. Ein weiteres Problem in unserer Gegend ist, dass es keine Kommassierung gab und wir viele kleine Flächen zu bewirtschaften haben – etwa 160 Feldstücke bei insgesamt rund 120 Hektar.“
Im Familienbetrieb arbeitet er mit seiner Frau und Sohn Franz, und auch der Schwiegervater hilft noch mit, denn ein Angestellter ist im Einkommen nicht drinnen.

Weniger Bürokratie gewünscht

„Der letzte Urlaub ist schon lange her“, merkte Gattin Maria an, die aber dennoch mit voller Freude und Liebe die Landwirtschaft betreibt. Was sie sich wirklich wünschen würden, ist die Reduktion der Bürokratie. Mehr Stunden würden sie gerne statt am Schreibtisch bei den Tieren und am Feld verbringen.
Diese Problematik kennt auch die Bezirksbauernkammer. „Auch auf die Preisgestaltung hat die Kammer seit dem EU-Beitritt keinerlei Einfluss. Ohne die Ausgleichszahlungen wäre die Landwirtschaft in Klein- und Familienbetrieben längst nicht mehr möglich. Die Einnahmen werden niedriger und nicht an die Inflation angepasst. Auch die öffentlichen Budgets sind angespannt“, so Kammerleiter Gerald Patschka.
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