27.09.2016, 08:00 Uhr

Zuckerrüben 2017 am Weltmarkt

Karl Neubauer ist zuversichtlich, dass die Rübe auch in Zukunft ein Gewinnbringer sein wird. Foto: Josef Messirek

Das EU-Quotensystem fällt 2017, dann müssen sich Rübenbauern auf dem Weltmarkt behaupten.

BEZIRK (jm). Die bisherige EU-Länderquote für Zuckerrüben fällt im September 2017. Ist die damit verbundene Öffnung zum Weltmarkt für die 9.000 österreichischen Zuckerrübenbauern eine Chance, oder wird ein Preisverfall befürchtet? Die Bezirksblätter sprachen mit Karl Neubauer aus Pernersdorf, der Zuckerrüben auf 40 Hektar anbaut, Obmann-Stv. der Rübenbauern für NÖ und Wien ist und seit zehn Jahren im Vorstand der österreichischen Rübenbauern mitarbeitet.

Preisverfall wie bei Milch?

„Der Wegfall der 1995 eingeführten Quote kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern es wurde schon seit Jahren Eu-weit nach Ersatzmodellen gesucht“, erklärt Neubauer.
Den Vergleich, dass es einen ähnlichen Preisverfall geben könnte, wie das bei der Milch nach dem Auslaufen der Quote der Fall war, lässt er nicht gelten. „Die Rübenbauern sind durch Lieferrechtsverträge bei AGRANA (österreichischer Nahrungsmittel-Konzern) in die Verarbeitung mit eingebunden, sie besitzen ein Drittel der Aktien und stellen einen Aufsichtsrat. Das alles hatten die Milchbauern ja nicht“, so Neubauer weiter. Sehr realistisch schätzt der erfahrene Ökonom die nächsten ein bis zwei Jahre ein, wenn sich auch für die österreichischen Rübenbauern das Tor zum Weltmarkt öffnet: „Es wird der Preisdruck inner-europäisch etwas höher werden, weil jeder seinen Marktanteil erhalten will.“
Keinen Druck erwartet er jedoch aus Brasilien, dem weltgrößten Zuckerproduzenten. „Der Zuckerpreis auf dem Weltmarkt ist höher als der europäische, daher werden Länder wie Brasilien oder Indien niemals ihren Zucker in die EU liefern“, ist Neubauer überzeugt.

Möglicher Preisdruck

Sehr kritisch betrachtet auch der Hollabrunner Bezirksbauernkammerobmann Friedrich Schechtner die Situation, die 2017 auf die Zuckerrübenbauern zukommt: „Für ein kleines Land wie Österreich brachte die Quote Vorteile. Wenn aber der Zuckermarkt freigegeben wird, können große Länder den Markt überschwemmen und einen Preisdruck bewirken.“

Stabiler Preis erwartet

Der Preis werde nach wie vor durch Angebot und Nachfrage geregelt. „Wenn der Preis zu sehr fällt, wird natürlich weniger produziert. Aber über die Lieferrechtsverträge wird er sich bald wieder einpendeln“, gibt sich Karl Neubauer zuversichtlich. Die aktuellen Zahlen bestätigen seinen Optimismus: Während in Österreich der Zuckerkonsum zurückgeht, steigt der Weltmarktbedarf um zwei Prozent.
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