04.05.2016, 08:00 Uhr

Wo bleiben denn die Lehrlinge?

Die Bewerbungen von Lehrlingen beim Lagerhaus, dem größten Ausbildungsbetrieb im Bezirk, sind rückläufig.Foto: Archiv

Die Lehrlingsszene im Bezirk Hollabrunn befindet sich zurzeit in einem gewaltigen Umbruch.

BEZIRK (jm). „Wir konnten heuer keinen Lehrling aufnehmen“, schildert Kfz-Landesinnungsmeister Karl Scheibelhofer die Situation im Lehrlingsbereich. „Es gab keine Bewerber, die den Anforderungen in der Kfz-Computertechnik entsprochen hätten oder die eine Lehre mit Matura machen wollten. Schüler ohne entsprechendes Wissen im Computerbereich kann ich nicht mehr aufnehmen“, so der Lehrherr.

4,9 Prozent Lehrlingsrückgang

„Die Zahl der Lehrlinge in NÖ ist im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 Prozent gesunken“, stellt Alfred Babinsky, Landesinnungsmeister-Stv. für Elektrotechnik fest. Er hat in seinem Betrieb schon an die 80 Lehrlinge ausgebildet und ist Prüfer bei den Lehrabschlussprüfungen.
„Kürzlich hat mir ein Kandidat eröffnet, er mache parallel zur Berufsschule die Matura in Modulen. Leider nützen nur wenige diese Möglichkeit“, so Babinsky.

Von 60 auf 15 Bewerbungen

Reinhard Thürr von der PKW-Werkstätte im Lagerhaus Hollabrunn-Horn ist verantwortlich für die Ausbildung von etwa 40 Lehrlingen an sechs Standorten. „Wir hatten bisher 40 bis 60 Bewerbungen pro Jahr, heuer haben sich nur 15 um eine Lehrstelle beworben, und von diesen konnten wir nur zwei nehmen“, stellt Thürr etwas resigniert fest, „dabei hätten wir weitere fünf aufnehmen können.“ Zum einen sind es Bildungsdefizite, die sich beim Aufnahmetest herausstellen, zum anderen sind die Jugendlichen heute nicht mehr bereit, einen längeren Anfahrtsweg zu ihrer Lehrstelle auf sich zu nehmen.

Schere: Bewerber und Lehrstelle

„Das Image der Lehrberufe konnte dank gezielter Maßnahmen in den letzten Jahren verbessert werden“, so AMS-Leiter Josef Mukstadt. „Berufsinformation für Vierzehn- und Fünfzehnjährige, Berufseignungstests und Beratungsgespräche durch die Berufspsychologin werden seit zehn Jahren am AMS und auch in den Polytechnischen Schulen angeboten. „Die Schere zwischen Lehrstellensuchenden und freien Lehrstellen klafft aber immer weiter auseinander“, bemerkt der AMS-Chef. So hat es im März 21 Lehrstellensuchende, aber 26 freie Lehrstellen im Bezirk gegeben. Das Skurrile dabei: Bei den Maurern gibt es zwar zwei Bewerber, aber keine freie Stelle. Vier Kfz-MechanikerInnen suchen eine Lehrstelle, doch nur eine ist ausgeschrieben. Im Einzelhandel sind zwölf Stellen frei, doch nur sechs bewerben sich.

Zur Sache:

Das sind laut WK-NÖ die Top Ten-Lehrberufe:
1. Einzelhandel
2. Metalltechnik
3. Elektrotechnik
4. Kraftfahrzeugtechnik
5. Installations- und Gebäude-
technik
6. Maurer/in
7. Friseur/in und Perückenma-
cher/in (Stylist/in)
8. Tischlerei
9. Koch/Köchin
10. Gastronomiefachmann/frau

Unter „duale Ausbildung“ versteht man in der Regel ein Ausbildungsverhältnis, das Theorie und Praxis verbindet: Im Lehrsaal werden die theoretischen Inhalte vermittelt, die im gleichen Zeitraum stattfindenden Praktikum bei einem realen Arbeitgeber angewandt werden. Der Begriff „duale Ausbildung“ stammt daher, dass der Schüler sowohl in der Berufsschule als auch im Betrieb in einem Ausbildungsverhältnis steht. Der Großteil der Zeit wird dabei im Betrieb verbracht.
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