30.05.2016, 12:53 Uhr

Niederösterreichs Buchhändler suchen dringend Lehrlinge

(Foto: Pixabay)
Die Wirtschaftskammer-Fachgruppe der Buch und Medienwirtschaft hat in Niederösterreich laut ihrem Obmann Karl Pus eine stabile Mitgliederzahl von rund 800. Für etwa 70 Betriebe ist der Buchhandel die überwiegende Verdienstquelle mit Fachberatung und Bestellservice. Auch diese Zahl ist stabil, obwohl die Umsätze 2015 leicht zurückgegangen sind.

„Lehrlinge jedoch sind, wie in vielen anderen Branchen auch, ein dringender Problempunkt“, berichtet Karl Pus dem NÖ Wirtschaftspressedienst. „Einerseits nimmt die Zahl der Ausbildungsbetriebe ab, andererseits sinkt die Zahl der Ausbildungswilligen in noch größerem Maße.“ Als „erschreckend“ fällt sein Urteil darüber aus, dass in der Berufsschule St. Pölten im heurigen Jahr keine erste Klasse in der Buch- und Medienwirtschaft zustande gekommen ist. „Das bedeutet“, so Pus, „dass es nicht nur in Niederösterreich, sondern auch in den anderen Bundesländern, mit Ausnahme von Wien, für unsere Branche keine neuen Lehrlinge gibt. Offenbar schätzen die jungen Menschen die Zukunft des Buchhandels als nicht sehr chancenreich ein. Ein neues Berufsbild, das frisch und attraktiv ist, müsste hier Abhilfe schaffen.“

Dabei verstehe sich die Branche durchaus als Dienstleister der modernen Informationsgesellschaft, nicht nur mit Publikationen in klassischer und gedruckter Form, sondern auch mit E-books, Apps und ab dem Schuljahr 2016/17 auch mit dem Elektronischen Schulbuch. „Auf den ersten Blick scheint die Abwicklung des elektronischen Schulbuchgeschäftes für die teilnehmenden Buchhandlungen und Verlage überaus aufwendig und zeitintensiv zu sein. Erst die Praxis wird zeigen, wo Verbesserungen nötig und möglich sein werden“, meint der Fachgruppenobmann.

Nach wie vor eine starke Konkurrenz sei der ausländische Onlinehandel, nicht nur im Buch- und Medienhandel. „Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden“, sagt Pus. „Konkurrenz belebt das Geschäft. Allerdings fordern wir ganz dringend von der europäischen Politik, Waffengleichheit herzustellen. Wir haben in Europa einen gemeinsamen Markt, eine gemeinsame Währung, aber extrem unterschiedliche Steuersätze, die von internationalen Konzernen einseitig ausgenutzt werden können. Ein Fehler, der schleunigst korrigiert werden muss, sonst verlieren wir die Basis des europäischen Wohlstandes, den Mittelstand.“

Pus empfiehlt seinen Kollegen, den internationalen Online-Handel im Auge zu behalten und am Rande mitzuspielen. „Denn unser Spielfeld ist die Regionalliga. Auf eigenem Terrain sind wir schwer zu schlagen“. (dsh)
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