06.04.2016, 11:25 Uhr

Muslime: Seelsorge gegen Radikalisierung im Gefängnis

In der Justizanstalt wird lediglich die katholische Seelsorge vom Staat unterstützt.

Nur katholische Seelsorge wird vom Staat finanziert. Die Grünen fordern das auch für Muslime.

JOSEFSTADT. Rund ein Drittel der knapp 1.000 Häftlinge in der Justizanstalt Josefstadt sind Muslime. Während die katholische Gefängnisseelsorge vom Staat mit Vollzeitstellen finanziert wird, gibt es keine einzige Stelle für andere Glaubensgemeinschaften - und eben auch nicht für Muslime.

Um das zu ändern, hat die Bezirksvertretung Josefstadt auf Initiative der Grünen einen Resolutionsanstrag für die staatliche Unterstützung muslimischer Seelrsorge beschlossen. "Die Haftzeit kann zu einem gefährlichen Nährboden für Radikalisierung werden, um das zu verhindern braucht es auch Ressourcen für die muslimische Gefängnisseelsorge", sagt Alexander Spritzendorfer von den Grünen.

Das sieht auch Ramazan Demir so. Gemeinsam mit drei anderen muslimischen Seelsorgern betreut er ehrenamtlich Insassen seiner Glaubensgemeinschaft in der Justizanstalt Josefstadt. "Wir brauchen dingend die Unterstützung vom Staat. Die Gefängnisseelsorge ist nicht nur wichtig als Prävention gegen die Radikalisierung von Häftlingen, sondern auch, weil die Insassen Halt brauchen", sagt er.

Ministerium entscheidet

Doch die Entscheidung liegt weder beim Bezirk, noch bei der Anstaltsleitung, sondern beim Justizministerium. Dieses sieht die seelsorgerische Betreuung von islamischen Insassen aber gewährleistet. "Mit den anerkannten Glaubensgemeinschaften wie der Evangelischen Kirche oder auch der Islamischen Glaubengemeinschaft bestehen Verträge zur teilweisen Abdeckung ihres seelsorgerischen Aufwands", so Magdalena Beck vom Justizministerium. Heißt: Der Staat übernimmt teilweise etwa die Fahrtkosten von ehrenamtlichen Seelsorgern in die Justizanstalten.

Doch das ist laut Ramazan Demir alles andere als ausreichend. "Ich arbeite hauptberuflich als Lehrer und schaffe es nur freitags für zwei Einzelberatungen und einen Gottesdienst in die Justizanstalt." Was es bräuchte, seien Vollzeitstellen. Denn: "Wenn die Häftlinge nicht bei uns Halt finden, dann suchen sie ihn bei anderen Insassen. Und das ist nicht gut."
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