14.04.2016, 00:00 Uhr

"Wer forscht, ist vorne und schafft Arbeit"

Nachwuchsforscher am Girls Day Mini mit Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer und einer Projektbetreuerin im Welser Welios Center. (Foto: Land OÖ)

OÖ. Wenn Manager, Politiker und Entscheidungsträger über die Zukunft, Forschung und Entwicklung sprechen, werfen Sie oft Schlagworte in den Raum, die nur Eingeweihte verstehen: F&E, Big-Data, Industrie 4.0., 3D-Drucker, LIT oder MINT-Studien. Die BezirksRundschau erklärt hier die gängigsten Schlagworte und hat nachgefragt was in diesen Themenfeldern in OÖ passiert.

Wie viel Geld investiert OÖ in Forschung und Entwicklung (F&E)?
Laut Statistik Austria fließen in Oberösterreich 3,17 Prozent des Bruttolandesprodukts in Forschung und Entwicklung (Daten aus 2013). 2009 waren es noch 2,59 Prozent gewesen. Laut Landeshauptmann-Ste­ll-vertreter Thomas Stelzer ist somit ein Aufwärtstrend erkennbar, aber: „Wir sind noch nicht dort, wo wir als führendes Wirtschafts- und Industriebundesland hingehören. Bis zum Jahr 2020 wollen wir daher eine Forschungsquote von vier Prozent erreichen“, sagt Stelzer. Nachsatz: "Wer forscht, ist vorne und schafft Arbeit." Insgesamt investiert das Land OÖ heuer 45 Millionen Euro in Forschung.

Welche Bildungseinrichtungen sind in OÖ bei der Forschung top?
Die Fachhochschule in Hagenberg, die sich auf Informatik, Kommunikation und Medien spezialisiert hat, sowie der angeschlossene Softwarepark zählen zu Vorreitern in Europa. Generell ist Oberösterreich in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie sicherlich top – wie etwa die diesbezüglichen Studiengänge an der Johannes Kepler Universität (JKU) beweisen.

Warum sind Forschung und Entwicklung so wichtig?
OÖ ist Industrieland und die Arbeitsplätze in diesen Betrieben erfordern immer weniger Muskelkraft und immer mehr Hirnschmalz. Deshalb pocht die Industriellenvereinigung (IV) darauf, dass OÖ mehr Geld in frühkindliche Bildung investiert und das HTL-Angebot erweitert wird. Außerdem soll die Forschungsquote bis 2020 auf vier Prozent der oberösterreichischen Wirtschaftsleistung angehoben werden. „Wenn die Vision, Oberösterreich an die Top-10-Industrieregionen heranzuführen, erfolgreich sein soll, muss das Hauptaugenmerk auf den Auf- und Ausbau der Technologiekompetenz in unserem Bundesland gelegt werden“, so IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.

Warum sind MINT-Studien so wichtig und was ist ein LIT?
Die Abkürzung „MINT“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Akademiker mit Hochschulabschlüssen in diesen Fächern werden von der heimischen Industrie stark nachgefragt. In Oberösterreich soll das LIT – Linz Institute of Technology – das heimische Arbeitskräftepotenzial in diesem Bereich heben. Das LIT-Forschungszentrum, das an der Kepler Universität angesiedelt ist, wird sich mit Produkt- und Produktionsprozessforschung beschäftigen. „Damit bekommt die Technik in Linz jene Bedeutung, die sie aufgrund der Stärke der Industrie verdient“, so IVOÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch.

Forschung und Entwicklung – was bringt mir das?
"Es gibt viele Beispiele für Cluster-Kooperationsprojekte, die positive Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben werden", sagt Werner Pamminger, Geschäftsführer der oö. Wirtschaftsagentur Business Upper Austria. Derzeit forschen in einem Kunststoffcluster-Projekt 14 Unternehmen in Partnerschaft mit der Kepler-Universität an einer „Bedienkonsole der Zukunft“. Es soll eine schalterlose Benutzeroberfläche entwickelt werden – etwa als Ersatz für Licht- oder Heizungsschalter. Darüber hinaus läuft im Medizintechnik-Cluster ein Projekt, das den Einsatz von keramischen Teilen in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beschleunigt. Bei Operationen würden Elemente aus Keramik, die in einem 3D-Drucker hergestellt werden, eingesetzt. Diese Teile sind extrem exakt berechnet und das Material wird vom Körper abgebaut.

Was bedeutet Industrie 4.0. und was bringt sie für Oberösterreich?
Auch als die vierte industrielle Revolution bezeichnet, läutet Industrie 4.0 einen Strukturwandel in der Industrie ein. Die zunehmende Digitalisierung von Fabriken und Produktionsbetrieben macht es möglich, dass Maschinen untereinander kommunizieren und/oder Kunden bis zuletzt in den Produktionsprozess (z.B. ihres neuen Autos) eingreifen können. „Der Prosumer (Person, die gleichzeitig Konsument und Produzent ist) beeinflusst durch seine individuellen Wünsche die Produkteigenschaften und wird über digitale Interaktion in die Produktionstätigkeiten des Unternehmen einbezogen“: So beschreibt die OÖ Zukunftsakademie in einer Studie über gesellschaftliche Veränderungen in der digitalen Welt, die Industrie 4.0.

Wieso ist Big Data in Zukunft so wichtig?
Facebook, Twitter, Amazon, Zalando oder ganz einfach die Handy-Daten hunderttausender Apple-Nutzer: Die Datenflut nimmt ständig zu. Es stellt sich nur die Frage, was damit anzufangen ist. Durch gezielte Auswertung dieser Daten könnten etwa Kaufgewohnheiten von Personen herausgefunden oder gezielt Werbungen auf besuchten Internetseiten platziert werden. Auch eine Vorhersage von Epidemie und Krankheiten könnte möglich sein. Die Verarbeitung und Analyse dieser Daten gilt als einer der größten wirtschaftlichen Wachstumsmärkte der Zukunft. Ebenso werden jene Firmen, die persönliche Daten vor Missbrauch schützen sowie­ strenge Datenschutzgesetze an Bedeutung gewinnen.

Wann gibt’s bei mir zu Hause Glasfaser-Internet?
Schnelles Internet ist nicht nur für private Haushalte, sondern ebenso für Betriebsansiedelungen ein großes Thema. Also ein Standortfaktor. Auf www.breitbandatlas.info können die Datenübertragungsraten in ganz OÖ abgefragt werden. Und da zeigt sich: Es gibt noch Aufholbedarf in unserem Bundesland. Das Land will bis 2022 eine flächendeckende Versorgung mit ultraschnellem Breitband erreichen. Von Seiten des Bundes steht dazu (für ganz Österreich) eine Breitbandmilliarde zur Verfügung.
Das Land OÖ fördert den Ausbau von ultraschnellem Internet in den Jahren 2015 und 2016 mit 12,5 Millionen Euro.
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