21.04.2016, 11:01 Uhr

Ein Weltreisender in Sachen Tennis

In seiner eigentlichen Heimat Silz wurde Gebhard Gritsch (links) auch von Sportvereins-Präsident Max Heinz begrüßt. (Foto: Peter Leitner)
Gebhard Gritsch aus Silz ist bereits seit sieben Jahren Fitnesstrainer von Superstar Novak Djokovic.

SILZ (pele). Oft sieht er seine alte Heimat wahrlich nicht. Denn der 59-jährige Gebhard Gritsch ist ein Weltreisender in Sachen Tennis. Und das nicht erst, seit er die Nummer eins der Tenniswelt betreut. Früher war der Silzer Trainer in der Südstadt unter Stan Franker. Studierte zusätzlich Sport- und Trainingswissenschaft. Im Jahr 1989 wurde er vom philippinischen Tennisverband abgeworben. Dort war er Headcoach und baute in Hongkong Tennis-Akademien auf. 1998 übersiedelte er nach Neuseeland, wo er bis 2004 tätig war. Inzwischen hat er seinen Hauptwohnsitz in Wien. „Aber vor allem deshalb, da ich vom dortigen Flughafen überall, wo ich hin muss, auch schnell hinkomme“, grinst Gritsch, der vergangene Woche kurzfristig wieder einmal in Silz zu Gast war.

Der Kontakt von Gritsch zu Novak Djokovic, bei dem einige Experten im Fitnessbereich noch Verbesserungspotenzial sahen, wurde einst von Günter Bresnik gelegt, jenem Coach, der einst Horst Skoff und Stefan Koubek in die Weltelite geführt hatte. „Damals ging alles ganz schnell. Ich saß schon einen Tag später bei Djokovic in Belgrad“, erinnert sich Gritsch.

Konkurrenten als Antrieb


Die inzwischen sieben Jahre währende Zusammenarbeit wurde für den „Djoker“ bekanntlich zu einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. Woran laut Gritsch auch seine größten Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal einen gehörigen Anteil hatten. „Sie waren für Novak der Beweggrund, noch härter und noch fokussierter zu trainieren, sich täglich im Training zu quälen.“

Das kann Djokovic laut Gritsch wie kein Zweiter. „Im Spitzentennis ist die Zeit limitiert, alles muss ungeheuer effizient sein. Das betrifft auch den Einflussbereich von uns Trainern. Ich stehe zum Beispiel auch immer am Platz, wenn Novak tennisspezifisches Training macht. Es geht vor allem darum, die Qualität der Einheiten zu perfektionieren.“

Auch außerhalb des Platzes ist höchste Professionalität erforderlich. So ernährt sich Djokovic nach einem strikten Essensplan. „Über die Stränge schlagen geht nicht. Das höchste der Gefühle ist nach einer erfolgreichen Turnierwoche mal ein kleines Glas Wein oder ein Stück Schokolade“, weiß der Coach.

Becker die mentale Urgewalt


Gritsch hat es freilich nicht nur mit einem Superstar zu tun. Der zweite findet sich im Team Djokovic bekanntlich unter den Trainern. Immerhin steht der Nummer eins seit geraumer Zeit auch Boris Becker zur Seite. Laut Gritsch eine unglaubliche Bereicherung für die tägliche Arbeit: „Ich habe im Laufe der Jahre noch nie jemanden kennen gelernt, der vom Kopf her ein derart toller Wettkämpfer wie Boris ist. Davon kann Novak nach wie vor enorm profitieren. Er selbst hat ja auch eine unglaubliche mentale Stärke, entscheidet die engen Partien im Kopf für sich.“

Gedanken macht sich Gritsch auch über das österreichische Tennis und besonders über Dominik Thiem: „Das Land kann stolz sein, einen solchen Spieler zu haben. Er wird noch viel Freude bereiten, hat die richtige Einstellung zu diesem Sport.“

Wimbledon das tollste Turnier


Und welches ist für ihn selbst das beste Turnier weltweit? Da zögert Gritsch keine Sekunde: „Ohne wenn und aber Wimbledon. Das liegt einerseits an der Geschichte und andererseits am unvergleichlichen Ambiente.“ Und wohl auch etwas am Erfolg von seinem Schützling. Denn der „Djoker“ konnte bereits drei Mal am heiligen Rasen den Sieg erringen.

Aktuell gilt die Hauptkonzentration freilich dem zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres – den French Open in Paris, die Djokovic noch nie gewinnen konnte. Vorher sind aber noch die Turniere in Madrid und Rom zu spielen. Und so wird auch Gebhard Gritsch einmal mehr zum Weltreisenden.
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